Olympia 2026 Olympiasieger Langenhan – einst „Spaghetti-Arme“, jetzt Kraftprotz in Eiskanal

Max Langenhan beim Empfang im Deutschen Haus am Sonntagabend. Foto: picture alliance / picture alliance / Team D

Der Rodler Max Langenhan hat am Tag nach seinem Olympiasieg über seine Karriere sinniert. Aus dem Kleinsten ist der größte Rodler von Cortina d’Ampezo geworden. Der noch was vorhat.

Sport: Dirk Preiß (dip)

So ein Olympiasieg lindert ja jeden Schmerz – sollte man meinen. Ist aber offensichtlich nicht so. Denn auch am Tag nach seinem Triumph klagte Max Langenhan über die Probleme, die seine Goldfahrten im Eiskanal „Eugenio Monti“ in Cortina d’Ampezzo fast verhindert hätten. „Dem Nacken“, sagte der Rodler aus Friedrichsroda, „geht es nach dieser Nacht nicht besser.“

 

Aber will er klagen? Auf keinen Fall. Viermal ist er trotz dieser Probleme in Cortina Bahnrekord gefahren, war der absolut verdiente Sieger und holte nach sechs WM-Titeln nun auch den wichtigsten Erfolg, den es in seiner Sportart zu feiern gibt. Direkt nach dem Sieg am Sonntagabend war er sehr emotional gewesen, dachte an all seine Weggefährten zurück, die ihm geholfen haben, an die Spitze zu kommen. Gedachte an einen früh verstorbenen Trainer aus Jugendzeiten – und wollte am liebsten all diese Menschen beteiligen an der Medaille.

Das ging nicht, aber bei der Feier im Deutschen Haus sei das gute Stück schon ganz schön herumgekommen, sagte Max Langenhan am nächsten Vormittag. Was am Zustand der Medaillenaufhängung abzulesen war. „Das Band“, sagte Langenhan am Montag trocken, „sieht bisschen Arsch aus.“

Er selbst rieb sich immer wieder etwas müde die Augen, blickte aber auch gerne noch einmal zurück auf den Weg, der ihn nun zum Olympiasieger gemacht hat. Im Sportinternat in Oberhof sei er einst als Kleinster angekommen, nur 42 Kilogramm habe er da gewogen – weshalb er erst einmal nur im Doppelsitzer gerodelt ist. Ab der zehnten Schulklasse setzte dann aber das Wachstum ein, auch habe er „nicht mehr so Spaghetti-Arme“ mehr gehabt. So rodelte er irgendwann solo den Eiskanal herunter, anfangs noch mit Zusatzgewichten im Schlitten.

Max Langenhan mit seiner Goldmedaille. Foto: Michael Kappeler/dpa

Heute ist Max Langenhan 26 Jahre alt, 1,90 Meter groß und rund 100 Kilogramm schwer – in den einstigen Spaghetti-Armen steckt richtig Kraft, auch wenn diese am Sonntag in Cortina aufgrund der Nackenprobleme nur bedingt am Start zum Einsatz gekommen ist. Aber: Es gibt ja eine weitere Möglichkeit, sie zu nutzen.

Bis Dienstag will Max Langenhan noch regenerieren und sich von den Physiotherapeuten behandeln lassen. Am Mittwoch geht es wieder auf den Schlitten, am Donnerstag steht die Teamstaffel auf dem Programm. Da seien die Chancen des deutschen Teams zwar nicht ganz so hoch wie in den vergangenen Jahren – seit der Einführung 2014 gewann immer eine deutsche Staffel. Aber, sagte Langenhan, „das Ziel ist klar“.

Aussprechen wollte er es nicht, Zweifel gab es aber auch nicht. Denn: Am Kleiderhaken, wo die Goldmedaille vom Sonntag derzeit hängt, ist sicher noch Platz für eine weitere.

Weitere Themen