ÖPNV-Pakt in Region Stuttgart Streit um die Tariferhöhung – war da was?

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Im ÖPNV-Pakt arbeiten Land, Region, Kreise und Stadt Stuttgart für einen besseren Nahverkehr in der Region Stuttgart. Nun zogen sie zufrieden Bilanz. Selbst die umstrittene Tariferhöhung im VVS trübte die Stimmung nicht.

Zufrieden mit der Arbeit im ÖPNV-Pakt (von links): Regionalpräsident Thomas Bopp, OB Fritz Kuhn, Verkehrsminister Winfried Hermann und Landrat Roland Bernhard (Kreis Böblingen). Foto: Verkehrsministerium
Zufrieden mit der Arbeit im ÖPNV-Pakt (von links): Regionalpräsident Thomas Bopp, OB Fritz Kuhn, Verkehrsminister Winfried Hermann und Landrat Roland Bernhard (Kreis Böblingen). Foto: Verkehrsministerium

Stuttgart - Einen Tag nach der umstrittenen Preiserhöhung im VVS (durchschnittlich 1,9 Prozent zum 1. April 2020) bemühten sich die Beteiligten, den Nahverkehr in der Region Stuttgart im Licht der Dezembersonne vom Mittwoch glänzen zu lassen. Anlass dazu bot die Sitzung des ÖPNV-Pakts im Verkehrsministerium, bei der Minister Winfried Hermann, OB Fritz Kuhn, Regionalpräsident Thomas Bopp und der Böblinger Landrat Roland Bernhard als Vertreter der Landkreise eine Bilanz der Zusammenarbeit zogen. „Wir haben sehr viel erreicht und noch sehr viel vor“, sagte Hermann. Der ÖPNV sei deutlich verbessert worden. Der Pakt, in dem die Aufgaben der einzelnen Partner und gemeinsame Ziele festgelegt sind, soll bis 2025 fortgesetzt werden.

Kreise wollen mehr investieren

Neue Angebote konnten die Vertreter indes nicht nennen. So verwies Hermann auf das bekannte Konzept der Metropol­expresszüge, die Pendler aus dem Umland im Halb-Stunden-Takt nach Stuttgart bringen. Zwar verkehrten heute mehr Züge, dennoch hätten die Betreiber DB Regio, Abellio und Go Ahead große Probleme. Sie rührten aber daher, dass die Zugbauer Stadler und Bombardier nicht lieferten. Kuhn hob den Ausbau des Stadtbahnnetzes und das Plus bei Fahrten im VVS um 16 Prozent seit 2012 hervor, Bernhard die Steigerung der Busverkehre in den Kreisen. „Die Kreise investieren schon heute 150 Millionen Euro in den Nahverkehr, in den nächsten Jahren werden wir in Richtung 200 Millionen marschieren“, sagte er. Dazu gehöre auch, dass Busse in der Hauptverkehrszeit öfter verkehrten, um der Ausweitung des 15-Minuten-Takts der S-Bahn zu folgen. Zu den Verbesserungen im S-Bahnsystem gehöre auch, dass die Region sich für den digitalen Schienenknoten einsetze und 58 neue Fahrzeuge kaufe, so Bopp. Außerdem investiere er in neue P+R-Anlagen und Expressbuslinien.

Kritik aus dem Grünen-Lager

Und die Fahrpreiserhöhung? Grüne wie der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel und Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz übten scharfe Kritik an CDU und Freie Wähler wegen ihrer Weigerung, einer Nullrunde zuzustimmen. „Es ist verantwortungslos, wie das wichtige Signal der Tarifzonenreform mit einem Schlag kaputt gemacht wird“, so Gastel. Dagegen sprach Kuhn, der Aufsichtsratschef im VVS ist und sich wie Hermann für die von den Kreisen verhinderte Nullrunde eingesetzt hatte, von einer Entscheidung, in der sich diejenige durchgesetzt hätten, die das Geld für mehr Investitionen verwenden wollten. Auch Bernhard verteidigte den Beschluss. Er sei von den Kreistagen als demokratische Gremien gefasst worden. Man müsse anerkennen, dass dort „andere Prioritäten“ gesehen wurden. Für Kuhn hat sich der VVS auch in diesem Streit bewährt: „Er zwingt zur Kooperation.“

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