Ohne Corona: Homeschooling vor 300 Jahren Als die Prinzen den Preußen-Schliff bekamen

Bildnis von Carl Eugen Foto: Staatliche Schlösser und Gärten

Moodle, Big Blue Button oder Jitsi waren damals noch kein Thema. Homeschooling gab es vor 300 Jahren in Ludwigsburg aber auch schon. Konfliktbehaftet war der Heimunterricht auch in jenen Zeiten – wenn auch aus anderen Gründen.

Ludwigsburg - Als der Herzog von Württemberg 1737 starb, war sein Sohn Carl Eugen noch ein Kind. Prompt kam es zwischen den Machtblöcken im Land zum Streit darüber, welche Lehrer den neunjährigen künftigen Herzog und seine Brüder unterrichten sollten – und mit welchen Lehrinhalten das Curriculum für die jungen Herrschaften bestückt werden sollte. Carl Eugen und seine beiden Brüder Ludwig Eugen und Friedrich Eugen geraten mitten in einen Machtkampf, wie die Staatlichen Schlösser und Gärten aus Anlass des coronabedingten Homeschoolings berichten.

 

Mit ihrem Vater Carl Alexander hatte erstmals seit der Reformation ein katholischer Herzog den württembergischen Thron bestiegen – und dies in einem Land, das die evangelische Konfession für seine Bürger per Gesetz vorschrieb. Der Vater war ein hoher Militär in Diensten des katholischen Kaisers, die Mutter Maria Augusta von Thurn und Taxis aus einer katholischen Familie. „Die evangelischen Landstände – die Vertretung der Führungsschicht von Württemberg – befürchteten, dass das katholische Habsburg nun seine Chance nutzen wollte“, berichtet die Pressestelle der Staatlichen Schlösser und Gärten.

Lehrplan und Lehrer: ein Streitthema

Die drei Prinzen, die der Reihe nach die Anwärter auf den württembergischen Thron waren, galten als noch formbar, wenn man ihnen die entsprechende Erziehung angedeihen ließ. Kaum verwunderlich also, dass beide Lager die Erziehung der Prinzen mit Argusaugen überwachte. Der Lehrplan der drei Brüder Carl, Ludwig und Friedrich Eugen wurde zum regelrechten Streitthema – ebenso wie die Frage nach den geeigneten Lehrern.

Schon damals bot Homeschooling ein gewisses Konfliktpotenzial, wenn auch weniger aus Gründen des Familienfriedens. Als Carl Eugen 13 Jahre alt war, gelang es den evangelischen Kräften, die drei Prinzen an einen „sicheren Ort“ zu schicken: Sie reisten ins protestantische Preußen. In Potsdam und Berlin residierte Friedrich der Große. Carl Eugen und seine Brüder waren vom Jahr 1742 an bei ihm zu Gast und wurden am dortigen Hof ausgebildet. Nach heutigen Begriffen erhielten sie gezielten Fachunterricht in Deutsch, Latein und Mathematik. Dazu kamen die sportlichen Disziplinen des jungen Adels: Die Heranwachsenden wurden im Fechten, Tanzen und Reiten ausgebildet.

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Genauso wichtig war es für die Prinzen, die Regeln des höfischen Benehmens zu erlernen und ein gewandter Hofmann zu werden. Der Aufenthalt am großen Hof des preußischen Königs bot für diese Zwecke ein ungleich geeigneteres Umfeld als der kleine württembergische Hof. Auch das kluge Tischgespräch gehörte zum Erziehungskanon. Die Prinzen aßen an der königlichen Hoftafel, und ihr Hofmeister hatte ausdrücklich darauf zu achten, dass „das nützliche und erbauliche Gespräch“ geübt wurde. Friedrich der Große pflegte einen Musenhof, er sammelte berühmte Künstler um sich. So kam es, dass der württembergische Erbprinz Carl Eugen einen besonders prominenten Musiklehrer hatte: Kein Geringerer als Carl Philipp Emanuel Bach, der berühmteste der Bach-Söhne, Cembalo-Virtuose und Komponist, unterwies den jungen Württemberger.

Die kindliche Braut

In dieser Zeit entstand auch das berühmte Bild, das den Knaben Carl Eugen in prächtiger Kleidung zeigt: Der Hofmaler des preußischen Königs, Antoine Pesne, schuf das Portrait. Heute hängt eine Ausführung im Residenzschloss Ludwigsburg, im Privatappartement des Herzogs im zweiten Obergeschoss. Dem Gemälde gegenüber hängt sein Gegenstück: Es zeigt die kindliche Braut des Herzogs, Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, die Nichte des Preußenkönigs.

Anderthalb Jahre dauerte das externe Homeschooling in der Umgebung des preußischen Königs. Dann genehmigte der Kaiser, dass Carl Eugen für mündig erklärt wurde. Schulbildung und Unterricht waren damit für ihn beendet. Carl Eugen war damals gerade einmal 16 Jahre alt. Den preußischen Feinschliff im Gepäck, reiste er schließlich im Jahr 1744 zurück nach Württemberg und bestieg den Thron des Herzogtums.

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