Olympia 2026 Sportlerpaare im Wintersport – zwischen Liebesglück und Lebensgefahr

Mikaela Shiffrin (re.) und ihr Verlobter Aleksander Aamodt Kilde. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Paare im Wintersport müssen leidensfähig sein – weil mindestens einer der Partner den Sport an einem Limit betreibt, das lebensgefährlich sein kann. Drei olympische Beispiele.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Wer im Sport etwas erreichen möchte, muss an Grenzen gehen – und manchmal darüber hinaus. In vielen Disziplinen hat das vor allem mit der Schinderei im Training tun. Im Wintersport ist es aber auch oft: lebensgefährlich. Das zeigt ein Blick auf drei Athletinnen und einen Athleten, die die Spiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo zwar verpassen – die aber eine Liebesgeschichte mit Olympia 2026 verbindet.

 

Aleksander Aamodt Kilde Der Norweger und seine Verlobte sind das vermutlich prominenteste Paar im alpinen Skizirkus. Denn sie ist die erfolgreichste Skifahrerin, die es bislang gab. Mikaela Shiffrin hat 108 Weltcupsiege gefeiert, ist Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin. Im Januar 2024 spielte das alles aber keine Rolle – als Aleksander Aamodt Kilde in Wengen schwer stürzte.

Es war schnell klar, dass es nicht „nur“ ein gerissenes Band oder eine ausgekugelte Schulter ist. Der heute 33-Jährige zog sich zwar auch derartige Verletzungen zu, aber auch eine tiefe Schnittwunde an der Wade zu, Nerven waren durchtrennt und es war lange nicht klar, ob er überhaupt wieder normal gehen würde können. Shiffrin war damals schnell an seiner Seite – und verletzte sich wenig später selbst schwer im Bauchraum.

„Als sie in Killington gestürzt ist, war ich zuhause in Innsbruck und habe es im TV gesehen,” erinnert sich Kilde an jenen Moment – und spürte die Ohnmacht, kurz nach seinem eigenen Unfall nicht helfen zu können: „Ich wollte unbedingt für sie da sein, auch physisch. Aber ich konnte es nicht, weil ich in meiner damaligen Gemütsverfassung war.“ Ansonsten aber gelte: „Wir sind der Fels in der Brandung füreinander.“

Sie arbeiteten sich beide zurück. Shiffrin siegte wieder, ist Goldfavoritin im Slalom von Cortina d’Ampezzo. Auch Kilde gab in dieser Saison ein emotionales Comeback – musste aber einsehen, dass die Qualifikation für Olympia nicht klappen kann. „Ich habe alles getan, was ich konnte, um für Olympia bereit zu sein“, gab er kürzlich bekannt, „aber mein Kopf und mein Körper spielen nicht so mit, wie sie es müssten.“ Er beendete die Saison vorzeitig und nimmt im kommenden Winter einen neuen Anlauf.

Cyprien Sarrazin Dass der Franzose eine Freundin aus dem Wintersport hat, ist erst seit einigen Wochen öffentlich. Es ist die deutsche Langläuferin Laura Gimmler, die bei diesen Spielen in Val di Fiemme um Medaillen kämpfen wird. Bei den Spielen wird auch Cyprien Sarrazin zugegen sein – „als Fan beim Langlauf“. Mehr ist für den Skirennläufer nicht möglich.

Der heute 31-Jährige gewann zwar im Januar 2024 gleich zwei Abfahrten auf der Streif in Kitzbühel und war in der Form seines Lebens. Im Dezember stürzte er aber im Training auf der heutigen Olympiastrecke in Bormio schwer, zog sich schlimme Kopfverletzungen zu und lag danach mehrere Tage im Koma.

„Es gab nach dem Sturz Ärzte, die sagten: ‚Vielleicht erholen Sie sich nie wieder von den Folgen des Sturzes, den Sport können Sie vergessen. Und es wäre ein Wunder, wenn Sie wieder ein normales Leben führen könnten’“, erzählte Sarrazin vor einigen Wochen. Nachdem die Genesung dann aber doch überraschend gut verlief, habe derselbe Arzt gesagt: „Wir sehen uns bei den Olympischen Spielen.“ Doch das war für den Franzosen kein Thema.

Heute sagt er zwar: „Ich fühle mich gut, körperlich und geistig.“ Das Thema Leistungssport ist er aber noch nicht wieder voll angegangen. Auch, weil er schon vor dem Sturz Knieprobleme hatte, die schmerzfreies Skifahren kaum mehr möglich machten. Ob er noch einmal zurückkehrt? Er selbst setzt sich ein Limit: „Wenn ich nächstes Jahr nicht zurück bin, ist es vorbei.“

Zuletzt war er eher Langlaufen als Alpin-Skifahren – auch, wegen seiner Beziehung. Vor der es im deutschen Team eine ähnliche gibt. Simon Jocher ist alpiner Speedfahrer, seine Freundin Coletta Rydzek Langläuferin. Im Gegensatz zum Paar Sarrazin/Gimmler sind sie beide bei diesen Winterspielen am Start.

Michelle Gisin Die Schweizerin ist hoch dekorierte Olympionikin. In Pyeongchang und Peking holte sie jeweils Gold in der alpinen Kombination, dazu kommt einmal Bronze im Super-G. Dieses Mal fehlt die heute 32-Jährige – und sagt: „Ich wäre gerne dabei gewesen, es hat mich gefuchst, als wir im Kraftraum waren und Luca sich darauf vorbereitete.“ Luca de Aliprandini ist ihr Verlobter und gehört zum italienischen Team.

Michelle Gisin kurz vor ihrem Sturz in St. Moritz. Foto: IMAGO/GEPA pictures

Gisin dagegen sagt, sie freue sich darauf, die Spiele „zuhause am TV“ zu verfolgen. Vor zwei Monaten platzte ihr Traum, auch in Cortina dabei sein zu können, jäh. Sie stürzte in St. Moritz und zog sich Verletzungen an der Halswirbelsäule und am Handgelenk zu, dazu einen Riss des Kreuzbandes und den Innenbandes in Knie. Kurz vor dem Start der Winterspiele informierte sie nun die Öffentlichkeit ausführlich über ihren Gesundheitszustand.

„Ich bin sehr dankbar, dass es mir acht Wochen nach dem Sturz so gut geht“, sagte sie, berichtete über Fortschritte bei der Genesung des Kniegelenks, betonte aber auch: „Das Wichtigste ist der Hals, ich muss die Muskulatur wieder aufbauen. Aber ich kann mich normal bücken und die Beweglichkeit des Halses funktioniert schon ziemlich gut.“ Das zeigt, wie viel Glück im Unglück sie hatte.

Die Ärzte sagten ihr nach dem Sturz nämlich: Es sei unheimlich knapp gewesen bei dem Sturz, „ich hätte querschnittsgelähmt sein können“. Wie bei Sarrazin ist noch nicht klar, ob sie jemals wieder im Weltcup starten wird. Sie wolle nun erst einmal weiter „zur Ruhe kommen. Erst wenn ich wieder richtig auf den Ski stehe, dann schaue ich, ob ich noch will – und kann“.

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