Olympia 2026 Johannes Lochner schlägt Francesco Friedrich erneut – und hat ihm zu danken

Das Team um Johannes Lochner (4. v. re.) hat Gold gewonnen, Francesco Friedrich (li.) mit seiner Mannschaft Silber. Foto: Robert Michael/dpa

Johannes Lochner hat mit seinem Team auf Gold im Viererbob gewonnen. Damit endet seine Karriere herausragend. Und auch ein besonderes Duell ist nun Geschichte.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Im letzten Lauf musste er nicht mehr volles Risiko gehen. „Ich konnte es genießen“, sagte Johannes Lochner – nachdem er im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo nach Gold im Zweierbob auch im Vierer triumphiert hatte. Danach aber setzte er dann doch noch einmal alles auf eine Karten – und zum Salto an.

 

Seine Frau, meinte der Bobpilot später, sei ja Turnerin. Er selbst dagegen habe ganz schön „viel Fleisch“ zu bewegen. Trotzdem: Nach Doppelgold gelang dem 35-Jährigen auch der Salto rückwärts – mit dem die Karriere des Bayern vom Königsee als Spitzensportler endgültig zu Ende ging. „Es ist“, sagte der Mann vom Bobclub Stuttgart Solitude zum goldenen Abschluss von Cortina, „ein Traum in Erfüllung gegangen.“

Gemeinsam mit seinen Anschiebern Thorsten Margis, Jorn Wenzel und Georg Fleischhauer brachte Lochner am Schlusstag der Winterspiele von Mailand und Cortina den Vorsprung vom ersten Tag souverän ins Ziel. Basis für den Erfolg war vor allem der erste Lauf. Mit der „alt bekannten „Francesco-Friedrich-Taktik“ habe Lochner da agiert – und die Konkurrenz geschockt. Sagte Francesco Friedrich.

Der wollte nach den Doppelerfolgen 2018 und 2022 zwar auch in Cortina Gold und war nach zweimal Silber etwas enttäuscht. Er erkannte aber auch die Überlegenheit Lochners im Eiskanal „Eugenio Monti“ in den Dolomiten an. „Das war nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagte Friedrich, „aber: allergrößten Respekt an Hansi.“ Dem, fügte der Sachse mit einem Schmunzeln an, könnte man einen solchen Karriereabschluss schon auch „gönnen“. Er fügte lächelnd an: „Gerade so.“

Sportliche Rivalität über Jahre

Tatsächlich war die sportliche Rivalität der beiden 35-Jährigen in den vergangenen Jahren prägend für den Bobsport. Und sie hat beide angetrieben. „Ich bin ja nicht Bob gefahren, um irgendwann Olympiasieger zu werden“, sagte Lochner, „sondern, weil es geil ist.“ Aber dann „hast du da einen vor dir, der jedes Rennen gewinnt“. Er meinte Francesco Friedrich und dachte sich irgendwann: „Das will ich auch.“

Also schuftete Lochner dafür und hievte sich Schritt für Schritt auf Augenhöhe mit dem großen Rivalen. „Das hat mich geprägt“, sagte er nun in Cortina. Und es habe immer wieder dazu geführt, „dass ich mir den Hintern aufreiße“, um ran- oder vorbeizukommen: „Es war klar: Wenn ich besser werden will, muss ich mehr investieren.“

Johannes Lochner also gab Gas – im Studium wie im Sport –, hegte irgendwann zwar schon einmal Rücktrittsgedanken, kämpfte dann aber konsequent um diesen goldenen Abschluss. „Diese Zielstrebigkeit“, sagte er, „habe ich auch Francesco zu verdanken, weil der mich immer so gefordert hat. Und: „Ohne ihn wäre ich nicht so lange Bob gefahren. Die Reize, die er gesetzt hat, waren für mich immer wieder Ansporn.“

Die sportlichen Rivalen Johannes Lochner (li.) und Francesco Friedrich. Foto: Robert Michael/dpa

Dass den beiden immer wieder ein unterkühltes Verhältnis zueinander nachgesagt wurde, konnten Lochner und Friedrich nun nicht verstehen. „Da wurde aus einer Mücke immer ganz schnell ein Elefant gemacht“, sagte Friedrich und betonte: „Wir haben uns immer gut verstanden und waren immer fair zueinander.“ Der angebliche „Zoff“ sei „eigentlich nie vorhanden“ gewesen.

Zwar sprach der Sachse von „knallharter Konkurrenz“ auf der Bahn, aber eben auch von „Respekt“ und sogar von „Freundschaft“. Die hätten nicht mal Diskussionen „um irgendwelche Anschieber“ getrübt. Dabei ist es immer wieder auch ein interner Konkurrenzkampf, wer welchen schnellen Mann in seinem Bob sitzen hat. Georg Fleischhauer war einst auch von Friedrich gewollt, nun schob er Lochner in zwei Rennen zu Olympiagold. Im Vierer des Bayern saß in Cortina zudem Thorsten Margis, der schonmal aufgehört hatte nach viermal Gold mit Friedrich – dann aber für Lochner noch einmal zurückkehrte.

Mit nun fünfmal Gold ist Margis der erfolgreichste Bobsportler bei Olympia. Francesco Friedrich ist mit viermal Gold und zweimal Silber der erfolgreichste Bobpilot bei Winterspielen – und könnte seine Bilanz weiter ausbauen. Einen Rücktritt verkündete er am Sonntag jedenfalls nicht. Er müsse darüber nachdenken, ob er noch einmal vier Jahre dranhängt.

Dann könnte sich ein neues internes Duell entwickeln. Mit Adam Ammour, der im Zweier von Cortina Dritter geworden ist und auch im Vierer auf Bronze-Kurs lag, ehe ihn kleine Fehler im vierten Lauf die Medaille kosteten. Ein erneuter Dreifachsieg der Deutschen blieb aus, dennoch stimmt die Bilanz der Bobfahrer des Team D.

Am Samstag hatte Laura Nolte (mit Deborah Levi) Gold vor Lisa Buckwitz (mit Nele Schuten) geholt. Dreimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze stehen nun auf der Liste der Bob-Erfolge von Cortina. Was die Verantwortlichen durchaus genießen können.

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