Monatelang ist darum gerungen worden, nun bekommt der Filder-Express zwischen Esslingen und Kemnat eine andere Routenführung. Unter Anwohnern formiert sich unterdessen neuer Protest.

Jetzt also doch. Mit vier Monaten Verspätung nimmt an diesem Montag, 1. August, der Bus der Linie 131 seine neue Streckenführung durch die Straße Pfennigäcker in Heumaden auf. Der sogenannte Filder-Express wird dann auf seiner Fahrt von Esslingen nach Kemnat künftig an der Stadtbahn-Haltestelle Heumaden ins Wohngebiet einfahren, an der Haltestelle Bockelstraße wieder rauskommen und von dort am Sillenbucher Markt vorbei über die Kemnater Straße verkehren. „Für Fahrgäste sind damit zahlreiche Vorteile verbunden“, heißt es in einer VVS-Mitteilung. Passagiere aus Kemnat bekommen eine schnellere Verbindung in die Stuttgarter Innenstadt, Sillenbucher können künftig umsteigefrei nach Esslingen gelangen, wird unter anderem aufgezählt.

Eigentlich hätte die neue Linienführung bereits ab dem 2. April gelten sollen, kurz vor dem Start hatte aber das Stuttgarter Ordnungsamt interveniert. Es gebe zu wenige Bus-Rangierflächen durch zu viele parkende Autos am Pfennigäcker. Was getan werden muss, damit der Bus störungsfrei durch die etwa 600 Meter lange Wohnstraße kommt, hatte das Amt Ende April dem Bezirksbeirat präsentiert. Es brauche Ausweichstellen für den Begegnungsverkehr, mehr Platz in engen Kurven und freie Sicht auf Fußgänger. Dafür müsse man Parkplätze streichen, 20 insgesamt von 140.

Bezirksbeirat hatte sich zuvor eindeutig pro Bus 131 positioniert

Dieser Tage ist dies umgesetzt worden. „Am Montag wurden Markierungen angebracht und am Mittwoch Schilder aufgestellt“, erklärt der Verkehrsplaner Mario Graunke, der die Linienführung für die Firma GR Omnibus konzipiert hat. Er spricht von einer „konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Amt für öffentliche Ordnung und dem Tiefbauamt bei der Umsetzung der Maßnahmen“. Auch der Bezirksbeirat hatte sich zuvor eindeutig pro Bus 131 positioniert.

Etliche Pfennigäcker-Anwohner werden indes enttäuscht sein. Im Frühjahr hatte sich eine Initiative formiert, um den Bus in der 30er-Zone zu verhindern. Knapp 250 Unterschriften wurden gesammelt. Die Hauptgründe der Gegner: ein aus ihrer Sicht geringer Mehrwert, Gefahren für Fußgänger, die wegfallenden Parkplätze – etwa 470 Menschen sind an der Straße gemeldet und haben 207 Fahrzeuge zugelassen –, Lärm und Einbußen der Lebensqualität. 82 Busfahrten wird es täglich zwischen 4.37 und 1.19 Uhr durch die Straße geben, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Aus dem Pfennigäcker ist zu hören, dass sich bereits neue Protest-Grüppchen formieren. Eine Anwohnerin sagt, man fühle sich vor Ort zu wenig respektiert mit seinen Sorgen.

„Wir haben vieles geprüft und abgewogen“, sagt indes Mario Graunke. Im Ergebnis habe sich die Linienführung, wie sie jetzt kommt, als einzig sinnvolle erwiesen. Einen Wermutstropfen gibt es aus seiner Sicht trotzdem. „Leider darf das Busunternehmen die neue Haltestelle Bernsteinstraße noch nicht zum 1. August einrichten“, sagt er. Hier gebe es noch Abstimmungsbedarf mit den zuständigen Ämtern und der Polizei. Das Ziel sei, die neue Haltestelle, mit der dann auch das Heumadener Gebiet Über der Straße an die 131 angebunden würde, noch dieses Jahr einzurichten.