Offenes Impfzentrum in Aichtal Ein Piks für die Beschäftigten – und die Bevölkerung

Auch Sigrid Egl gehört in Aichtal zum Impfteam. Foto: Ines Rudel

Bei der Aichtaler Firma Putzmeister können sich neben der Belegschaft auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt gegen das Cornavirus impfen lassen. Diese Herangehensweise hat viel positive Resonanz, aber auch Kritik ausgelöst.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Aichtal - In der vergangenen Woche haben Betriebsärzte die ersten Vakzine verabreicht. Auch die Aichtaler Firma Putzmeister, einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller von Maschinen zum Pumpen, Mischen und Transportieren von Baustoffen, hat mit den Impfungen zur Eindämmung der Coronapandemie begonnen. In dem Industrieunternehmen, das weltweit 3000 Beschäftigte zählt – mehr als ein Drittel davon sind in Aichtal tätig – können sich aber nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den begehrten Piks setzen lassen. Auch die Bevölkerung der Stadt kann sich um Termine bemühen.

 

Positive Resonanz der Ärzte

Der Bürgermeister Sebastian Kurz war mit der Idee auf die Putzmeister-Chefetage zugegangen – und hatte bei den Verantwortlichen offene Türen eingerannt. „Da wir die Infrastruktur für die Impfaktion in unseren Räumlichkeiten ohnehin herstellen mussten, war für uns schnell klar, diese auch den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung zu stellen, das also zusammen zu machen“, erklärt Markus Troger, der kaufmännische Geschäftsführer. Sein Kollege Carsten von der Geest, der die Bereiche Vertrieb und Marketing verantwortet, ergänzt: „Auch von den mitwirkenden Hausärzten, die oft kleine Praxen haben, kam positive Resonanz, weil sie den logistischen und verwaltungstechnischen Aufwand nicht selbst abdecken müssen.“

Der Aichtaler Rathauschef sieht die Sache ähnlich: „Wir sorgen gemeinsam für einen Impf-Fortschritt und konnten mit Hilfe der Firma Putzmeister die baulichen und organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen.“ Es mache ihn sehr stolz, wie alle Beteiligten in kürzester Zeit beim Aufbau des Impfzentrums mitgeholfen hätten, fügt er hinzu. Kurz selbst hatte Ärzte aus den Kliniken in Esslingen, Ludwigsburg, Stuttgart und aus dem Rems-Murr-Kreis kontaktiert, pensionierte Ärzte aus dem Ruhestand akquiriert sowie Haus- und Privatärzte ins Boot geholt. Bis zu zehn Mediziner stehen damit zur Verfügung, die vorwiegend die Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie Johnson & Johnson verabreichen sollen, für es inzwischen keine Priorisierungen mehr gibt.

Eininger: Vorgehen wenig hilfreich

So positiv wie in Aichtal selbst, wo es auch seitens der Bevölkerung viele begeisterte Kommentare gibt, wird die Kampagne im Esslinger Landratsamt indes nicht gesehen. Der Landrat Heinz Eininger übte, noch bevor das Impfzentrum überhaupt an den Start ging, heftige Kritik und forderte, „dass der Bürgermeister wenig durchdachte Alleingänge unterlassen und vielmehr die Impfstrategie des Landkreises unterstützen soll“. Das Vorgehen sei wenig hilfreich und entsolidarisiere die Kommunen untereinander, schimpfte er.

Aus Einingers Sicht produziere das Vorhaben, auch wenn es auf den ersten Blick als eine weitere Aktion zur raschen Impfung der Einwohner im Landkreis betrachtet werden könne, viel heiße Luft. „Damit werden weitere Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden können, da der limitierende Faktor nach wie vor der fehlende Impfstoff ist“, fährt der Landrat fort. So könnten schon die Kreisimpfzentren nicht unter Volllast arbeiten und die Mobilen Impfteams nicht so eingesetzt werden, wie dies von der Impfstrategie her zu wünschen wäre, betont er.

Kurz: Wir nehmen ja nichts weg

Sebastian Kurz will diese Kritik so nicht stehen lassen: „Wir nehmen den Kreisimpfzentren ja nichts weg, sondern greifen auf das Kontingent von drei Aichtaler Ärzten zurück, die jetzt unter anderem im Impfzentrum von Putzmeister impfen.“ Diese seien froh darum, das in ihren Praxen nicht selber organisieren zu müssen, weiß der Schultes aus Gesprächen und versteht nicht, warum in anderen Kommunen nicht ähnlich verfahren wird. Diesen Punkt spricht auch Carsten von der Geest an: „Die Idee ist gut, weil sich unnötiger Aufwand vermeiden lässt.“

Ohne Aufwand für die Impf-Interessierten geht es dennoch nicht: Wer in Aichtal lebt, muss sich auf der Homepage der Stadt einen Termin reservieren. Diese sind, das haben schon die ersten Tage gezeigt, sehr begehrt. Und: Es wurden vor allem Menschen aus dem Priorisierungsgruppen II und III geimpft, die anderswo und trotz aller Mühen bislang einfach keinen Termin bekommen hatten.

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