Olympia 2026 Felix Loch: „Drauflegen, Spaß haben“ – und den Legendenstatus ausbauen?

Felix Loch auf der Olympiabahn von Cortina d’Ampezzo. Foto: Michael Kappeler/dpa

Felix Loch hat schon dreimal olympisches Gold gewonnen. Zweimal ist er bei den Winterspielen zuletzt aber leer ausgegangen. Warum er nun trotzdem wieder der Topfavorit ist.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Wie er so da saß, unter sich eine Daunenjacke, in der Hand ein Funkgerät, wirkte es nicht so, als hätte hier der absolute Goldfavorit seine Trainingsfahrten drei und vier hinter sich gebracht. Felix Loch wirkte nachdenklich, leicht verärgert sogar. Und wenig später erklärte er auch, warum.

 

„Der Start“, sagte der deutsche Rodler, „ist ein bisschen in die Hose gegangen.“ Und für alle, die sich nun Sorgen um die sportlichen Ambitionen des 36-Jährigen machten, ergänzte er schnell: „Sonst passt es ganz gut. Ich komme mit der Bahn ganz gut zurecht.“ Mit DER Bahn.

Der neue Eiskanal, die frühere „Pista Olimpico Eugenio Monti“, ist vor den Spielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo die meist diskutierte Sportstätte gewesen. Weil man erst die alte Bahn renovieren wollte, sie dann doch abriss, alternative Austragungsorte in Innsbruck und St. Moritz verwarf – und dann 124,8 Millionen Euro investierte, um in Cortina eine neue Rinne zu bauen. 850 Bäume mussten dafür weichen, rund um die Bahn herrscht noch Baustellen-Feeling, aber man versicherte: 10 000 neue Bäume seien dafür gepflanzt worden.

Das sind wichtige Diskussionen. Aber nun, direkt vor den vier olympischen Durchgängen an diesem Samstag und am Sonntag, kümmern sie vor allem Felix Loch nicht. Er sagt: „Ich bin konzentriert und fokussiert.“ Was er aber auch ist: „Gelassen.“ Es sind schließlich seine fünften Winterspiele – und die sportliche Lage könnte kaum besser sein. Was so nicht zu erwarten war.

Fokussiert, aber auch gelassen: Felix Loch bei seinen fünften Olympischen Winterspielen. Foto: Robert Michael/dpa

Denn von der Dominanz vergangener Jahre war Felix Loch in den vergangenen Wintern deutlich entfernt. In der Saison 2020/2021 gewann er noch zahlreiche Weltcups und auch die Gesamtwertung. Danach waren es noch vereinzelte Erfolge, ehe nach Dezember 2022 die Flaute einsetzte. Es dauerte bis Februar 2024, ehe der Rodler wieder über einen Einzelerfolg jubeln durfte. Dazu hatte er bei Großereignissen bittere Pillen zu schlucken.

2010 (Einzel) und 2014 (Einzel und Team) hatte Felix Loch olympische Goldmedaillen gewonnen. 2018 war er auch vorne – bis zum letzten von vier Läufen. Den verpatzte er. Und rutsche auf Rang fünf zurück. Vier Jahre später war es in Peking Platz vier. „Von Schlagloch zu Schlagloch“ sei er getappt, erklärte er kürzlich gegenüber dem „Merkur“. Dass der Bayer vom Königsee nun nach zwölf Jahren beste Chancen auf seine vierte und womöglich fünfte Goldmedaille hat, überraschte selbst Experten. Macht den Dominator von einst aber umso glücklicher.

In Kurve vier könnte die Entscheidung fallen

Irgendwann war bei all der Tüftelei das Richtige dabei. Nun hat sich ausgerechnet in der Olympiasaison wieder dieses Gefühl eingestellt, das ihn neben der Explosivität am Start einst so stark gemacht hatte. Vier Weltcups hat er in diesem Winter schon gewonnen. Loch kann sich nun wieder „einfach drauflegen und Spaß haben“. Und kann sicher sein: Es funktioniert. „Das Set-up“, sagte er am Donnerstagnachmittag im Zielbereich der neuen Bahn von Cortina, „steht so weit. Ich bin auch mit dem Schlitten zufrieden.“ An Kleinigkeiten wird nun noch gefeilt. Und: Am Gefühl für Kurve vier.

Die, sagt Felix Loch, sei neben einem Top-Start entscheidend in Cortina. Weil danach flache Passagen kommen. „Da sollte man davor keine Fehler machen“, sagt Loch – dessen Teamkollege Max Langenhahn die wichtige Passage sogar noch ein bisschen weiter nach oben verlegt: „Der Übergang von Kurve drei zu vier“ sei vermutlich der Knackpunkt.

Die deutschen Rodler hatten im November und nun im Olympia-Training die Möglichkeit, auf der neuen Bahn zu trainieren. „Jeder Lauf hilft“, sagt Felix Loch – und schätzt, dass er nun auf rund 30 Versuche im Sliding Centre von Cortina kommt. Worüber die Gastgeber vermutlich nur lächeln können. Zwischen 150 und 200 Läufe, schätzt Loch, hätten die italienischen Rodler vermutlich im neuen Eiskanal schon hinter sich.

Felix Loch setzt seine wieder entdeckte Freude auf dem Schlitten dagegen, das Gefühl fürs Eis. Die Gewissheit, schon viel erlebt zu haben und auch mit der Favoritenrolle gut umgehen zu können. Und mit Macht einen goldenen Schlusspunkt erzwingen muss er auch nicht. Denn nach den Spielen von Mailand und Cortina soll noch nicht Schluss sein.

Auch, wenn Felix Loch am Donnerstagnachmittag mal kurz ein wenig verzweifelt aussah.

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