Olympia-Kandidatin: Elisabeth Brandau Die Hände am Lenker und Olympia im Kopf

Auf rasantem Kurs gen London: Die Böblingerin Elisabeth Brandau will mit ihrem Mountainbike bei den Olympischen Spielen dabei sein.

 Quelle: Unbekannt
Quelle: Unbekannt

Böblingen - Mit atemberaubender Geschwindigkeit rast Elisabeth Brandau mit ihrem Mountainbike über Stock und Stein durch die dichten Wälder des Schwarzwaldes. Dabei lässt sie sich von nichts aufhalten. Für keinen Anstieg ist sie sich zu schade. Keine Abfahrt ist ihr zu steil. Ihr Lebensmotto „Wer nicht wagt, hat schon verloren" könnte besser nicht passen. Während ihrer rasanten Fahrt, hat sie ihr Ziel immer fest im Blick: die Olympischen Spiele in London.
Um das zu erreichen, muss die Böblingerin bei den nächsten Weltcuprennen mindestens einmal unter die Top 15 fahren. Dass sie das kann, hat sie international schon mehrfach bewiesen. Dementsprechend zuversichtlich gibt sich Brandau und hofft darauf, so schnell wie möglich das ersehnte Olympia-Ticket zu lösen. Seit nun mehr als vier Jahren bereitet sich die gelernte Kälteanlagenbaumeisterin intensiv auf dieses Ereignis vor.

Für den Erfolg waren viele Abstriche nötig

Elisabeth Brandau ist eine Spätzünderin. Erst mit 14 Jahren begann sie mit dem Radsport und fuhr bald ihre ersten Straßenrennen. Ihr Talent war nicht zu übersehen. Schon in den Anfangsjahren feierte sie ihre ersten großen Erfolge. Keiner konnte sie aufhalten, als sie 2001 zum ersten Deutschen Meistertitel im Jugendbereich fuhr. Mit viel Disziplin und Ehrgeiz errang sie in den Folgejahren weitere Titel und drängte sich so immer wieder ins Blickfeld neuer Sponsoren. Durch ihre nationalen Erfolge qualifizierte sich Brandau in den Jahren 2002 und 2003 für die Weltmeisterschaften in Belgien bzw. ein Jahr später in Kanada.
Diese Erfolge waren allerdings mit einem großen Aufwand verbunden. Während mit dem Läuten der Schulglocke der Tag für ihre Mitschüler beendet war, ging es für sie erst richtig los: Dann stand erst mal Radtraining auf dem Programmplan. Stundenlang trainierte sie, um besser zu werden, den sechs Kilometer langen Schulweg fuhr sie stets mit ihrem Fahrrad. Nach den schweißtreibenden Trainingseinheiten warteten am Abend zu Hause noch die Schulaufgaben, die sie trotz Erschöpfung und Müdigkeit trotzdem gewissenhaft erledigte, so Brandau.
Nach ihrem Schulabschluss beschloss sie deshalb, erst mal eine sportliche Pause einzulegen und sich ganz ihren beruflichen Zielen zu widmen. Getreu dem Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ nahm sie 2008 das Training wieder auf. Allerdings entschloss sich die Natur-Liebhaberin gegen die Fortführung ihrer Rennradkarriere und konzentrierte sich fortan auf den Mountainbike-Sport. Schon im ersten Jahr nach ihrer vierjährigen Pause, feierte sie ihren bisher größten Erfolg: In der Disziplin Marathon steuerte sie ihr Mountainbike souverän zu ihrer ersten Deutschen Meisterschaft bei den Damen.

Mit dem Mountainbike die Welt erkunden

Elisabeth Brandau liebt das Abenteuer. In ihrer Freizeit fährt sie am liebsten in die Berge oder bereist die verschiedensten Städte und Länder der Welt. Dabei sucht sie ständig nach neuen Herausforderungen. Die vielen unterschiedlichen Kulturen dieser Erde haben es ihr dabei besonders angetan. Diese zu erkunden und zu bereisen bereitet ihr besondere Freude. Durch den Mountainbike-Sport ergibt sich für sie die Möglichkeit viel von der Welt zu sehen: Rennen in der Türkei, auf Zypern oder in Italien sind keine Seltenheit. Im Moment befindet sich Brandau auf Mallorca, um sich dort auf das nächste Weltcuprennen in Südafrika vorzubereiten.
Diese Reisen bedeuten jedoch auch immer einen großen finanziellen Aufwand für die Fahrer. Um diese Kosten zu decken, ist die Böblingerin auf Sponsoren angewiesen. Da der Mountainbike-Sport in Deutschland eher zu den Randsportarten gehört, sind solche persönlichen Förderer extrem wichtig, um sich in der Weltspitze zu etablieren. Auch in den Medien erfreut sich der Sport nicht gerade großer Aufmerksamkeit. Ginge es nach Brandau, müsste man vor allem die Rennen attraktiver und spannender für den Zuschauer gestalten. Das würde kürzere und schnellere Kurse bedeuten, in Folge dessen mehr Zweikämpfe und packende Auseinandersetzungen um die Positionen. Die Olympischen Spiele in London bieten jedenfalls eine große Chance den Sport in die Öffentlichkeit zu rücken. Dazu sind jedoch Erfolge nötig. Erfolge, für die Brandau sorgen will.

„Mindestens die Top 15 soll es sein."

Mountainbike bedeutet für Brandau nicht nur ein Sport, sondern viel mehr eine große Leidenschaft, für die sie alles gibt. „Es ist Kombination von Freiheit, Natur und Spaß, die den Sport für mich so einzigartig macht” so Brandau. „Riskante Abfahrten und steile Anstiege sorgen dabei für Abwechslung und geben mir den besonderen „Kick“, erzählt sie weiter.
Mit der Qualifikation für die Spiele in London würde für Brandau ein großer Traum in Erfüllung gehen. Zudem wäre es die Bestätigung für ein langes und hartes Training. Aber eben auch der Beweis dafür, dass man mit viel Arbeit und Disziplin jedes Ziel erreichen kann. Im vergangenen Jahr durfte Brandau bei einem Testrennen auf dem Olympia-Kurs in London, schon einmal Olympia-Luft schnuppern.

Trotz ihrer bisherigen Erfolge ist sie bodenständig geblieben und daher auch bei der Konkurrenz sehr beliebt. Für Olympia hat sie große Ziele. „Mindestens die Top 15 soll es sein“, erzählt sie mit hoffnungsvoller Miene und rechnet sich im besten Fall sogar noch mehr aus. Bis es soweit ist, will sie sich aber nochmal voll auf ihr Training konzentrieren, um bestens vorbereitet nach London zu reisen.