Olympia 2026 Die Box im Bob – wie bei Olympia Zeiten gemessen und Daten erhoben werden

Die Kameras der Zeitnehmer liefern auch Daten für spannende Grafiken. Foto: Omega

Ohne Zeitmessung geht bei Olympischen Spielen nichts – aber: Die offiziellen „Timekeeper“ liefern weit mehr als Zeiten und Weiten. Und sie könnten manche Art der Bewertung verändern.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Dem deutschen Team wäre es wahrscheinlich gar nicht unrecht, wenn die Systeme der Zeit- und Weitenmessung bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo anfechtbar wären. Um 0,04 Sekunden verpasste Emma Aicher Gold in der Abfahrt, 0,05 fehlten ihr und Kira Weidle-Winkelmann auf Platz eins in der alpinen Team-Kombination. Philipp Raimund und Andreas Wellinger wurden 16 Zentimeter zum Verhängnis – die Skispringer wurden Vierte statt Dritte. Und im Eiskanal hätte Laura Nolte Gold gewonnen, wenn sie 0,04 Sekunden schneller gewesen wäre.

 

Alain Zobrist macht da aber wenig Hoffnung. „Die Zeiten, die wir messen“, sagt er und lächelt, „sind korrekt.“ Der Schweizer muss es wissen – oder anders gesagt: Es ist kein Wunder, dass er sich derart festlegt. Schließlich ist er CEO beim Schweizer Unternehmen Omega. Das bei den Olympischen Spielen für jede Art der Zeitmessung verantwortlich ist. „Official Timkeeper“ steht auf den roten Jacken der Mitarbeiter.

300 von ihnen gibt es bei den Winterspielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo. Sie sind in allen Sportarten eingesetzt, auch in jenen, in denen es nicht um Sekunden, Zehntel, Hundertstel oder gar Tausendstel geht. Beim Eiskunstlauf etwa sind 14 Kameras auf die Fläche gerichtet, liefern beeindruckende Serienbilder für das Fernsehen und zudem Daten, die die Art des Wertens womöglich schon bald verändern könnten.

„Kurzfristig“ sei es möglich, sagt Zobrist, dass Daten den Juroren und Jurorinnen zur Verfügung gestellt werden. Der Weltverband muss dann entscheiden, ob er sie für die Bewertung zulässt. „Wir sind so weit, dass wir die Kufen der Schlittschuhe ermitteln können, um zu sehen, ob die Sprünge komplett waren oder eben nicht“, erklärt der Chef der Zeitnehmer.

Auf den Anzeigetafeln werden nicht nur Zeiten angezeigt. Foto: Omega

Tatsächlich stellt sein Unternehmen bei den Winterspielen interessante Grafiken und Bilderfolgen für das Fernsehen zur Verfügung. Was genau gezeigt werde, würden dann aber die TV-Produzenten entscheiden – was auch schon für Verwunderung gesorgt hat. Im Skispringen, zum Beispiel, ist es eine eher irrelevante Information, wie hoch die Geschwindigkeit bei der Landung ist. Bei den Sportarten im Eiskanal ist das anders.

An der Olympiabahn „Eugenio Monti“ in Cortina sind 16 Zeitnehmer für Omega im Einsatz. Das technische Equipment ist umfangreicher. 24 Lichtschranken sind, verbunden durch Kabel, montiert. Alle haben sie einen Ersatz für den Fall eines Defekts, zudem gibt es die Fotofinish-Kameras im Ziel. Dazu stehen auf dem Betonrand der Bahn acht Antennen – die die Signale empfangen und weitergeben, die die Bobs senden.

Kleine Box im Innern des Bobs

Diese haben eine kleine, sichtbare Antenne und eine kleine Box an Bord – ungefähr so groß wie eine Zigarettenschachtel –, die zwar nicht die Zeit misst, aber Daten über die Position des Gefährts im Eiskanal ermitteln. Über ein Radarsystem und Sensoren geht es um die Geschwindigkeit, aber auch darum, anhand der genauen Positionsdaten nachvollziehen zu können, warum ein Bob am Ende schneller oder langsamer unterwegs war. An den Rodel-Schlitten werden diese Boxen noch nicht eingesetzt – aber man sucht nach einer Möglichkeit.

Damit nichts schiefgehen kann bei der Zeitmessung, nutzt Omega während der Spiele eigens produzierten Strom und unabhängige Netzwerke. 2000 Datenpunkte pro Sekunde werden bei einem Rennen generiert, Künstliche Intelligenz kommt vor allem in Verbindung mit den Kamerasystemen zum Einsatz. Neu ist in Cortina die Visualisierung der Zeitabstände im Bob und Skeleton über Distanzen. Die übereinandergelegten Bilder können dann im TV gezeigt werden.

Alain Zobrist ist Chef der Zeitnehmer bei den Olympischen Spielen. Foto: IAN SCHEMPER

Im alpinen Skirennlauf haben die Sportlerinnen und Sportler mittlerweile Sensoren an den Skischuhen montiert. Im Langlauf, Biathlon, Eisschnelllauf und Shorttrack tragen die Athletinnen und Athleten ebenfalls einen Sensor an einem Band im Bereich des Sprunggelenks. Dabei geht es aber jeweils um das Tracking, nicht direkt um die Zeitmessung.

Von der eigentlichen Messung bis zu Einblendung der (Zwischen-)Zeit vergeht übrigens weniger als eine Zehntelsekunde. Freigegeben werden die erhobenen Zeiten immer von einem Kampfgericht. Proteste sind laut den verschiedenen Reglements meist möglich, enden aber meist zugunsten der Systeme, die Omega nicht bei allen Weltcups und Weltmeisterschaften im Wintersport stellt, aber seit 1932 bei Olympischen Spielen. Also auch bei den ersten Spielen von Cortina 1956.

„Auch damals gab es schon Fotozellen und Fotofinish-Kameras“, erzählt Alain Zobrist. Mit dem heutigen Stand der Technik habe das aber natürlich nichts mehr zu tun. Die gilt als stets genau und korrekt. Manchmal eben auch zum Leidwesen der deutschen Athletinnen und Athleten.

Weitere Themen