ÖPNV in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen Warnstreik: Auch Schulbusse werden nicht fahren

Der Ludwigsburger Busbahnhof wird am Donnerstag leer bleiben. Betroffen vom Streik sind auch Nachbarkommunen. Foto: Werner Kuhnle

Schwere Zeiten für Nutzer des ÖPNV im Kreis Ludwigsburg: Wegen eines Warnstreiks entfallen in zwei Kreisstädten sowie in Nachbarkommunen am Donnerstag sämtliche Busfahrten. Auch Schulbusse sind betroffen.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Wer mit dem Bus fahren will, hat am Donnerstag schlechte Karten: In Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen entfallen sämtliche Busse. Nachbarkommunen sind ebenso betroffen wie Linien- und Schulbusfahrten. Die Gewerkschaft Verdi hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter privater Busunternehmen zum Streik aufgerufen. Und auch das zur Deutschen Bahn gehörende Busunternehmen Friedrich Müller werde bestreikt, sagt ein DB-Sprecher.

 

Begründet wird der Warnstreik damit, dass die erste Verhandlungsrunde ohne ein Angebot der Arbeitgeber zu Ende gegangen sei. Vor der zweiten Runde am 15. Januar soll mit dem Streik Druck auf den Arbeitgeberverband baden-württembergischer Busunternehmen (WBO) ausgeübt werden, um zu einem schnellen und für die Beschäftigten günstigen Abschluss zu kommen. Die Friedenspflicht war zum Ende vergangenen Jahres ausgelaufen. Im privaten Omnibusgewerbe des Landes sind laut Verdi-Angaben rund 9000 Menschen tätig.

Arbeitgeber argumentieren mit hohen Abschlüssen

Dass die Gewerkschaft unter anderem neun Prozent mehr Geld fordert, hält Frank Metzger, Betriebsleiter bei LVL Jäger in Ludwigsburg, für weit überzogen. „Die Inflation im Jahr 2024 war ja deutlich geringer und lag bei nur stark zwei Prozent.“ Verdi fordert zudem 100 Euro mehr im Monat für die Auszubildenden und zwei zusätzliche freie Tage – letzteres allerdings nur für Gewerkschaftsmitglieder. „Und das kommt für uns überhaupt nicht in Frage, wir behandeln alle gleich“, betont Carry Greiner, die LVL-Geschäftsführerin, die auch für die Arbeitgeberseite in der Tarifkommission sitzt.

Auch Schulbusse werden nicht fahren. Foto: Archiv/Werner Kuhnle

Außerdem habe es für die starken Kostensteigerungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bereits in den letzten Runden einen Ausgleich gegeben. „Im Juni 2023 sind die Entgelte um sieben Prozent gestiegen, im Februar 2024 wieder um sieben Prozent.“ Zudem sei im Manteltarifvertrag die Pausenregelung neu verhandelt worden, was nochmals etwa einem Prozent mehr entspreche.

Hinzu komme, dass es speziell bei LVL Jäger übertarifliche Regelungen gebe, von denen die Beschäftigten profitierten. Dass auch in Ludwigsburg dennoch gestreikt wird, erklärt Greiner mit dem sehr hohen Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern und der Tatsache, dass sie die Arbeitgeberseite vertrete. Selbst, wenn eine geringe Zahl von Busfahrern nicht streike, lasse sich ein Busbetrieb nicht aufrecht erhalten, sagt Frank Metzger. „Wir könnten niemandem erklären, warum eine Buslinie entfällt und die andere nicht.“

Busfahrer stehen mehrheitlich hinter dem Streik

Hört man sich unter den Busfahrern um, zeigen sich die meisten zum Streik entschlossen. „Die Inflation geht hoch, alles wird teurer, Strom, Heizung, auch die Krankenversicherung. Der Streik ist definitiv nötig“, sagt einer aus einer Gruppe von Busfahrern während einer Kaffeepause am Ludwigsburger Omnibusbahnhof. Ihren Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Ein anderer sagt, vor allem als Alleinverdiener habe man es schwer. Ein dritter glaubt gar, selbst der Gewerkschaft nicht vertrauen zu können. „Die arbeiten doch mit dem Chef zusammen“, schimpft er. „Und wir sind immer der Verlierer.“ Auch die Höhe der Forderung von neun Prozent mehr finden die Männer gerechtfertigt: „Man kriegt eh nicht so viel, wie jetzt verlangt wird.“

Ganz anders dagegen sieht ihr Kollege Vehbi Aniliroglu die Situation. Er betont: „Ich bin froh, dass ich jeden Monat mein Geld kriege; für ein paar Prozent mehr möchte ich nicht riskieren, irgendwann auf der Straße zu stehen.“ Er sei früher selbstständig gewesen und sehe deshalb auch, was sein Arbeitgeber LVL Jäger schultern müsse. „Vor uns steht eine Rezession, die Spritpreise steigen, die Ersatzbusse, die vorgehalten werden, kosten viel Geld, und wegen Homeoffice fahren weniger Leute mit dem Bus – ich denke, man muss die Kirche auch im Dorf lassen.“ Außerdem, so findet er, gebe es unter anderem wegen der freiwilligen Zusatzleistungen im Umkreis keinen besseren Arbeitgeber.

Goran Tolic, Betriebsratsvorsitzender beim Bietigheimer Busunternehmen Spillmann, hat hingegen einen anderen Blick auf den Streik. „Die Höhe der Forderung ist völlig gerechtfertigt, die Schere zwischen dem ÖPNV und anderen Arbeitgebern, bei denen auch am Wochenende gearbeitet wird, ist immer weiter auseinandergegangen. Wir haben lange Arbeitszeiten, sind auch am Wochenende und an Feiertagen im Einsatz und müssen flexibel sein. Und wir haben einen großen Fahrermangel. Man muss den Beruf attraktiver machen, gerade für junge Leute. Denn das Durchschnittsalter der Busfahrer liegt bei 53 Jahren. Und ein Alleinverdiener mit zwei Kindern bräuchte mindestens 4000 Euro netto.“

Nicht nur innerstädtische Fahrten betroffen

LVL Jäger
Durch die Streiks entfallen nicht nur die innerstädtischen Fahrten. Betroffen sind auch die überörtlichen Verbindungen nach und von Kornwestheim, Remseck, Asperg, Marbach, Waiblingen und Stuttgart-Stammheim.

Spillmann
Auch in Bietigheim-Bissingen sind außer den innerstädtischen überörtliche Verbindungen vom Warnstreik betroffen. Im Einzelnen werden Unterriexingen, Tamm, das Tammerfeld, Ludwigsburg-Hoheneck, Metterzimmern, Sachsenheim, Untermberg, Löchgau, Bönnigheim und Freiberg nicht angefahren.

Friedrich Müller Omnibusunternehmen
Hier werden ebenfalls alle Linien bestreikt. Betroffen sind Verbindungen nach und von Marbach mit Rielingshausen und Hörnle, Erdmannhausen, Affalterbach mit Wolfsölden, Oberstenfeld mit Gronau und Prevorst, Großbottwar mit Winzerhausen und Hof und Lembach, Steinheim, Murr, Beilstein sowie die Linie 625 in Ditzingen, die vom Bahnhof Süd zum Gewerbegebiet Süd führt.

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