Olympia 2021 Nach Zverev-Coup: Ein Rückblick auf Dramen und Triumphe

Boris Becker und Michael Stich gewannen 1992 Gold im Doppel. Foto: mago/Kosecki/imago sportfotodienst
Boris Becker und Michael Stich gewannen 1992 Gold im Doppel. Foto: mago/Kosecki/imago sportfotodienst

Steffi Graf mit einem Novum, Boris Becker und Michael Stich als Zweckdoppel: Alexander Zverev reiht sich mit dem Einzug in das Olympia-Finale in Tokio in eine prominente Liste ein. Ein Rückblick auf seine Vorgänger seit 1988.

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Tokio - Ein Sieg fehlt zu Gold und zu deutscher Tennis-Geschichte: Alexander Zverev kann sich am Sonntag im Endspiel gegen den russischen Überraschungsfinalisten Karen Chatschanow zum ersten deutschen Olympiasieger im Herren-Einzel küren. „Du bist ja wahnsinnig geworden“, rühmte Sportikone Boris Becker in einer via Eurosport verbreiteten Grußbotschaft und ermunterte „Teufelskerl“ Zverev nach dem Sieg gegen den Serben Novak Djokovic: „Nur da gibt’s ein Problem: Du musst noch ein Spiel spielen. Silber hast du sicher, jetzt hol Gold für Deutschland nach Hause!“

Mit einer irren Wende und einem Weltklasse-Auftritt hatte der 24-jährige Hamburger gegen den dominanten Tennisstar dieser Saison ein Olympia-Halbfinale der Extraklasse abgeliefert. Und die Tränen nicht zurückhalten können. „Ich bin bereit, alles zu geben, um am Sonntag die Goldmedaille für Deutschland zu holen“, kündigte Zverev an. Wie emotional wird nun sein finaler Tokio-Auftritt?

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Becker und Michael Stich, Steffi Graf und Angelique Kerber haben in der Vergangenheit unvergessene Olympia-Endspiele mit deutscher Beteiligung geboten. Ein Rückblick auf Emotionen, Drama und Triumphe - angefangen mit Grafs Erfolgen von 1988.

1988 in Seoul: Als für Graf ein neuer Begriff eingeführt wurde

Eine 19-Jährige überstrahlte alle. Steffi Graf schaffte einen Erfolg, der bis heute bei den Damen und bei den Herren unerreicht ist. Erst gewann sie alle vier Grand-Slam-Turniere, dann feierte sie Olympia-Gold: 6:3, 6:3 im Finale gegen die Argentinierin Gabriela Sabatini. Der „Golden Slam“ war perfekt. 33 Jahre später sorgte nun Zverev in Tokio dafür, dass Grafs Erfolg ein Novum bleibt: Er vermasselte Djokovic die Chance auf den Golden Slam.

1992 in Barcelona - Als sich Becker und Stich in den Armen lagen

Der Weg eines Zweckbündnisses endete als Erfolgsduo mit Olympia-Gold im Doppel. Becker und Stich rissen die Arme in die Höhe, suchten einander zuerst mit Blicken, rannten dann aufeinander zu und fielen sich um den Hals. Das 7:6 (7:5), 4:6, 7:6 (7:5), 6:3 im Finale gegen die Südafrikaner Wayne Ferreira und Piet Norval hatte die Umarmung möglich gemacht. Eigentlich herrschte Distanz zwischen den beiden deutschen Wimbledonsiegern, die so unterschiedlich sind. Bei den Damen musste sich Graf im Endspiel Jennifer Capriati aus den USA geschlagen geben.

2000 in Sydney: Als Haas erst gar nicht antreten wollte

Als erster deutscher Tennisprofi nach Graf sicherte sich Haas eine olympische Medaille im Einzel. Erst hatte er wegen Rückenproblemen gar nicht teilnehmen wollen, dann marschierte er ins Endspiel und besiegte auf dem Weg dorthin auch den aufstrebenden Schweizer Roger Federer. Das Finale entwickelte sich zu einem Tennis-Drama mit fünf Akten: Trotz einer starken kämpferischen Leistung verlor Haas gegen den Russen Jewgeni Kafelnikow 6:7 (4:7), 6:3, 2:6, 6:4, 3:6.

2004 in Athen: Als Kiefer und Schüttler nachts Matchbälle vergaben

Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler gewannen Silber im Doppel, aber verschenkten Gold. Vier Matchbälle bei 6:2 im Tiebreak des vierten Satzes reichten nicht, um den Olympiasieg von Becker und Stich zwölf Jahre zuvor zu wiederholen. Um 2.39 Uhr Athener Zeit verwandelten die Chilenen Fernando Gonzalez/Nicolas Massu ihren dritten Matchball. Das Fünf-Satz-Drama endete mit 2:6, 6:4, 6:3, 6:7 (7:9), 4:6 - und mit bitteren Tränen bei Kiefer. „Das ist so brutal. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben“, schluchzte er.

2016 in Rio de Janeiro: Als Kerber eine herausragende Saison spielte

Auch Kerber brauchte ein wenig, um sich mit Silber anzufreunden. Als Favoritin war sie in das Finale eingezogen, verlor aber 4:6, 6:4, 1:6 gegen Sensationssiegerin Monica Puig aus Puerto Rico. Wenige Stunden später erkannte sie, dass die Medaille „das i-Tüpfelchen“ war. In einem Wahnsinnsjahr hatte Kerber zuvor die Australian Open gewonnen und das Wimbledon-Endspiel erreicht. Nach dem Silber-Erlebnis gewann sie die US Open und stieg zur Nummer eins der Welt auf.

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