ÖPNV-Streik So umgehen Pendler aus Fellbach das Streik-Chaos in Stuttgart

Die Stadtbahn rollte wegen des Streiks nicht wie sonst von Fellbach nach Stuttgart – Pendler mussten andere Lösungen finden. Foto: Eva Schäfer

Der ÖPNV-Streik in Stuttgart sorgt für Anspannung. Doch viele Pendler in Fellbach fanden erstaunliche Wege zum Job.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Streik im Nahverkehr – die Nachricht löst bei Pendlern oft Stress aus. „Ich habe natürlich vorab geschaut, ob die S-Bahn fährt“, sagt Martina Maier. Die Fellbacherin steigt normalerweise immer in die Stadtbahn, um zu ihrem Arbeitsplatz in der Stadtmitte von Stuttgart zu kommen. Sie habe dann die S-Bahn genommen und das sei kein Problem gewesen, sagt die Fellbacherin. „Um diese Uhrzeit gab es reichlich Platz.“

 

Kurz vor 6 Uhr morgens sei sie bereits los. Später auf dem Nachhauseweg könne es natürlich anders aussehen und die S-Bahnen deutlich voller werden. Auch Kollegen aus dem Cannstatter Hallschlag hätten keine Probleme mit der Anfahrt gehabt – aber auch diese seien sehr früh unterwegs gewesen.

Die S-Bahn ist für viele eine wichtige Alternative

Viele haben sicher aufgeatmet, als sie in die VVS-App geschaut haben, wie sie am Montag vom Remstal nach Stuttgart kommen: Die S-Bahnen rollen und sind vom Streik nicht betroffen. Doch wer normalerweise die Stadtbahnen nutzt, muss andere Lösungen finden.

Die S-Bahn war für Pendler aus Fellbach beim Streik eine wichtige Alternative. Foto: Eva Schäfer

Wie Jan Bleckert, Verdi-Verhandlungsführer, auf Nachfrage mitteilte, wurde vom Bezirk Stuttgart ausschließlich die SSB zum Streik aufgerufen. Außerdem werden die Städtischen Verkehrsbetriebe Esslingen (SVE) bestreikt. Betroffen ist im Rems-Murr-Kreis also Fellbach, wo die Stadtbahnen U1 und U16 von der SSB betrieben werden.

Der Streik geht, wie Jan Bleckert mitteilt, bis Dienstende. Mancher Nachtdienst gehe bis 2 Uhr, das bedeute, dass spätestens ab 3 Uhr am Dienstag der Streik beendet sei.

Eine der zentralen Forderungen des Streiks sind bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im ÖPNV. „Die kommunalen Verkehrsunternehmen haben immer größere Probleme, Fahrerinnen und Fahrer für die besonders belasteten Schichten zu gewinnen“, sagt Bleckert. Der Beruf bedeute extrem frühe und späte Arbeitszeiten, ohne die Chance, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Job zu kommen. Hinzu kämen Arbeit am Wochenende und Wechselschichten. Außerdem würden wegen unverschuldeter Verspätungen häufig keine Pausen eingelegt.

Gewerkschaft pocht auf bessere Arbeitsbedingungen

„Die Nachtstunden und an Feiertagen durchzuarbeiten, ist zudem belastend für die Gesundheit“, sagt der Verdi-Verhandlungsführer. „Der ÖPNV braucht eine ausreichende Finanzierung, er ist das A und O der gesellschaftlichen Mobilität“, so Bleckert. Schon an dem einen Morgen habe sich in Stuttgart gezeigt: „Wenn der ÖPNV nicht fährt, ist kein Vorankommen.“

Eine andere Fellbacherin, die einen Besuch in Winnenden am Montag plant, hat sich ebenso vorher schlau gemacht. Vom Rathaus-Carrée aus nehme sie den 60er Bus bis zum Bahnhof in Fellbach und steige dann am späten Vormittag in die S3 nach Winnenden. „Ich bin froh, dass die S-Bahn fährt“, sagt sie.

Fahrgast: „Verstehe, dass die Leute für bessere Bedingungen streiken“

Nach Stuttgart zu fahren, das hätte sie aber heute freiwillig nicht gemacht. Das sei wahrscheinlich stressig geworden, vermutet sie. Und sie betont: „Ich verstehe, dass die Leute für bessere Bedingungen streiken.“ Aber für sie sei am Montag im Vordergrund gestanden, wie sie von A nach B komme.

Wie die SSB mitteilt, sind in Stuttgart die Busse und Bahnen der SSB sowie die Seilbahn, die Zahnradbahn, der Zacke-Bus und der On-Demand-Service SSB Flex nicht im Einsatz. Die Nachtbusse von Montag auf Dienstag sind ebenso nicht im Einsatz. Laut SSB sollte der Betrieb mit Betriebsbeginn am Dienstag, 3. Februar, wieder nach Fahrplan laufen.

Die Busse von Privatunternehmen, die im Auftrag der SSB auf den SSB-Linien fahren, seien weitestgehend wie gewohnt unterwegs. Der Landkreis Esslingen ist vom Streik besonders betroffen. Dort stehen alle Buslinien der SVE in Esslingen am Montag still. Ein Notfahrplan für den Schülerverkehr wurde laut SSB nicht eingerichtet.

Wie die S-Bahnen sind auch die Regionalzüge, Nebenbahnen, weitere Busunternehmen in der Region und der VVS-Rider vom Streik der Gewerkschaft Verdi nicht betroffen.

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