Olympia 2022 Den deutschen Alpinen fehlt der letzte Punch

Zu einer Medaille hat es nicht gereicht für Linus Straßer. Foto: dpa/Michael Kappeler

Sie schlagen sich bisher gut – aber eine Medaille haben die deutschen Skirennläufer in Peking noch nicht geholt. Das ist nicht gut für die Förderung im eigenen Land.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart/Peking - Lena Dürr wurde Vierte im Slalom – und weinte. Kira Weidle wurde Vierte in der Abfahrt – und baute nah am Wasser. Romed Baumann wurde Siebter im Super G. Linus Straßer wurde ebenso Siebter im Slalom der Männer – aber die Welt ging für ihn deshalb nicht unter. „Ich kann mir eigentlich nichts vorwerfen, ich habe es wirklich probiert und Gas gegeben“, sagte der Technikspezialist des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). Er gehe trotzdem „erhobenen Hauptes vom Platz“. „Die Alpinen sind bis jetzt nicht vom Glück verfolgt“, meinte indes der Fernseh-Experte Felix Neureuther.

 

Zweimal Platz Vier, einmal Platz sieben – das sind Ergebnisse, bei denen der DSV-Alpinchef Wolfgang Maier seinen Athletinnen und Athleten niemals einen Vorwurf machen würde. Sie haben alles gegeben – aber auch Pech gehabt. In der Tat ist es aber so, das Medaillen es sind, wonach über Fördergelder entschieden wird. Insofern würde ein medaillenfreies Abschneiden der Alpinen in Peking die Abteilung womöglich hart treffen. Zwei Chancen gibt es noch: die Kombination der Frauen und den Parallel-Teamwettbewerb. Eher könnte eine deutsche Mannschaft, die sich da noch einmal richtig zusammenrauft, der Bilanz noch das erhoffte Metall hinzufügen. Sozusagen als als kleines Happy-End.

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Die Deutschen haben gezeigt, dass sie vorne mitfahren können – belohnt wurden sie bislang noch nicht. Weidle ist 25 Jahre alt, sie hat noch Zukunft. Doch Dürr (30) und Straßer (29) gehören schon zu den erfahrenen Kräften, die langsam, aber sicher ins letzte Drittel ihrer Karrieren einbiegen. Und Romed Baumann ist schon 36. Natürlich hat der verletzte Abfahrer Thomas Dreßen gefehlt in Peking. Doch offenbart das Ergebnis auch, dass auf die Alpin-Abteilung des DSV viel Arbeit zukommt und im Nachwuchsbereich mächtig Gas gegeben werden muss. Die Medaillenchancen müssen sich auf mehrere Schultern verteilen. Nun ist die junge Garde am Zug, der Skiwelt zu beweisen, dass der deutsche alpine Sport mit seinen begrenzten Möglichkeiten (wenig Berge, wenig Schnee) große Nationen wie Österreich und die Schweiz wieder ordentlich ärgern kann. So wie es früher immer war, als Markus Wasmeier, Katja Seizinger, Maria Höfl-Riesch und einige andere der DSV-Abteilung Alpin das Prädikat gaben: klein, aber fein.

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