Oldtimer-Rennen in Tübingen Neun Weltmeister fahren auf

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Neun Champions und zahlreiche weitere namhafte Motorrad-Rennfahrer treffen sich am kommenden Sonntag bei der Retromotor in Tübingen.

Giacomo Agostini will in Tübingen die Nase vorn haben. Foto: dpa
Giacomo Agostini will in Tübingen die Nase vorn haben. Foto: dpa

Tübingen - Warum nicht mal den Agostini? Diese Frage stellte Rainer Klink vor einigen Monaten Utz Raabe, dem Ehrenpräsidenten des MV Agusta Clubs. Klink, der Chef des Tübinger Auto- und Spielzeugmuseums Boxenstop organisiert seit mehr als zwei Jahrzehnten in Tübingen die Retromotor, eine der führenden Oldtimer-Veranstaltungen in Deutschland. Und Raabe ließ seine Kontakte spielen.

Dann kam sozusagen einer zu anderen. Giacomo Agostini, Freddie Spender, Jim Redman, Luigi Traveri, Dieter Braun, Jon Ekerold und Marco Lucchinelli sagten den Start in Tübingen als ehemalige Motorrad-Weltmeister zu. Viele andere bekannte Namen kamen dazu, darunter rund ein Dutzend Grand Prix-Sieger. Rennmotorräder der Marke MV Agusta dominieren das Feld. Am Start wird die weltweit einzige fahrbereite 350 ccm 6-Zylinder-Maschine sein. Hinzu kommen drei 500 ccm Grand Prix Drei-Zylinder Maschinen. „So ein Feld gibt es in Deutschland nirgendwo sonst“, ist Klink überzeugt. Er erwartet Zuschauer aus der ganzen Republik.

Rund durchs Industriegebiet

Gefahren wird aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf der charmanten Steilstrecke vom Kirchentellinsfurter Baggersee hinauf zum Hofgut Einsiedel, sondern auf „dem Circuit d’Au“, wie Klink einen Rundkurs im Industriegebiet Tübingen/Au nennt. Im Gegensatz zu der Bergstrecke sehen die Zuschauer die Fahrer bei jedem Lauf rund 15 Mal. Die Motorrad-Asse starten in zwei Gruppen je zweimal am kommenden Sonntag, 9. September, zwischen 11 Uhr und 14.30 Uhr, die Veranstaltung beginnt um neun Uhr. Es gibt noch acht weitere Läufe für andere Rennmotorräder und Rennautos, darunter einer für Formel-Fahrzeuge von der Formel 3 bis zur Formel Super V. Passend zum umweltbewussten Tübingen wird auch ein Lauf mit den schnellsten E-Bike-Fahrern gestartet.

Herausragende Rennfahrzeuge etwa aus dem Porsche Museum hat Klink früher nach Tübingen gelockt. „In diesem Jahr stehen die großen Namen im Mittelpunkt“, sagt er zu dem Konzept. Allen voran Agostini und Spencer, die erstmals in Tübingen sind. Der Italiener Agostini ist der erfolgreichste Motorrad-Fahrer aller Zeiten. Zwischen 1966 und 1975 sammelte er in den Klassen bis 350 ccm und 500 ccm mit MV Agusta und zuletzt Yamaha 15 WM-Titel und 122 Grand-Prix-Siege. Allenfalls der noch aktive Valentino Rossi hat eine kleine Chance, Agostini einzuholen.

Auch mit 80 flott auf dem Motorrad unterwegs

Der US-Amerikaner Freddie Spender ist 50 Jahre alt und betreibt in Las Vegas eine Fahrschule für ganz ambitionierte Motorradfahrer. Der mit viel Talent gesegnete Draufgänger gewann 1983 als jüngster Motorrad-WM-Pilot die 500-ccm-Weltmeisterschaft, zwei Jahre später wurde er Doppelweltmeister in den Klassen bis 250 ccm und 500 ccm. Jim Redman, der für Rhodesien an den Start ging, sammelte zu Beginn der 60er-Jahre sechs WM-Titel und ist heute auch im Alter von 80 noch flott auf dem Motorrad unterwegs.

Zehn Euro kostet der Eintritt für Erwachsene, Fahrer von alten Autos mit einem H-Kennzeichen bekommen einen speziellen Parkplatz im Innenteil der Strecke. Im Fahrerlager wird auf Absperrungen verzichtet, auch eine Autogrammstunde steht auf dem Programm. „Motorsport zum anfassen“ verspricht Klink.