Biathletin Dahlmeier Favoritin bei Olympia 2018 Neuner fühlt mit

Sport: Jürgen Kemmner (jük)
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Magdalena Neuner kann mitfühlen, was da über ihre Nachfolgerin hereingebrochen ist. Sie hat das auch erlebt. „Ich war erst 19 als ich reingeworfen wurde in den Weltcup und die WM“, erzählt die Rekordweltmeisterin, „dann holte ich WM-Gold – das hat mich überrollt. Ich konnte schwer damit umgehen.“ Plötzlich klingelten fremde Menschen vor der Haustür in Wallgau und baten um ein Autogramm. Magdalena Neuner lernte erst nach und nach, sich in dieser neuen Welt zurecht zu finden. Sie musste erkennen, dass sie nicht jedermanns Liebling sein konnte, irgendwann war ihr bewusst, dass sie auch einmal nein sagen muss.

Ein Geben und Nehmen

Es ist ein Geben und Nehmen, nicht zuletzt können erfolgreiche Biathleten durch die Live-Übertragungen und Medienberichte, die Sponsoreninteresse generieren, gut von ihrem Sport leben – für einen Weltcup-Sieg gibt es 13 000 Euro Prämie. Stars wie Laura Dahlmeier oder Martin Fourcade bei den Männern kommen auf ein sechsstelliges Jahreseinkommen. „Je schneller man mit dem Trubel klarkommt, und da bleibt einem keine Wahl, umso besser ist es für den sportlichen Bereich“, sagt Neuner.

Der Deutsche Skiverband (DSV) ist bemüht, seine Vorzeigefrau nicht im Scheinwerferlicht der Kameras zu verheizen. Interview-Termine werden rigide erteilt, nach den Wettbewerben steht die 24-Jährige nur so lange wie unbedingt nötig in der Mixed-Zone – und sie selbst behält ihr Privatleben fast völlig für sich. „Laura ist ein bissel besser vorbereitet als ich es war, sie ist außerdem ein anderer Typ als ich“, erzählt Magdalena Neuner, die mit 25 Jahren ausgestiegen und heute zweifache Mutter ist, „sie ist abgeklärt genug, sie kann damit umgehen.“

Wenn Laura Dahlmeier Ende Februar aus Südkorea in die Bergwelt Oberbayerns zurückkehrt und womöglich mehrere Medaillen im Gepäck stecken, wird sie schauen, dass sie so schnell wie möglich das Glück auf dem Berg wieder fühlt statt dem auf dem Podium. Wahres Gipfelglück spürt man eben nur bei tiefer Stille.

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