Bus der Linie 643 am Leonberger Bahnhof: Ist ab 1. Januar 2026 wirklich Schluss? Foto: Simon Granville
Leonberg steht vor Veränderungen im Busverkehr. Ab 2026 zeichnet der Landkreis für den innerstädtischen ÖPNV verantwortlich. Die Linie 643 soll wegfallen. Es kommen aber neue hinzu.
In Leonberg gibt es bald eine Buslinie weniger – was im Haldengebiet so gar nicht gut ankommt. Die Linie 643 wird zum 1. Januar 2026 eingestellt. Bislang verbindet sie den Leonberger Bahnhof unter der Woche achtmal täglich mit dem Wohngebiet im Norden der Stadt. Am Wochenende verkehrt der Bus – kein großer Linienbus, sondern ein kleinerer – samstags fünfmal.
Bewohner des Haldengebiets: Viele sind auf den Bus angewiesen
„Sehr viele hier sind auf diesen Bus angewiesen“, sagt zum Beispiel Alexander Hermann, der im Haldengebiet lebt. Er ist über die Pläne alles andere als amüsiert. Man habe sogar Unterschriften gesammelt und diese der Verwaltung übergeben, verbunden mit einem Brief, in dem von einem „bitteren Verlust“ die Rede ist. Rund 135 sind dabei zusammengekommen. Allerdings hat Hermann nur noch eine leise Hoffnung – es ist fraglich, ob sich am Aus für die Buslinie tatsächlich noch etwas ändern wird. Möglicherweise wird aber über andere Lösungen diskutiert werden, wie die Stadt in ihrer Antwort an die Initiatoren schreibt. Wie die aussehen sollen, steht indes noch nicht fest.
Doch warum steht das Ende der Linie 643 überhaupt bevor? Nachgefragt bei der Stadt – die Stadtwerke als kommunaler Eigenbetrieb betreiben die Linie. Noch. Die sogenannten „Verkehrsleistungen“ erbringt die Firma Kappus aus Warmbronn. Stadt-Pressesprecherin Leila Fendrich antwortet auf eine Anfrage unserer Zeitung: „Durch die Rückübertragung der Aufgabenträgerschaft an den Landkreis Böblingen zum 1. Januar 2026 soll die Buslinie 643 entfallen.“ Mit den Haltestellen Strohgäustraße, an denen die Linien 650 und 651 halten, sowie den Stopps Feuerbacher Straße mit den Linien 650, 651 und 635 gelte das Haldengebiet als angebunden. „Eine Feinerschließung des Haldengebiets kann durch die beengten Straßenverhältnisse nur durch Kleinbusse erfolgen.“ Nur: Die Ausschreibung des Linienbündels BB01 sehe keine Kleinbusse vor.
Linienbündel BB01? So wird in Stadt- und Kreisverwaltung der Stadtverkehr in Leonberg bezeichnet. Im April des vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat den Verwaltungsvorschlag abgesegnet, die Trägerschaft des ÖPNV im Gebiet der Stadt Leonberg zum 1. Januar 2026 an den Landkreis Böblingen zurückzugeben. „Aufgrund der erforderlichen Neustrukturierung der Stadtwerke Leonberg bestehen auch Überlegungen die (freiwillige) Aufgabenträgerschaft im ÖPNV zukünftig nicht mehr durch die Stadt Leonberg zu übernehmen“, hieß es damals in der Sitzungsvorlage. Also rutschte auch die Neuvergabe der ÖPNV-Verkehrsleistungen wieder unters Dach des Kreises. Die Stadt war zuvor seit 2014 zuständig gewesen.
Die Ausschreibung sieht keine Kleinbusse vor. Foto: Simon Granville
Linienbündel umfasst den Stadtverkehr in Leonberg
Das Linienbündel umfasst die Linien 631, 632, 640, 641, 642, 643, RT 644, 651, 655, 747, N63 sowie die künftigen Linien 654 und 650 – also einen großen Teil der Busse, die innerhalb Leonbergs verkehren oder die Stadt unter anderem mit Rutesheim, Gebersheim, aber auch Sindelfingen, Böblingen sowie im Kreis Ludwigsburg Hirschlanden, Schöckingen und Hemmingen verbinden. Mit im Boot ist neben Kappus noch das Unternehmen Ruoff aus Hemmingen. Auf zahlreichen dieser Routen kommt es in Zukunft zu Änderungen in Fahrplan und Taktung. So fällt zum Beispiel das Ruftaxi RT 644 aus Eltingen zum Waldfriedhof aufgrund geringer Nachfrage weg. Allerdings kommen mit den Linien 650 und 654 auch neue hinzu.
Das Stichwort „Feinerschließung“ fällt jedoch vor allem bei den Linien 642 und 643. Und der Wegfall des 643ers stellt einige Menschen speziell im Haldengebiet vor Probleme. „Wir sprechen hier auch von älteren Personen und Menschen mit Behinderung“, betont Alexander Hermann. Laut seiner Aussage seien die Busse unter der Woche stets gut gefüllt. Die Stadt macht auf dezidierte Nachfrage indes keine Angaben zur Auslastung.
Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für das Haldengebiet
Allerdings gibt es vielleicht doch noch ein Hoffnungsfünkchen. „Aktuell werden Lösungen zur Feinerschließung des Haldengebiets erarbeitet, welche dem Gremium im September vorgestellt werden sollen“, verkündet Pressesprecherin Fendrich, gepaart mit der Empfehlung: „Die Verwaltung empfiehlt, die Nutzung der Haltestellen Strohgäustraße und Feuerbacher Straße.“