Olympia 2022 Kritik an Biathlon-Ort
Zweistellige Minusgrade und eisige, böige Winde machten den Biathleten an den ersten Tagen der Olympischen Spiele in Peking schwer zu schaffen.
Zweistellige Minusgrade und eisige, böige Winde machten den Biathleten an den ersten Tagen der Olympischen Spiele in Peking schwer zu schaffen.
Zhangjiakou - Es kommt ja öfter vor, dass nach olympischen Wettkämpfen Kritik geäußert wird – an den klimatischen Bedingungen, den Wettkampfstätten, den Wertungsrichtern. Und manchmal hadern Athletinnen und Athleten auch mit sich selbst. Eher selten gibt es Unmutsbekundungen von den Siegern zu hören. Wenn doch, sind sie meist besonders treffend. Wie im Fall von Tarjei Bö.
Der Biathlet hatte gerade mit der norwegischen Mixed-Staffel dank einer fulminanten Schlussrunde und der Sprintqualitäten seines Bruders Johannes Thingnes Bö Gold gewonnen, als er gefragt wurde, wie er denn die neue Anlage in Zhangjiakou finden würde. Eigentlich, so meinte der 33-Jährige, sei alles ganz gut. Allerdings gebe es ein großes Problem: „Dieser Ort ist nicht gemacht für Biathlon!“
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Dabei dachte Bö zuvorderst an den Wind. Der bläst in Zhangjiakou, das auf 1650 Metern liegt, mit großer Beständigkeit und manchmal auch richtig stark. Am Samstag war er nicht nur so eisig, dass sich jeder, der konnte, in irgendeiner Ecke verkroch. Er hatte auch großen Einfluss auf die Schießleistungen beim ersten Biathlonrennen dieser Winterspiele. Am Ende setzten sich zwar die Favoriten Norwegen und Frankreich durch, beide Teams mussten aber drei Strafrunden drehen, was normalerweise nicht vorkommt. Das deutsche Quartett? Hatte nicht den Hauch einer Chance. Was vor allem an Vanessa Voigt lag.
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Die Startläuferin, eigentlich eine starke Schützin, setzte die Hälfte (!) ihrer 16 Schüsse daneben, lief folglich zwei Strafrunden extra, übergab als Drittletzte des Feldes mit mehr als zwei Minuten Rückstand – da war schon alles gelaufen. Und Voigt erklärte, dass der Wind bei ihr ziemlich viel durcheinandergewirbelt hatte, auch die Orientierung. „So habe ich mir meinen Olympia-Einstand definitiv nicht vorgestellt“, sagte sie, „im Liegend-Anschlag wusste ich einfach gar nicht mehr, wo ich bin, stehend hat dann auch die Nervosität eine große Rolle gespielt.“ Denise Herrmann, Benedikt Doll und Philipp Nawrath brachten die Staffel dann zwar noch auf Rang fünf, die anvisierte Medaille aber wurde klar verfehlt. Vorwürfe machte Voigt deshalb freilich niemand. „Der fünfte Platz ist für umsonst und schon enttäuschend“, meinte Doll, der die meiste Schuld aber dem Wind gab: „Irgendwann weiß man als Schütze nicht mehr, wohin man eigentlich schießt, ob die Fehler links oder rechts sind.“
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Es bleibt den Biathleten jedoch nichts anderes übrig, als die Bedingungen zu akzeptieren. Schließlich stehen in Zhangjiakou noch neun weitere Rennen an. Schon an diesem Montag (10 Uhr/MEZ) folgt das Einzel der Frauen, das Einzel der Männer ist am Dienstag (9.30 Uhr). Dann blasen die Bö-Brüder zur nächsten Attacke.