Oldie-Flieger über Böblingen Schlenker in der Luft waren „coole Sache“

Dem Flugfeldfest statteten am Sonntag Jochen Ulmer (li.) und Pilot Jörg Landefeld einen Besuch ab – standesgemäß aus der Luft Foto: Jochen Ulmer

Jochen Ulmer aus Schönaich durfte im Oldtimer abheben und erlebte einen einmaligen Rundflug über das Flugfeld – samt waghalsigen Manövern.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Manchmal reicht ein spontaner Klick, um einen Traum wahr werden zu lassen. Für Jochen Ulmer aus Schönaich war es genau so: Ein Artikel in der Kreiszeitung Böblinger Bote über den Hauptpreis des Flugfeldfests weckte sein Interesse: ein Rundflug mit einer historischen Maschine gab es zu gewinnen. Initiiert hatte den Freiflug der Förderverein historische Flugzeuge, der seit 2011 existiert und die Erinnerung an das fliegerische Erbe Böblingens wach hält. „Sofort habe ich eine E-Mail geschrieben“, sagt der 62-Jährige. Einen Tag später klingelte schon das Telefon mit dem Förderverein am anderen Ende: gewonnen!

 

Am vergangenen Sonntag war es auch gleich soweit: Am vereinbarten Treffpunkt in Eutingen am Bahnhof stand der Pilot Jörg Landefeld bereit, der Ulmer im Auto mit zum Flugplatz nahm. Dort erwartete ihn nicht nur eine betagte Schönheit aus der Luftfahrtgeschichte, sondern zuerst Handarbeit: Gemeinsam schoben der Pilot und der Passagier die Maschine, eine Klemm 107 aus dem Jahr 1948, aus dem Hangar. „Das Wetter war nicht perfekt, es nieselte“, sagt Ulmer. „Aber solange es nicht stärker wurde, konnte es losgehen.“

Tatsächlich war es kurz spannend, ob der Flug stattfinden könnte – schließlich hatte der Pilot nur ein kleines Zeitfenster für den Überflug, den er außerdem bei der Luftraumüberwachung in Stuttgart anmelden musste: Das Flugfeld liegt innerhalb der Kontrollzone des Flughafens in Leinfelden-Echterdingen. Und just gegen 14 Uhr hing der Himmel voller Regenwolken. Doch der Regen war nicht so stark, dass ein Start unmöglich gewesen wäre: Die beiden rollten die alte Dame auf die Startbahn – und stiegen in die Lüfte.

Passagier und Maschine kurz vor dem Start in Eutingen im Gäu Foto: Jörg Landefeld

Immer wieder wich der Pilot Regenwolken aus, änderte die Richtung, suchte freie Korridore im Himmel. Geplant war eigentlich ein Flug direkt über das Flugfeld in Böblingen – doch dafür gab es keine Erlaubnis. „Dort waren einfach zu viele Drohnen unterwegs, daher konnten wir nicht exakt über das Gelände fliegen“, sagt Ulmer. Stattdessen führte die Route bis in Sichtweite der Daimler-Werke in Sindelfingen, wo die Maschine gegen 14.30 Uhr am Himmel auftauchte und einige waghalsige Manöver vollführte.

Der Pilot Jörg Landefeld, ein erfahrener Kunstflieger, zeigte, was die alte Dame am Himmel noch draufhat: Kurven, Schlenker, kleine Manöver, die für Bauchkribbeln sorgten. „Ich bin da nicht empfindlich“, sagt Jochen Ulmer lachend. „Im Gegenteil, das war eine richtig coole Sache.“ Für den Schönaicher, der bisher noch nie in einem Oldtimerflugzeug gesessen hatte, war es ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt. „Es war genau so, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt er.

Zwar habe er sich nie intensiv mit Flugzeugen beschäftigt, doch die Faszination fürs Fliegen war schon immer da. Die Klemm 107, betont Ulmer, sei erstaunlich leistungsfähig: „Der Pilot ist mit ihr schon bis nach Kroatien und Sizilien geflogen.“ Für den Ausflug über Böblingen sei die Maschine ideal gewesen – für längere Strecken allerdings „schon etwas anstrengend“.

Als die Maschine wieder sicher auf dem Flugplatz der Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm in Eutingen gelandet war, zeigt sich der Passagier Ulmer dankbar für dieses Stück Böblinger Luftfahrtgeschichte, das er selbst anlässlich des 100. Geburtstag des Böblinger Flughafens miterleben durfte. „Ich bin von Kindheitstagen an Leser der Kreiszeitung“, sagt er. Dass sich durch seine Treue einmal so eine Gelegenheit bieten würde, dies hätte er selbst kaum für möglich gehalten.

Die Klemm 107

Betagte Maschine
Die Klemm Kl 107 ist ein deutsches Leicht- und Schulflugzeug, das erstmals 1939 von Hanns Klemm und Carl Bucher entwickelt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg
erfolgte eine Wiederaufnahme der Produktion: Varianten wie die Kl 107B und C kamen heraus, allerdings in relativ kleiner Stückzahl. Heute existieren laut Wikipedia noch 17 Flugzeuge dieses Typs, von denen elf noch flugfähig sind.

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