Oldtimerfreund aus Deizisau Träume aus Blech

Die California 1400, die größte Moto Guzzi. Foto:  

Beruflich hat Markus Cecchetti mit neuesten Automodellen zu tun. Sein Hobby sind jedoch Oldtimer aus Italien: Flotte Sportwagen und Zweiräder der Marke Moto Guzzi.

Deizisau - Der Mann hat Probleme: Zu viele Fahrzeuge, die er ausfahren muss. Obwohl er, seiner Frau zuliebe, seinen Bestand an Oldtimern auf zehn Autos und zehn Motorräder begrenzt hat, muss Markus Cecchetti aus Deizisau die Wochenenden gut planen. Schließlich sollte jedes Gefährt einige hundert Kilometer im Jahr auf den Tacho bringen. Das rote Fiat-Cabrio mit dem Maserati-Motor hat sein Soll erfüllt, mit ihm war Cecchetti kürzlich auf Hochzeitsreise am Chiemsee.

 

Der Sportwagen steht nun gut verhüllt hinten in der Garage, die der Autofan auf einem Aussiedlerhof angemietet hat. Vor dem roten Flitzer steht ein silberfarbener Fiat 130, Baujahr 1973. Die einzige Oberklasse-Limousine, die Fiat produziert hat – mit wenig Erfolg. Nicht weil es ein schlechtes Auto ist, sondern weil es einfach den falschen Name trage, betont Cecchetti. Fiat sei eben für Kleinwagen bekannt. Der 130er sei damals Testsieger geworden, vor Mercedes. Überhaupt sei der schlechte Ruf der italienischen Marke nicht gerechtfertigt.

Den 130er, sogar in der gleichen Farbe, weiß der Fiat-Fan, fahre auch Tatort-Kommissar Mario Kopper, der Kripo-Mann mit den sizilianischen Wurzeln. Die Motorhaube ist aufgeklappt. „Am Wochenende sollte er wieder laufen“, sagt der Oldtimerfreund und beugt sich über den 3,2-Liter-Motor, den er komplett überarbeitet hat. Noch ein paar Abdeckungen muss er anschrauben und den Motorraum mit Trockeneis bestrahlen lassen, damit die matten Teile wieder glänzen. Damit das „kraftfahrzeugtechnische Kulturgut“ die rote Nummer erhält, ist zudem ein Gutachten notwendig. Dann kann Cecchetti losbrausen mit den beiden Enkeln. Wegen der vier Jahre alten Zwillinge hat er die Limousine gekauft, in seinen Sportwagen ist kein Platz für Kindersitze.

Im BMW-Autohaus hat Markus Cecchetti seine Lehre als Kfz-Mechaniker gemacht, bei Bosch hat er sich sein Wissen über Kfz-Elektronik angeeignet, bei Daimler arbeitet er seit vielen Jahren in der Entwicklungsabteilung. Doch sein Herz schlägt für italienische Sportwagen und Moto Guzzi-Zweiräder. Das Faible hat er von seinem Vater geerbt, der vor 55 Jahren von der Toscana nach Deizisau gezogen ist und auf Alfa Romeo steht. Der Sohn will nun den Alfa, mit dem er heute unterwegs ist, verkaufen. Sich auf eine Marke zu konzentrieren, erleichtere die Suche nach Ersatzteilen, meint Markus Cecchetti. Beruflich muss er sich mit Elektronik-Bauteilen auskennen, aber er liebt die alten Motoren, die noch „logisch aufgebaut“ seien und die er immer zum Laufen bringt. „Es ist schön, wenn man mit etwas herum fährt, das nicht jeder hat“, sagt der Kfz-Fachmann. So wie den De Tomaso Longchamp, ein schwerer Sportwagen mit 5,8 Liter-Motor, von dem es nur noch 86 Exemplare gebe. Das noble Fahrzeug steht auf einer Park-Hebebühne, weil der Stellplatz knapp ist. Zwischen den Sportwagen sind drei alte Zweiräder eingeklemmt, Anfang der 50er-Jahre gebaut. Zwei Motorroller von Moto-Guzzi und die rote „Guzzino“, ein günstiges und leichtes Motorrad. Als Frauenmodell ist es mit Beinschild ausgestattet, damit der Rock nicht flattert. Die Federung am Hinterrad soll die Fahrt im Kindersitz angenehmer machen.

Was für harte Männer ist dagegen die 850er Le Mans. „Mein Traummotorrad“, bekennt der Guzzi-Fan, aber die Rennmaschine sei schwer zu fahren. Handgelenke und Genick seien stark belastet, das sei nichts mehr für ihn. Lieber gondelt er entspannt mit der größten Moto Guzzi, der California 1400 mit den riesigen Koffern, an den Gardasee.

Einfach herumfahren, davon hält Cecchetti wenig. Er mag Ausfahrten mit einem schönen Ziel, gerne mit einem Kumpel oder mit den Oldtimerfreunden Deizisau. Die planen gerade ihre dreitägige Herbstausfahrt ins Allgäu. Vielleicht nimmt der 55-Jährige das gleichaltrige weiße Fiat Coupe, das er für die Fotografin auf den Hof gestellt hat.

Der Liebhaber italienischer Wagen schwärmt von der Linienführung, schöner als beim Cabrio. Nur einen anderen Motor müsste der weiße Flitzer haben, den von Maserati mit 90 PS. Der Mann hat Träume.

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