Olympia 2026 Aicher wird im Team zur Silber-Emma – und hofft auf das Hundertstel-Glück

Kira Weidle-Winkelmann (li.) und Emma Aicher bejubeln Silber in der alpinen Team-Kombination. Foto: Michael Kappeler/dpa

Zweites Rennen, zweite Silbermedaille. Emma Aicher liefert bei den Olympischen Spielen von Cortina d’Ampezzo weiter mächtig ab. Diesmal gemeinsam mit Kira Weidle-Winkelmann.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Als Emma Aicher die Ziellinie überquert hatte, stieß sie erst einmal einen Jubelschrei aus. Dann fuhr sie noch einen großen Bogen durch den Zielraum. Es war: zu diesem Zeitpunkt die Führung in der alpinen Team-Kombination der Damen bei den Olympischen Spielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo. Aber wo war: Kira Weidle-Winkelmann?

 

Es dauerte ein wenig, dann aber tauchte auch die Speed-Spezialistin, die am Morgen den Abfahrts-Part dieses Wettbewerbs bestritten hatte, im Zielraum auf. Sie umarmte die Kollegin innig, zog sie an deren Stock hinter sich her – aber dann hieß es: warten. Ehe wenig später erst die Medaille fix war, und dann auch Silber. „Wahnsinn“, jubelte dann Kira Weidle-Winkelmann, „es ist unglaublich.“ Und doch war ihr Traum von einer Olympiamedaille wahr geworden.

Mitgewirkt an der Realisierung hatte sie, wie gesagt, am Dienstagvormittag. Auf der Strecke, auf der sie am Sonntag noch Neunte geworden war, fuhr sie nun auf den sechsten Rang. Der Rückstand auf einen Medaillenplatz: 47 Hundertstelsekunden. „Eine gute Ausgangsposition“ sei das, sagte die 29-Jährige – wollte sich mit Tipps an die Teamkollegin aber zurückhalten. Warum? „Weil ich von Slalom keine Ahnung habe.“ Im Gegensatz zu Emma Aicher.

Die 22-Jährige, das ist nicht erst seit den Tagen von Cortina d’Ampezzo bekannt, hat skitechnisch von so ziemlich allem eine Ahnung. Am Sonntag hatte sie Silber in der Abfahrt geholt, noch am folgenden Abend setzten sie die Trainer auf die Slalom-Position der Team-Kombination – weil sie im Weltcup auch in dieser Disziplin in dieser Saison schon mehrfach auf dem Podest gestanden hatte. „Ein paar Fahrten“ brauche sie immer, um sich umzustellen, meinte Aicher – dann sollte es schon gehen. Und wie es ging.

Nächste olympische Enttäuschung: Mikaela Shiffrin nach Platz vier in der Team-Kombination. Foto: Michael Kappeler/dpa

„Ich war unfassbar aufgeregt bei Emmas Lauf“, sagte Kira Weidle-Winkelmann. Doch diese Aufregung wäre gar nicht nötig gewesen. Zwar verlor Aicher im zweiten Teil des Slaloms etwas Zeit – danach aber zündete sie den Turbo. Im Ziel hatte sie die beste Slalomzeit des Tages und einen riesigen Vorsprung. „Emma hat zu 100 Prozent abgeliefert“, sagte die Starnbergerin, die in Stuttgart geboren wurde. Dennoch war noch nicht klar, wofür das reichen würde.

Dann aber blieb erst die Österreicherin Katharina Truppe hinter der Zeit des deutschen Duos, dann auch die Amerikanerin Paula Moltzan. Die Italienerin Martina Peterlini schied aus, da war zumindest die Medaille sicher – Aicher und Weidle-Winkelmann fielen sich erneut um den Hals. Katharina Huber (mit Ariane Raedler) war dann fast lächerliche fünf Hundertstelsekunden schneller als das deutsche Duo – weshalb Bronze klar schien. Denn oben stand ja noch Mikaela Shiffrin.

Mikaela Shiffrin gibt Führung aus der Hand

Dem US-Star hatte Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson eine perfekte Ausgangsposition hinterlassen. Zwar war der Vorsprung knapp, bei der Slalom-Dominanz Shiffrins in dieser Saison schien es aber reine Formsache, dass sie das US-Duo vollends zu Gold führen würde. Doch dann geschah wirklich Unglaubliches.

Mikaela Shiffrin, die in diesem Winter sieben von acht Weltcup-Slaloms gewonnen hat, fand so gar nicht ihren gewohnten Rhythmus, verlor Zeit – und konnte die verlorenen Hundertstelsekunden auch bis zur Ziellinie nicht wieder aufholen. Am Ende belegte sie mit Johnson gar nur den vierten Rang hinter Moltzan und Jacqueline Wiles. Das Austria-Duo konnte sein Glück kaum fassen. Und auch Aicher und Weidle-Winkelmann haben sich „überhaupt nicht geärgert“ über den knappen Rückstand auf Platz eins, sondern hüpften ausgelassen durch den Zielraum.

„Es war alles sehr, sehr emotional“, sagte Weidle-Winkelmann, die nun endlich ihre Olympiamedaille hat. Vor vier Jahren verpasste sie diese in der Abfahrt um nur 14 Hundertstelsekunden, am Sonntag wäre in Cortina auch mehr drin gewesen. Nun aber war all das bei der Vizeweltmeisterin von 2021 (in Cortina!) vergessen: „Ein Wahnsinnstag.“

Emma Aicher freute sich derweil im zweiten Rennen über die zweite Silbermedaille – auch, wenn sie nun einmal um vier und einmal um fünf Hundertstelsekunden Olympia-Gold verpasst hat. 2022 gewann sie schon Silber im damals noch anders ausgetragenen Team-Event. In den Tagen von Cortina hat sie weitere Chancen, vollends zum Alpin-Star dieser Spiele zu werden.

Am Donnerstag findet der Super-G statt, am Sonntag der Riesenslalom, am Mittwoch nächster Woche der Slalom. „Vielleicht sind die Hundertstel demnächst ja mal auf unserer Seite“, sagte Aicher. Weitere Jubelschreie sind jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Weitere Themen