ÖPNV in Leinfelden-Echterdingen Noch mehr Lärmschutz an den Gleisen?

Das Schotterbett soll gereinigt und an einigen Stellen ganz erneuert werden. Außerdem wird fast die gesamte Strecke mit besohlten Schwellen ausgerüstet. Foto: /Philipp Braitinger

Die Bahn hat angekündigt, für weniger Erschütterung entlang der S-Bahnstrecke in Leinfelden-Echterdingen sorgen zu wollen. Doch damit nicht genug: Die Stadt will weitere Verbesserungen prüfen lassen und notfalls selbst dafür aufkommen. Was genau ist geplant?

Die Deutsche Bahn (DB) plant, in diesem und im kommenden Jahr die Strecke zwischen Stuttgart-Rohr und dem Flughafen zu sanieren. Dabei soll auch der von vielen Anwohnern lange ersehnte Erschütterungs- und Lärmschutz ertüchtigt werden.

 

„Es wird eine Verbesserung erreicht. Es sollte in der Stadt leiser werden durch diese Maßnahmen“, freut sich Philipp Schwarz, der Leiter des Planungsamts. „Man hat die Strecke über lange Zeit nicht saniert“, weiß er. Es gebe viele belastete Bereiche. Immerhin fährt die Bahn direkt durch Ober- und Unteraichen sowie durch Leinfelden und Echterdingen hindurch.

Damit die Bauarbeiten erfolgen können, muss die Strecke mehrfach gesperrt werden. Zunächst soll vom 15. Juli bis zum 26. Juli eine Vollsperrung erfolgen. Eine zweite Vollsperrung ist vom 9. September bis zum 27. September geplant. Es sollen Arbeiten auf der Strecke zwischen Stuttgart-Vaihingen-Rohr und dem Haltepunkt Leinfelden erfolgen. Wann es im kommenden Jahr weitergeht, ist noch unklar.

Einen Hebel, die Bahn zu mehr Schallschutz zu zwingen, gibt es offenbar nicht. Die Lärmwerte entlang der Stecke gäben das nicht her, so Schwarz. „Es ist erstaunlich, ja“, meinte der Planungsamtsleiter dazu. Nichtsdestotrotz habe sowohl die Stadt als auch die Bürgerinitiative für menschen- und umweltverträglichen Schienenverkehr in LE (BIMUSLE) in Kontakt zur Bahn gestanden, um regelmäßig mehr Lärm- und Erschütterungsschutz anzumahnen.

Ganz ohne Wirkung waren die regelmäßigen Interventionen nicht. Viele Anwohner beklagen sowohl Lärm als auch Erschütterungen in ihren Häusern durch die S-Bahn. „Es rappelt in den Häusern“, bestätigt Schwarz. Wichtig könnte neben den Beschwerden gewesen sein, dass der Erschütterungs- und Schallschutz bereits in der Vergangenheit im Zuge früherer S21-Planungen genauer unter die Lupe genommen worden war, vermutet Schwarz. Mit der voraussichtlichen Entscheidung für den Pfaffensteigtunnel wären die Planungen, auf der S-Bahntrasse in Leinfelden-Echterdingen auch andere Züge fahren zu lassen, zwar obsolet. Der Schall- und Erschütterungsschutz soll nun aber trotzdem kommen.

Unter anderem wird das Schotterbett gereinigt beziehungsweise an einigen Stellen auch ganz erneuert. Außerdem wird fast die gesamte Strecke mit besohlten Schwellen ausgerüstet. Durch Einarbeitung der Sohle in den Beton wird ein direkter Verbund mit der Schwelle erreicht. So wird der Gleisschotter geschont und eine bessere Gleiselastizität erzielt. Ferner werden die Unterschottermatten in den Trogbauwerken ausgetauscht oder eingebaut, insbesondere in Echterdingen.

Die Funktionen der Matten

Die Matten haben mehrere Funktionen. Einerseits dienen sie der Vermeidung von Schotterverschleiß und zum Schutz von Bauwerksbeschichtungen in der Grenzfläche zwischen Schotter und Beton oder Stahl. Andererseits dienen sie der Schwingungsdämmung und Körperschallentkopplung. Teils wird bei der nun anstehenden Ertüchtigung auch eine Sandschicht zur Erhöhung der Tragfähigkeit eingebaut. Und in sensiblen Bereichen, also wohl vor allem in Kurven, sollen Schienenschmieranlagen eingebaut werden. Sie dienen einerseits einer Verringerung des Verschleißes. Gleichzeitig reduzieren sie aber auch den Lärm.

In der Kurve in Unteraichen soll es einen kurzen Abschnitt mit einer Planumsschutzschicht geben. Das ist eine Tragschicht zwischen Boden (Planum) und Schotterbett. Sie wirkt lastverteilend, leitet das Oberflächenwasser ab und verhindert das Durchmischen von Schotter und Boden.

Damit soll es aber nicht getan sein: Die Stadt Leinfelden-Echterdingen möchte prüfen lassen, wo Schienenstegdämpfer eingebaut werden könnten. Durch diese Maßnahme könnte der Lärm weiter verringert werden. Falls die Bahn die von der Stadt vorgeschlagenen weitergehenden Maßnahmen nicht bezahlen möchte, könnte die Stadt teilweise oder womöglich sogar ganz dafür aufkommen. Die Schienenstegdämpfer können allerdings erst nach der Streckensanierung, dafür aber bei laufendem Betrieb eingebaut werden.

Verbindung mit der Gäubahn

Geld
Die Bahn wird die angekündigten Maßnahmen selbst finanzieren. Was die Maßnahmen kosten sollen, ist noch nicht bekannt. Sollte die Stadt darüber hinaus weitere Verbesserungen haben wollen, könnte sie in Absprache mit der Bahn selbst finanzieren. Bis zu fünf Millionen Euro waren einst unter dem Schlagwort „Lärmschutzfonds“ dafür vorgesehen gewesen.

Pfaffensteigtunnel
Der Tunnel ist Teil der Gäubahn. Der rund elf Kilometer lange Tunnel wird das östliche Ende des Stuttgarter Flughafen-Fernbahnhofs mit der bestehenden Strecke der Gäubahn auf Höhe der Autobahnanschlussstelle Sindelfingen-Ost verbinden. Er ist als zweiröhriger, jeweils eingleisiger Eisenbahntunnel geplant, der in ost-westlicher Richtung vom Flughafen unter Leinfelden hindurch verläuft. Im Jahr 2026 soll laut Bahn mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist im Jahr 2032 geplant.

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