Olli Schulz in Stuttgart Singen kannste ja nicht

Von Cornelius Oettle 

Olli Schulz hat sein Publikum in der Stuttgarter Liederhalle wieder mal als kumpelhafter Normalo im Sturm erobert. Sogar für einen ADAC-Mann hat er einen Song geschrieben.

Seine Stärke sind die Anekdoten zwischen den Songs: Olli Schulz in Stuttgart Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 12 Bilder
Seine Stärke sind die Anekdoten zwischen den Songs: Olli Schulz in Stuttgart Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Seine Großmutter habe recht früh zu ihm gesagt: „Singen kannste ja nicht, ne? Aber die Leute mögen dich irgendwie!“ Im Grunde wäre damit alles gesagt. Der Artikel könnte hier enden. Besser als die Oma von Olli Schulz kann man das Wirken des 45-jährigen Liedermachers nicht zusammenfassen.

Den Auftakt seiner „Back to the Roots“-Tour, die ihn am Sonntag in den Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle führte, hatte der Hamburger bereits clever vermarktet. In Bonn hampelte er auf der Bühne herum, ließ die Gäste pfeifen und Tim Mälzer ein Video der verquasten Einlage per Instagram verbreiten. „Vergeudete Lebenszeit! Schlechtester Abend ever!“, schrieb der eingeweihte Fernsehkoch dazu. Ein nun völlig durchgeknallter Olli Schulz wird beim Tourstart ausgebuht? Mancher Nachrichtenseite war der Scherz eine Meldung wert.

Wie man Popularität generiert, weiß Olli Schulz eh: Mit Jan Böhmermann etwa quatscht er wöchentlich im Podcast, als Sidekick der beiden Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf besoff er sich im Privatfernsehen als „Charles Schulzkowski“.

Der Mann hat Charisma, quasselt das Publikum schnell auf seine Seite

Der Hamburger ist eben mehr als ein Singer-Songwriter, der mal witzige, mal melancholische Lieder übers Leben schreibt. Dank seines Charismas kann er Leute sehr schnell für sich gewinnen. Schon nach wenigen Sekunden hat er das gut aufgelegte Publikum auf seine Seite gequasselt, wenn er die „Dieter-Thomas-Heck-Atmosphäre“ lobt und verkündet, extra für Stuttgart seinen besten H&M-Anzug aufgetragen zu haben. Wenn er singt, lauschen die Fans andächtig, bewegen allenfalls die Lippen. Hernach gibt’s stets enthusiastischen Jubel.

Ohne Band bestreitet er diese Tour, was die Songs zwar logischerweise etwas weniger mitreißend macht, dafür aber seiner großen Stärke mehr Raum lässt: dem Anekdotenerzählen. So erfährt man zwischen Gitarrenspiel und Gesang mitunter, wie die Titel eigentlich entstanden sind. „Junge Frau sucht reifen Mann“ zum Beispiel schrieb er nach einer Autobahnfahrt, auf der er einen hilfsbereiten ADAC-Mann beobachtete, dem er einfach ein Lied widmen musste: „Der sah so nett aus.“ Zum Song „Phase“ wiederum inspirierte ihn angeblich ein Shopping-Trip mit Fernsehmoderatorin Palina Rojinski. Bei dieser laufe es privat und beruflich so gut, dass man mit ihr keine fünf Meter durch Berlin gehen könne, ohne dass irgendwer sie grüße: „Sie ist grad in so ‘ner Phase, wo sich alles um sie dreht“, heißt es im Songtext.

Diesen besonnenen Blick auf die Unterhaltungsszene, über die er gern spricht, als sei er nicht selbst längst ein Teil davon, schätzen die Fans nach wie vor. Für sie ist er der kumpelhafte Normalo, der eher beiläufig in den Ruhm schlitterte und jetzt von Einladungen zu Filmpremieren in London erzählt. Und der zudem halt auch noch raffinierte Instagram-Manöver abzuhalten weiß.