Olgahospital in Stuttgart „Wir haben nur zehn Stellen abgebaut“

Im Olgahospital herrscht immer noch Unruhe. Foto: Achim Zweygarth 35 Bilder
Im Olgahospital herrscht immer noch Unruhe. Foto: Achim Zweygarth

Die Zahl der Pflegekräfte im Stuttgarter Kinderkrankenhaus Olgäle sei in den vergangenen Jahren nahezu stabil geblieben. Man habe von 420 Stellen nur zehn gestrichen, sagt Franz-Josef Kretz. Er weist auf ein anderes Problem hin: Bei ungewöhnlichen Operationen zahle das Olgahospital drauf.

Lokales: Viola Volland (vv)
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Stuttgart - Die Zahl der Pflegestellen im Stuttgarter Olgahospital sei in den vergangenen Jahren nahezu stabil geblieben. Das versicherte der Ärztliche Direktor des Olgahospitals, Franz-Josef-Kretz, am Freitag am Rande seines Besuchs der „Teddy-Klinik“ für Kindergartenkinder im Olgäle (siehe Infokasten). 410 Kräfte habe man aktuell zusammengerechnet in der Pflege und im Funktionsdienst (hierzu zählen die Intensiv- und die OP-Schwestern). „Es waren 420 Stellen, wir haben nur zehn Stellen abgebaut“, sagt Kretz.

Er sieht seine Kinderklinik durch die von Mitarbeitern geäußerten Klagen über Missstände in einem falschen Licht dargestellt. Wie berichtet, hatten Mitarbeiter der Geschäftsführung im Zusammenhang mit dem Personalmangel eine „rücksichtslose Sparpolitik“ vorgeworfen. Probleme wurden vor allem von der Intensivstation und den Stationen K4 (Kardiologie) und K7 (unter anderem Stoffwechselerkrankungen) bekannt. Operationen würden verschoben, Patienten müssten teilweise verlegt oder auch abgewiesen werden, bemängelten zum Beispiel Oberärzte in einem Brief an die Klinikleitung vom August 2012.

Berufsverbot für schwangere Pflegekräfte

Angaben von Mitarbeiterseite, auch auf der Neuropädiatrie seien in dieser Woche die Betten auf der Station um fünf reduziert worden, weist Kretz zurück. „Das stimmt nicht“, sagt er. Es gebe drei Krisenherde: die Intensivstation, die K 7 und die K 4. Im Intensivbereich sei der Pflegemarkt leer – das sei bundesweit ein Problem für alle Intensivstationen. In den anderen Fällen hätten Krankheiten und Schwangerschaften zu den Ausfällen geführt. Schwangere Schwestern erhielten in der Regel ein sofortiges Berufsverbot. Die plötzlichen Ausfälle seien schwer auf die Schnelle zu kompensieren, erklärt der Ärztliche Direktor.

Kretz bestätigt allerdings, dass die Aufnahmestation OASE weniger Betten zur Verfügung hat als früher, seit sie mit der Inneren Ambulanz zusammen geführt wurde. Dadurch, heißt es von Mitarbeiterseite, fehle es vor allem im Winter an Aufnahmekapazität. Die Untersuchungen finden nun in Räumen auf der Station statt und nicht mehr in der alten Notaufnahme im Erdgeschoss. „Der Träger hat das Recht auf ein ausgeglichenes Ergebnis“, so Kretz. Die Zusammenlegung sei in diesem Zusammenhang eine Maßnahme gewesen.

Ärztlicher Direktor stellt Spitzenmedizin heraus

Wie berichtet liegt das Defizit des Olgäle im Jahr 2012 bei knapp 6,6 Millionen Euro. 5 Millionen übernimmt die Stadt. Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle betont, man müsse „die großen Zusammenhänge“ sehen. Natürlich nehme er die Äußerungen der Mitarbeiter ernst. Deshalb habe er nicht nur mit Ärzten, sondern auch mit Pflegekräften gesprochen. „Dabei habe ich auch einiges gelernt“, sagt Wölfle. Welchen großen saisonalen Schwankungen das Olgäle unterliegt, sei ihm in der Form zuvor nicht bekannt gewesen.

15 000 Kinder werden jedes Jahr im Olgäle behandelt – „und das auf hohem Niveau“, stellt Kretz die Spitzenmedizin an seinem Haus heraus. In Kürze werde ein Kind aus Erlangen nach Stuttgart verlegt, weil man ihm dort nicht helfen könne. Erst diese Woche habe der Chefarzt der Kinderchirurgie ein Kind mit multiplen Fehlbildungen 18 Stunden lang operiert. Bei der Operation sei Unglaubliches geleistet worden – doch finanziell werden sie wohl einen fünfstelligen Betrag draufzahlen, schildert Kretz ganz praxisnah das Dilemma. Die Durchschnitts-OPs würden über die diagnosespezifischen Fallgruppen (DRG) zwar auskömmlich finanziert, aber nicht die Exoten. „Und wir haben viele Exoten“, sagt Kretz.

Olgahospital werde mit anderen Spitzenkliniken verglichen

Das in Siegburg ansässige Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK GmbH), das für das DRG-System zuständig ist, verteidigt dessen Ausgestaltung: „Das Olgahospital wird mit seinen Leistungen nicht mit Allerweltskrankenhäusern verglichen, sondern mit anderen Spitzenkliniken in Deutschland“, sagt der Geschäftsführer Frank Heimig. Das System zahle jeweils ermittelte Durchschnittspreise. „Damit kommen 50 Prozent zurecht und 50 Prozent nicht“, sagt Heimig.




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