ÖPNV in der Region Stuttgart Wie die S-Bahn-Station der Zukunft aussehen soll

Renningen besitzt schon heute einen „Zukunftsbahnhof“. Foto: Simon Granville

Bei der anstehenden Modernisierung zahlreicher Haltestellen geht es nicht nur um die Barrierefreiheit, sondern auch ums Wohlfühlen der Fahrgäste in der Region Stuttgart.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Stuttgart - In Renningen sollte man wohnen – zumindest dann, wenn man schon heute beim Einstieg in die S-Bahn den S-Bahn-Halt der Zukunft und damit ein besonders schönes und attraktives Umfeld erleben will. Denn in der Gemeinde im Landkreis Böblingen gibt es nicht nur direkt vor dem Bahnhof eine neu angelegte Blumenwiese mit Insektenhotel, sondern auch einen digitalen Lebensmittelmarkt, bei dem Kunden die rund 800 angebotenen Produkte zu jeder Tages- und Nachtzeit entweder per App vorbestellen oder ihre Einkäufe direkt am Automaten erledigen können.

 

Im Markt können die Kunden Gutscheine für mit dem Rad zurückgelegte und auf der DB-Rad+-App dokumentierte Kilometer einlösen. Kostenloses WLAN, eine Fahrrad-Verleih-und-Service-Station, eine neu gestaltete Bahnhofsunterführung und hochmoderne Informationssysteme an den Bahnsteigen machen Renningen zu einem von nur zwei „Zukunftsbahnhöfen“ der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg.

Böblingen und Fellbach sind Vorzeigebahnhöfe

Renningen ist also das Leuchtturmprojekt für gelungene S-Bahn-Stationen in der Region Stuttgart. Aber nicht nur dort ist viel passiert, um das Umfeld an möglichst vielen der insgesamt 83 S-Bahn-Stationen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) zu verbessern und aufzuwerten. Weitere Vorzeigebahnhöfe gibt es in Fellbach und Böblingen. „Die Bahnhöfe und Haltestellen haben einen sehr hohen Stellenwert“, betonen unisono die Sprecherinnen des VVS und der Deutschen Bahn. Einerseits seien sie Visitenkarten des ÖPNV. Andererseits verbrächten dort Fahrgäste viel Wartezeit und wollten sich dabei wohl- und sicher fühlen. So schlecht steht die Region Stuttgart in diesen Punkten nicht da. Beim Thema Sicherheit haben die Fahrgäste im vergangenen Jahr den S-Bahn-Stationen die Note 2,0 gegeben, bei der Sauberkeit eine 2,3. „Aber auch die gute Zugänglichkeit zur und in die S-Bahn sind ein entscheidendes Kriterium für die Attraktivität des ÖPNV – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste“, erklärt Jürgen Wurmthaler, der Verkehrsdirektor des Verbands Region Stuttgart (VRS), der als Aufgabenträger die S-Bahn-Leistungen bei der Bahn-Tochter DB Regio bestellt.

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Meilenstein auf dem Weg zur Barrierefreiheit

Dieses Jahr hat man einen Meilenstein bei den Bemühungen um mehr Barrierefreiheit erreicht. Nachdem die Aufzugsarbeiten in Stetten-Beinstein (Rems-Murr-Kreis) abgeschlossen sind, sind nun alle S-Bahn-Steige in der Region Stuttgart stufenlos zugänglich.

Natürlich wird es eine ganze Zeit dauern, bis all die Bausünden und Fehlplanungen der vergangenen Jahrzehnte rund um die S-Bahn-Stationen in der Region behoben sein werden. Aber es tut sich viel. In einem nächsten Schritt der ÖPNV-Offensive geht es darum, möglichst viele S-Bahn-Stationen so auszubauen, dass der Ausstieg zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn-Zug niveaugleich erfolgen kann, dass Rollstuhlfahrer also ohne Hilfe in S-Bahnen ein- und aussteigen können. Zwar ist das nicht überall technisch realisierbar – etwa an Bahnsteigen, an denen wie in Esslingen, Ludwigsburg und Plochingen auch Züge des Regionalverkehrs halten. Hier werden weiterhin Rampen für Rollstuhlfahrer eingesetzt werden müssen. Aber in den Jahren bis 2035 soll sich die Situation an immerhin 32 Stationen des Stuttgarter S-Bahn-Netzes verbessern. Diese Bauarbeiten werden auch dazu genutzt, um neue Fahrgastinformations- und Lautsprecheranlagen, taktile Leitsysteme auf den Weg zum Bahnhof und auf den Bahnsteigen, Stufenmarkierungen, taktile Handlaufschilder an Treppen und Rampen sowie Wetterschutzeinrichtungen zu schaffen. Der VRS verspricht also nicht nur neue Bodenbeläge, sondern oftmals auch eine komplette Modernisierung der S-Bahn-Stationen.

Komplette Modernisierung der S-Bahn-Stationen

Eine weitere wichtige Initiative zur Stärkung des ÖPNV ist die Verknüpfung des Angebots mit anderen Verkehrsmitteln. Dazu entstehen seit rund fünf Jahren 13 regionale Mobilitätspunkte, unter anderem in Ludwigsburg, Esslingen, Sindelfingen, Böblingen und Waiblingen. Dort gibt es eine Taxistation, gesicherte Fahrradabstellplätze, Mobilitätsinformationssysteme und Lademöglichkeiten für die E-Mobilität. Das Projekt ist so gut angelaufen, dass der VRS bereits die Finanzierung von 20 weiteren solcher Mobilitätspunkte gesichert hat.

Die Videoreisezentren sollen rund um die Uhr geöffnet werden

Geplant – und teilweise bereits umgesetzt – sind 21 Videoreisezentren: Die Info-Hotline mit Beratung und Ticketverkauf per Bildschirm ist montags bis freitags von 6 bis 19.30 Uhr und an den Wochenenden von 8 bis 18 Uhr im Einsatz. Sie soll auf einen Rundumbetrieb ausgeweitet werden.

Längst überfällig ist eine weitere für die Sommerferien geplante Aktion: Die Bahn modernisiert dann die unterirdischen S-Bahn-Stationen Hauptbahnhof (tief), Stadtmitte und Schwabstraße. Dabei werden unter anderem die jahrzehntealten Bodenbeläge ausgetauscht, die Wand- und Deckenverkleidungen erneuert und ein taktiles Leitsystem – dieses auch an den Haltestellen Feuersee und Universität (Vaihingen) – installiert. Damit sollen die Stationen ein frischeres Erscheinungsbild erhalten und vollständig barrierefrei für blinde und sehbehinderte Reisende werden.

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