Olympia 2026 Biathlon-Trainer Johannes Lukas und seine Erfolgsgeschichte in Schweden

Die schwedische Biathletin Hanna Öberg hört Cheftrainer Johannes Lukas zu. Foto: imago/Bildbyran

Bei den Schweden trainieren Frauen und Männer gemeinsam. Der deutsche Trainer erklärt, wie das funktioniert und welchen Stellenwert Biathlon in dem skandinavischen Land hat.

Siege, Podestplätze, drei Biathletinnen unter den Top Sechs, zwei Männer unter den besten Sieben des Gesamtweltcups. Bei den Schweden läuft es in dieser Saison. In dieser Form sind sie Mitfavorit auf die Medaillen in der ersten Entscheidung am Sonntag, der Mixed-Staffel. Auch wenn in Antholz in den vergangenen Jahren nicht die besten Ergebnisse für die Skandinavier heraussprangen, geht der deutsche Cheftrainer Johannes Lukas die Mission Olympia zuversichtlich an.

 

„Antholz war zuletzt immer am Ende des Weltcup-Trimesters“, erklärt er. Die Sportler hatten von den Wochen zuvor zahlreiche Rennen in den Beinen, dazu war nur wenig Zeit für eine Höhenanpassung. Der Trainer ist sich aber sicher: „Prinzipiell liegt uns das Gelände.“ Es klingt wie eine Ansage an die Konkurrenz aus Norwegen, Frankreich, Italien und Deutschland. Denn diesmal war Zeit für eine spezielle Vorbereitung.

Hoffen auf den perfekten Tag

Die starken Ergebnisse in diesem Winter seien „eine gute Basis“, aber natürlich weiß Lukas: „Du brauchst für ein olympisches Rennen den perfekten Tag. Das Material muss stimmen, die Tagesform, wo alles in der Weltspitze so eng zusammengerückt ist.“

Schon seit 2019 ist der erst 32-jährige Münchner Cheftrainer der Schweden – für Männer und Frauen. Bereits seit zehn Jahren ist er mit im Betreuerstab fürs A-Nationalteam. Biathlon-Urgestein Wolfgang Pichler hatte ihn damals als Assistenten dazu geholt. Als der aufhörte, kam die Anfrage für Lukas „überraschend, ob ich es machen will“.

Mit Schwung: Johannes Lukas Foto: IMAGO/Bildbyran

Er habe es sich aber zugetraut, obwohl er erst Mitte 20 war. „Es war viel Neues dabei, ich habe viel gelernt und auch Fehler gemacht“, sagt er zu seinen Anfangsjahren als Cheftrainer. Doch der schwedische Verband hielt an ihm fest, sah, wie der Oberbayer die Ergebnisse seiner Arbeit analysierte und verbesserte. „Das hat sehr gut funktioniert, wir haben uns stetig entwickelt.“

Frauen und Männer in einer Trainingsgruppe

Er hat seinen eigenen Weg gefunden, dass Frauen und Männer vom gemeinschaftlichen Training profitieren, sich gegenseitig fordern und entwickeln. In guter Balance mit der notwendigen Individualisierung im Team. Ein gegensätzliches System zu dem des Deutschen Skiverbands (DSV), bei dem die Trainingsgruppen der Frauen und Männer in der Regel getrennt unterwegs sind.

https://exchange.glomex.com/video/v-dfizzg896849?integrationId=40599w1hlth70aqc

Mit dem Erfolg hat ein Hype in Schweden um die Biathleten eingesetzt. Das Interesse junger Menschen steigt, selbst Biathlon zu machen. „Es werden gerade viele Schießstände gebaut“, weiß Lukas. Die Biathlon-Landschaft in Schweden, mit nur einigen regionalen Zentren wie Östersund, ändert sich. Ein Stützpunkt-System wie in Deutschland mit seinen vielen Landesverbänden gibt es aber nicht. Dazu kommt: Die Hälfte des Landes, südlich von Stockholm, ist meist schneefrei. Auf ein schier unerschöpfliches Reservoir an Nachwuchsathleten wie Nachbar Norwegen kann man in Schweden nicht zurückgreifen. Doch die Zahl steigt. „Wir haben noch ein paar Jahre, die es zu überbrücken gilt.“

Bis dahin müssen die Stars wie Elvira und Hanna Oeberg, Anna Magnusson, Sebastian Samuelsson oder Martin Ponsiluoma die Kastanien aus dem Feuer holen. Er nehme aber auch immer ein, zwei junge Biathleten mit in den Weltcup, „dass die was lernen“.

Ein bisschen neidisch blickt Lukas auf das Behördensystem in Deutschland, in dem Spitzensportler, die aus dem Nachwuchsbereich kommen, die Chance haben, bei Polizei, Zoll oder Bundeswehr unterzukommen und sich finanziell abzusichern. Hat ein schwedischer Biathlet seine Jugendjahre im Sportinternat beendet, muss er schauen, wie er seinen Leistungssport finanziert bekommt. Es gebe viele im B-Team, die studieren, sagt der deutsche Trainer.

Auch im A-Nationalteam hat Lukas Studenten wie Samuelsson. Doch dort sind die Sportler angestellt, bekommen zumindest eine Aufwandsentschädigung, auch wenn die für den Lebensunterhalt eher karg ist. Zusätzliche persönliche Sponsoren müssen her.

Vertragsdiskussionen

Ist der DSV irgendwann ein Thema für den Erfolgstrainer? Als Deutscher sei es immer reizvoll, Bundestrainer in Deutschland zu sein, erklärt Johannes Lukas. „Aber ich bin ja noch jung, das muss ja nicht gleich sein.“ In den vergangenen Wochen und Monaten ist in schwedischen Medien viel und heiß über ihn diskutiert worden. Sein Vertrag läuft aus. „Ich denke, nach zehn Jahren ist es ganz normal, dass man sich auch nach links und rechts umschaut“, sagt der Münchner. „Das heißt aber nicht, dass ich da weg will oder weg muss.“

Die Verhandlungen über eine Weiterbeschäftigung sind vertagt. Die Konzentration soll ganz dem Saisonhöhepunkt in Antholz gelten. Und da ist die erste Medaillenchance am Sonntag.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Olympia 2018 Biathlon