Oldtimer in Kirchheim/Teck Zeitreise in die Vergangenheit des Automobils

Ganz in Weiß präsentiert sich dieser schicke Buick. Foto: Philipp Braitinger

Beim ersten Kirchheimer Oldtimertreffen bestaunten tausende Besucher historische Schönheiten. In der Jury saß Uwe Ludolf, bekannt aus der TV-Doku „Die Ludolfs“.

Beinahe hätte er den motorisierten Schönheiten die Show gestohlen. Als prominenter Gast war Uwe Ludolf Teil der Jury, die die Fahrzeuge beim Ersten Kirchheimer Oldtimertreffen über die Pfingstfeiertage in unterschiedlichen Kategorien bewerteten. Uwe Ludolf war einer der vier Brüder, deren Leben in der legendären Fernsehdokumentation „Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz“ über mehrere Jahre dokumentiert wurde und die eine große Fangemeinde hat. In Kirchheim nahm sich Uwe Ludolf immer wieder Zeit, um mit den Besuchern zu sprechen und sich mit ihnen Fotografieren zu lassen.

 

Film und Fernsehen spielte aber nicht allein im Zusammenhang mit dem prominenten Gast eine Rolle. Auch unter den Fahrzeugen waren einige Maschinen zu bestaunen, die die viele Besucher schon einmal auf einer Leinwand gesehen haben.

In den 80er-Jahren zählte der Film „Ghostbusters“ zu den Kinohits des Jahrzehnts. Fast genauso bekannt wie die Ghostbusters selbst war deren Auto mit dem ikonischen Logo der Geisterjäger. Ein Nachbau des Film-Autos war in Kirchheim ausgestellt. Und wenige Meter weiter stand das nächste Auto, das seinen Legendenstatus einem Blockbuster verdankt.

Wer kann sich nicht an die Zeitreisen von Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ erinnern? Im Film hat der Wissenschaftler Emmett Brown einen DeLorean DMC zur Zeitmaschine umgebaut. In Kirchheim kam das Auto aber nicht aus der Zukunft, sondern aus der Vergangenheit. Von dem Coupé wurden 1981 und 1982 nur wenige hergestellt. Nichtsdestotrotz hat das Auto bei Sammlern und in der Popkultur bis heute Kultstatus.

Gigantischer 7,2 Liter Motor mit fast 400 PS

Zu den Ausstellern gehörte Manuel von der Osten. Mit Familie und Freunden ist er gleich mit drei seiner Autos aus Schlierbach gekommen. Seiner Sammelleidenschaft gehört historischen Fahrzeugen aus dem Chrysler-Konzern. In Kirchheim stehen ein Chrysler 300 von 1996, ein Plymouth GTX von 1967 sowie Dodge D 200 von 1968. „Die haben die verrücktesten Autos gebaut“, sagt von der Osten. Neben dem Aussehen fasziniert ihn die Technik. Schon in den 60er-Jahren habe der US-amerikanische Hersteller Autos wie den Plymouth mit einem gigantischen 7,2 Liter Motor mit fast 400 PS hergestellt.

Organisator Tony Zeccola mit TV-Legende Uwe Ludolf (rechts). Foto: Philipp Braitinger

Dass in Kirchheim auch viele exotische Oldtimer wie Militärfahrzeuge und Feuerwehrautos ist auch dem Organisator Tony Zeccola zu verdanken. Beruflich ist Zeccola in der Filmindustrie als Pyrotechniker und als Vermittler von besonderen Fahrzeugen tätig. Irgendwann habe er sich gesagt: Kirchheim braucht ein Oldtimertreffen.

Der Leichenwagen der TV-„Bestatterin“

Zu jenen Fahrzeugen, die bereits in deutschen Filmproduktionen zu sehen waren, zählte der Leichenwagen aus der ARD-Filmreihe „Die Bestatterin“. Zu seinen persönlichen Favoriten zählte am Sonntag ein 1959er Cadillac in einem besonders gepflegten Zustand. „Der ist 1a, wie fabrikneu“, schwärmt Zeccola. Für den Sonntag wurden weitere Höhepunkte wie ein Adenauer-Mercedes und „Die rote Sau“, ein Rennsportwagen von Mercedes, angekündigt.

Neben den Fahrzeugen gab es musikalische Unterhaltung, Essen und Trinken, ein Kinderkarussell sowie Verkaufsstände. Die gemeinsame Begeisterung für die Wägen verbindet, man kommt rasch ins Gespräch. „Die Vernetzung ist wichtig“, betont Zeccola. Ein großes Problem für die Sammler sei die Suche nach Ersatzteilen. Wer einmal ein Ersatzteil für sein „heiliges Blechle“ sucht, ist auf die Community angewiesen. So dient das Oldtimertreffen für viele Aussteller auch der Kontaktpflege.

Ein Wermutstropfen war das Wetter

Dass es im kommenden Jahr erneut ein Oldtimertreffen in Kirchheim geben wird, gilt für den Organisator als ausgemacht. Es soll eine feste Größe im Jahreskalender der Stadt werden, hofft Zeccola. Ein Wermutstropfen sei das Wetter zum Auftakt. Immer wieder regnete es, bevor zwischendurch auch einmal einige Sonnenstrahlen das Chrome an den Wägen blitzen ließ.

Einen prominenten Gast aus der Oldtimer-Fernsehszene soll es auch im nächsten Jahr geben, verrät Zeccola. Einen Namen könne er aber noch nicht nennen.

Kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut

Scheinanglizismus
Der Begriff „Oldtimer“ erweckt den Eindruck eines englischen Wortes, das aber tatsächlich nicht im Englischen gebräuchlich ist. So werden „Oldtimer“ im Englischen als classic car, vintage car oder antique car bezeichnet.

Recht
Der Oldtimer ist auch ein Rechtsbegriff. Es ist in der deutschen Fahrzeug-Zulassungsverordnung eine Legaldefinition. Danach handelt es sich um Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind. Ferner müssen sie weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sein und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.

Kontroverse
Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Oldtimer echte Raritäten. Inzwischen kommen jedoch mehr und mehr Fahrzeuge in die Jahre, die in den 80er-Jahren in der Massenproduktion hergestellt wurden. Ob diese Fahrzeuge nun auch Oldtimer sind, ist umstritten. Die Formulierungen in der Fahrzeug-Zulassungsverordnung sind vage gehalten.

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