Offene Gärten im Kreis Esslingen Paradiese für Bienen, Käfer und Co.
Die Aktion Offene Gärten lockt nach zweijähriger Corona-Pause bei herrlichem Wetter viele Besucher in private grüne Oasen. Insektenfreundliches Gärtnern liegt im Trend.
Die Aktion Offene Gärten lockt nach zweijähriger Corona-Pause bei herrlichem Wetter viele Besucher in private grüne Oasen. Insektenfreundliches Gärtnern liegt im Trend.
Sie säen, pflanzen, gießen, harken und jäten nicht nur für ihren eigenen Garten – ihnen allen liegen eine lebens- und schützenswerte Umwelt, der sorgsame und respektvolle Umgang mit der Natur sowie die Erhaltung der Artenvielfalt am Herzen: 27 Gartenbesitzer öffneten in Esslingen, im mittleren Neckarraum und im Großraum Stuttgart bei der elften Auflage der Aktion Offene Gärten ihre grünen Paradiese für Besucherinnen und Besucher. Und die Naturliebhaber kamen bei hochsommerlichem Wetter in Massen. Sie wandelten zwischen duftenden Lavendelbüschen, rosa Purpurglöckchen und ersten roten Kirschen, fachsimpelten über Un- und Beikräuter, über Nütz- und Schädlinge, ließen sich inspirieren, und erfuhren jede Menge über insektenfreundliches Gärtnern.
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Im Bienenhotel herrschte reges Treiben: Die riesige in Eigeninitiative gebaute Insekten-Nisthilfe steht am Eingang zur Gartenanlage des Siedler- und Kleingärtnervereins Altbach. „Zur Schlupfzeit ist das Brummen noch einige Meter entfernt zu hören“, erzählte Sven Scheider, erster Vorsitzender des Vereins. „Kleine Tiere, große Wirkung“, betonte Björn Marschner, Platzwart und Hobby-Imker, der in guten Jahren von seinen fünf Bienenvölkern auf dem Gelände rund 100 Kilo Blütenhonig erntet. 55 Parzellen werden auf dem Grundstück im Naturschutzgebiet Alter Neckar individuell bewirtschaftet, und die Vereinsmitglieder wissen nur zu gut um das Insektensterben und die massive Gefährdung der Artenvielfalt. Deshalb liegt ein besonderes Augenmerk auf dem Schutz von Bienen, Schmetterlingen, Käfern und Co. „Brennnesseln sind wichtige Futterpflanzen für Schmetterlinge. Lassen Sie irgendwo in Ihrem Garten einen Flecken ungemäht stehen, die Tiere lieben das“, plädierte Marschner fürs naturnahe Gärtnern und zeigte den Besuchern in seinem Bauerngarten ein Taubenschwänzchen, das wie ein Kolibri um das leuchtende Eisenkraut herumflatterte.
Auch im ehemaligen Pfarrgarten aus dem 18. Jahrhundert hinter dem Wendlinger Stadtmuseum, der 2004 durch den Museumsverein und den Obst- und Gartenbauverein nach historischen Vorlagen hergerichtet wurde, gibt es in den Nutzgarten-Beeten, im Kräutergarten und auf der Obstbaumwiese viel tierischen Besuch: Vögel zwitschern, Eichhörnchen holen Haselnüsse, und Nistkästen laden Fledermäuse ein, sich wieder anzusiedeln. Traudel Höfer, die die Besucherinnen und Besucher mit Kuchen aus dem Backhäusle verwöhnt und den Kräutergarten mit Heil- und Gewürzpflanzen wie Salbei, Ysop und Zist-Rose pflegt, schätzt das friedliche Miteinander von Mensch, Tier und Pflanze. Und wenn der Buchsbaumzünsler die Buchsrabatten im Bauerngarten kahl frisst, dann zieht Höfer eben kurzerhand aus Stecklingen Rosmarinhecken und schneidet sie in Form.
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Im mehr als 5000 Quadratmeter großen Wendlinger Rosenparadies von Wolfgang und Gabriele Jurisch geriet Meri Reiff aus Schorndorf angesichts der 600 Edel-, 400 Strauch- und 200 Kletter- und Rambler-Rosen ins Schwärmen: „Diese Fülle, diese Üppigkeit und diese vielen verschiedenen Sorten, herrlich.“ Nachdem ihre Enkelin Ella ihre Nase tief in eine voll erblühte zartrosa Rose der Sorte „Eglantyne“ gesteckt hatte, konstatierte die Siebenjährige: „Das riecht besser als Mamas Blumenparfüm.“ Die Besucher freuten sich am Aktionstag in den unterschiedlichen Gartenanlagen an der Blütenpracht und genossen die Ruhe in begrünten Lauben, blühenden Pavillons, unter duftenden Rosenbögen oder an plätschernden Teichen.
Manche waren mit Handy und Notizblock zugange, sammelten gute Ideen, notierten die Namen besonders ertragreicher Pflanzen und holten sich Rat bei den Gartenbesitzern, die ihr Wissen freigebig teilten: „Wählen Sie trockenheitsresistente Macchia- oder Garigue-Pflanzen, die an die Klimaveränderung angepasst sind“, riet Offene-Gärten-Initiator Michael Eppinger einer Dame. Und er warnte: „Nicht alles, was hier bei mir gedeiht, wächst auch bei Ihnen gut. Schauen Sie, was sich bei Ihnen wohlfühlt.“ Auch er versorgte die Besucher mit Tipps, wie man im Garten mit einfachen Methoden Nahrung und Unterschlupf für Vögel, Insekten, Schmetterlinge und Amphibien schaffen kann: „Heben Sie für Käfer eine Grube aus und füllen Sie sie mit Totholz und Rindenstückchen. Hängen Sie markhaltige Brombeerstängel als Brutröhren senkrecht am Zaun auf und legen Sie eine kleine sandige Kuhle für Wildbienen an. Und in einem kleinen sonnigen Biotop mit Steinen oder Wurzeln fühlen sich Eidechsen wohl. Insekten sorgen für gesunde Böden, sind Nahrung für viele Tiere und erfüllen als Bestäuber für uns Menschen überlebenswichtige Aufgaben.“
Der Anfang
Im Jahr 2010 startete der Esslinger Naturliebhaber Michael Eppinger die Aktion Offene Gärten mit zehn Gartenbesitzern im Esslinger Norden. Die Zahl der Teilnehmer stieg stetig, mittlerweile beteiligten sich auch Gärten im mittleren Neckarraum und im Großraum Stuttgart. Nach zweijähriger Corona-Pause wurde die Veranstaltung in diesem Jahr zum elften Mal ehrenamtlich auf die Beine gestellt.
Die Gärten
Ob kleine Grünfläche oder großräumiges Naturgrundstück, ob Bauerngarten oder akkurater englischer Garten – jedes Jahr sind unterschiedlichste Gartentypen mit von der Partie. Weitere Privatleute, Profis oder Vereine, die ihre Gärten öffnen wollen, sind willkommen.
Info
Am Tag der Offenen Gärten ist der Eintritt frei, mit einer freiwilligen Spende wird die Familienherberge „Lebensweg“ in Illingen-Schützingen unterstützt. Die Aktion findet im kommenden Jahr am 11. Juni statt. Informationen www.offenegaerten-esslingen.de