Olympia 2026 Staffel-Gold im Rodeln – die „Team-Leistung“ führt zum Mega-Rekord
Die deutschen Rodlerinnen und Rodler haben das nächste Gold in Cortina d’Ampezzo geholt. Und damit Tobias Wendl und Tobias Arlt einen sagenhaften Rekord beschert.
Die deutschen Rodlerinnen und Rodler haben das nächste Gold in Cortina d’Ampezzo geholt. Und damit Tobias Wendl und Tobias Arlt einen sagenhaften Rekord beschert.
Was der erste Gedanke war, als sie damals erstmals gemeinsam auf dem Schlitten saßen? „Hoffentlich kommen wir heile runter.“ Sagte Tobias Arlt schmunzelnd. Denn diese Anekdote hört sich mit dem Wissen von heute irgendwie seltsam an. Denn aus dem Zusammenkommen von Tobias Arlt und Tobias Wendl wurde eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Die am Donnerstagabend in Cortina d’Ampezzo ihr Maximum erreichte. Denn die beiden sind nun deutsche Rekord-Winter-Olympioniken.
„Das“, sagte Tobias Wendl, „ist eine riesengroße Ehre.“ Und eine riesige Leistung. An der sie in den italienischen Dolomiten am Donnerstag ihren Anteil hatten. Gemeinsam mit Julia Taubitz, Max Langenhan und dem Damen-Doppelsitzer Dajana Eitberger/Magdalena Matschina holten „die Tobis“ in der olympischen Teamstaffel ihr siebtes Gold bei Winterspielen. Am Tag zuvor hatten sie mit ihrer Bronzemedaille mit Natalie Geisenberger – ebenfalls Rodlerin – gleichgezogen. Nun gehört ihnen der Rekord allein.
„Die beiden sind so krass“, sagte Max Langenhan – und war stolz darauf, dass er dem bayerischen Duo diese siebte Goldmedaille mit schenken konnte. Dass er selbst Doppel-Olympiasieger von Cortina ist, hörte sich für den 26-Jährigen aus Friedsrichsroda dagegen irgendwie nicht so ganz realistisch an. „Ich schäme mich fast ein bisschen dafür“, sagte er. Was er nach zwei starken Wettkämpfen nicht im Geringsten muss.
Langenhan war am Donnerstag als Dritter in den Eiskanal gestartet. Begonnen hatte Julia Taubitz, die Einzel-Olympiasiegerin von Cortina. Die gab zwar zu, den Start ein wenig „verschlafen“ zu haben, steigerte sich dann aber. Unten verfehlte sie dann noch fast das Touchpad (quasi der Staffelstab im Rodeln), kam aber mit Vorsprung auf die bis dahin führenden Österreicherinnen und Österreicher im Ziel an. Dann übernahmen Tobias Wendl und Tobias Arlt.
Die hatten in den vergangenen Tagen ihre liebe Mühe gehabt mit dem neuen Eiskanal in Cortina d’Ampezzo. Hatten vor der Doppelsitzer-Konkurrenz fast die ganze Nacht und am Morgen an ihrem Schlitten getüftelt. Am Ende waren sie glückselig, Bronze gewonnen zu haben. In der Teamstaffel war von den Problemen nicht mehr viel zu sehen. Sie bauten den Vorsprung aus.
Nachdem Max Langenhan diesen verteidigt hatte, mussten Dajana Eitberger und Magdalena Matschina das Gold noch nach Hause bringen. Auch die beiden leisteten sich keine großen Fehler, sodass der Jubel im Ziel riesengroß war. „Das“, sagte der Bundestrainer Patric Leitner, „war eine absolute Teamleistung.“ Alle, die daran beteiligt waren, könnten „stolz“ darauf sein. Was sie auch waren.
Julia Taubitz, vor vier Jahren noch der Pechvogel in der Bahn von Peking, spürte eine innere „Dankbarkeit und Zufriedenheit“. Dajana Eitberger erinnerte noch einmal daran, was sie in den vergangenen Jahren durchlebt hat – riesige sportliche Konkurrenz, den Stützpunktwechsel, Schwangerschaft und Geburt, den Umzug vom Einer in den Doppelsitzer („von Go-Kart in den Lkw“). Max Langenhan dankte wie schon nach seinem Einzel-Triumph allen Wegbegleitern. Und Tobias Wendl und Tobias Arlt hatten ihren Rekord, der ihnen eigentlich gar nicht so wichtig ist. „Deshalb“, sagte Tobias Wendl, „betreiben wir diesen Sport nicht.“ Sie tun es „aus Leidenschaft“ – und sind seit über einem Jahrzehnt das Maß aller Dinge.
Doppelsieg in Sotschi (2014), als es erstmals die Teamstaffel gab. Doppelsieg 2018 in Pyeongchang, Doppelsieg 2022 bei den Corona-Spielen von Peking. „Auch wir hatten schwierige Zeiten“, sagte Tobas Arlt, „das Wichtigste ist aber, dass man dann weitermacht.“ Das wolle er auch jüngeren Sportlern mitgeben. Als er das sagte, spürte er „Gänsehaut“ am ganzen Körper. Vielleicht auch, weil er wusste, dass das siebte Olympiagold auch eine Abschiedsmedaille ist.
„Das war unser letztes olympisches Rennen“, bestätigte Tobias Wendl. Passend dazu sagte Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „Herzlichen Glückwunsch zu dieser Lebensleistung. Die gesamte Mannschaft verneigt sich vor euch.” Enden soll die Karriere am Königsee, wenn dort der Eiskanal wieder betriebsbereit ist. Passend wäre: die WM dort im Jahr 2028.