Özcan Cosar in Stuttgart Heimspiel mit Baklava ohne Bratwurst

Özcan Cosar in der Porsche-Arena Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Der Comedian und Podcast-Star Özcan Cosar sucht und findet in der ausverkauften Porsche-Arena allen Klischees zum Trotz das Verbindende zwischen den Kulturen.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Die Porsche-Arena zu füllen, und das mit einem Zusatztermin auch noch zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres, gelingt nicht vielen Comedians. Aber für Özcan Cosar ist es am Rande des Samstagabendrummels auf dem Wasen eine Art Heimspiel. Er ist in Bad Cannstatt geboren und in Hausen, nun ja, sozialisiert worden. Dem Rat seines Vaters über schlechten Umgang folgte er nicht immer: „Wenn du mit Bienen fliegst, fliegst du zum Honig. Wenn du mit Fliegen fliegst, fliegst du zur Scheiße.“ Auf die richtige Erfolgsspur ist Cosar dennoch gekommen: als Deutscher Meister im Breakdance, später auch als Schauspieler und Moderator. Einen Popularitätsschub hat es mit dem Ruhrpottkomiker Bastian Bielendorfer im Podcast „Bratwurst und Baklava“ gegeben, der inzwischen auch den Sprung ins Fernsehen geschafft hat.

 

Comedian Cosar punktet mit Fäkalstory aus dem Ägyptenurlaub

Allein auf der Bühne muss Özcan Cosar doppelt so viel Gas geben. Und das tut er, gelegentlich mit Gesangs- und Tanzeinlagen, gleich zu Beginn mit „Cotton Eye Joe“ und der Klage, dass manche 30 Jahre nur mit ein und demselben Lied auftreten könnten, er hingegen alle zwei Jahre ein neues Programm schreiben müsse. Wobei er immer öfter das F-Wort verwende – und das laute „früher – weil die Gegenwart nicht mehr so viel hergibt“ und mit 43 erste Alterserscheinungen aufkommen.

Die meisten Lacher aber holt er nicht mit Erzählungen von ganz früher, etwa seinem Job bei einem Schuh- und Schlüsseldienst oder dem Empfang seiner Mutter, als er im Streifenwagen nach Hause gebracht wurde, sondern mit einer Fäkalstory aus dem Ägyptenurlaub – von wegen bloß kein Leitungswasser trinken – und der Erkenntnis: „Jede Kultur geht irgendwann unter.“

Özcan Cosar: Für Tiktok und Insta macht er einen Clip vom Publikum

Dabei sind es gerade die unterschiedlichen Kulturen und ihre Klischees, deren Verbindungen Cosar auch im Publikum sucht – und bei interkulturellen Beziehungen findet, so etwa eine russisch-albanische. Er sieht immer die Gemeinschaft, trotz aller frechen Sprüche, die ihm niemand übel nehmen kann. Nicht die Deutschen, auf deren Hochzeiten der Standesbeamte so klingt, als ob er AGBs vorliest. Nicht die Türken, auf deren Feiern dem Brautpaar viel Geld zugesteckt wird, in Erwartung, dass man auf der eigenen Hochzeit genauso viel zurückbekommt – mit Videobeweis.

Den gibt es auf Tiktok und Instagram auch vom Jubel über seine Show, denn statt einer Zugabe macht Cosar einen Clip vom Publikum und der „Reise zurück in meine Heimat“ – sagt der Comedian, der mit Frau und Kindern inzwischen in Karlsruhe lebt.

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