Daniela Maier genießt ihren Erfolg bei den Winterspielen, peilt aber schon die nächsten Ziele an. Foto: Oliver Weiken/dpa
Sie ist die erste deutsche Olympiasiegerin im Skicross – und so langsam wird das bei Daniela Maier Realität. Und sie spricht über die teils prominenten Personen, denen sie vertraut.
Am vergangenen Freitag hat Daniela Maier Skicross-Gold bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien gewonnen. Wie ist es ihr seit dem Triumph von Livigno ergangen? Was bringt die Zukunft?
Frau Maier, Sie sagten am Tag nach ihrer Goldfahrt von Livigno, es sei surreal, als Olympiasiegerin vorgestellt zu werden. Ist es inzwischen realer geworden?
(Lacht) Da die Medaille seitdem die ganze Zeit neben mir lag und liegt, habe ich es mittlerweile schon ein bisschen mehr realisiert, was da am Freitag passiert ist. Und so langsam, aber sicher, kann ich mich auch damit anfreunden, als Olympiasiegerin angesprochen zu werden. Und auch damit, mich selbst als solche zu bezeichnen.
Anfreunden? So ein Olympiasieg ist doch etwas Wunderbares.
Ja, das ist etwas, von dem ich immer geträumt habe, dass ich mir gewünscht habe. Aber als Sportlerin versucht man ja auch immer, auf dem Boden zu bleiben. Auch, um den Druck nicht zusätzlich zu erhöhen. Entsprechend schiebt man solche Gedanken dann auch bewusst beiseite. Und wenn es dann doch Wirklichkeit wird, darf man sich ruhig auch ein bisschen Zeit geben, es zu begreifen.
Es gab tatsächlich sehr viele Interviewanfragen und sonstige Pressetermine. Und jetzt sitze ich schon wieder am Flughafen und es geht nach Serbien, wo am Wochenende der nächste Weltcup stattfindet.
Aber Zeit zum Feiern war schon, oder?
Natürlich haben wir gefeiert. Das gehört einfach dazu. Und mir war es auch besonders wichtig, diese Momente mit den Menschen zu teilen, die schon seit Jahren an meiner Seite stehen. Die auch zu mir gestanden sind, als es mal schwierig war.
Sie haben schon direkt nach dem Sieg in Livigno immer wieder ihr „starkes Umfeld“ betont...
...weil ich einfach sehr dankbar bin, dass ich es wirklich habe. Das fängt bei meinen Eltern an, geht über den Skiclub Urach, der mir Vieles ermöglicht und mich zu allen Rennen begleitet hat. Dann viele Freunde, die Bundespolizei. Wie schon gesagt: Vor allem in schwierigen Zeiten war und ist das extrem wichtig für mich.
Erste im Finale: Daniela Maier kommt vor der Schweizerin Fanny Smith (re.) und der Schwedin Sandra Naeslund (li.) ins Ziel. Foto: Oliver Weiken/dpa
Sie waren schon häufiger verletzt und mussten monatelang pausieren.
Ja, und da gibt es ja immer diesen einen Moment, wo du verschiedenen Wegbegleitern mitteilen musst, was passiert ist. Ich habe aber ganz oft die Antwort bekommen: ‚Dani, komm morgen vorbei, dann starten wir, zum Beispiel, mit der Physiotherapie. Wir haben schon einen Plan für dich, mit dem du stärker zurückkommen kannst’. Diese Stärke in meinem Umfeld zu haben, lässt mir den Freiraum, den es braucht, um solche Erfolge wie am vergangenen Freitag einfahren zu können.
Sie haben viel von Routinen gesprochen, damit Sie am Renntag top vorbereitet ins Rennen gehen können. Was war in Bezug auf den Tag, der mit der Goldmedaille endete, der Knackpunkt?
Das waren Gespräche mit Freundinnen unmittelbar vor der Abreise nach Italien.
Was wurde da besprochen?
Dass wir nach dem Rennen feiern und sie für mich da sein werden – ganz egal, welche Platzierung ich am Ende erreichen werde. Das hat mir geholfen, total befreit in den Wettkampf zu gehen. Dadurch konnte ich die Freude zeigen, die ich beim Skicross empfinde. Ich konnte die Leidenschaft einbringen, die es braucht. Und ich hatte die Flexibilität, dass ich die Situationen, die entstehen würden, akzeptieren kann.
Warnung vor den Folgen des Olympiasiegs
Haben Sie direkt vor dem Start auch ein bestimmtes Ritual?
Es gibt da einen kurzen Moment, in dem ich noch einmal in mich gehe. Ich atme tief durch und nehme mir die Dinge vor, die ich für den anstehenden Lauf brauche. Ich habe mich dabei kürzlich mal im Fernsehen gesehen. (Lacht) Das sieht fast ein bisschen bescheuert aus. Aber das brauche ich – ebenso, wie das Abklatschen mit den Trainern und Betreuern.
So viel zur Vorbereitung auf ein Skicross-Rennen. Inwiefern kann man sich denn auch einen Olympiasieg vorbereiten?
(Lacht) Mich haben tatsächlich Viele gewarnt.
Gewarnt? Wer denn?
Ich habe in meinem Umfeld – auch, durch das Training bei der Bundespolizei – glücklicherweise ja auch Menschen, die selbst erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler waren oder gar Olympiasieger oder Olympiasiegerin sind. Carina Vogt, zum Beispiel, die frühere Skispringerin. Sie hat mir im Vorfeld der Spiele mal erzählt, wie das bei ihr damals war, als sie in Sotschi die erste Olympiasiegerin im Skispringen der Frauen geworden ist. Aber auch mit Skeleton-Olympiasiegerin Hannah Neisse habe ich gesprochen. Oder mit Arnd Peiffer, dem früheren Biathleten.
Natürlich haben sie alle erzählt, dass im Falle eines Falles viel auf einen einprasselt. Dass es vor allem viele Medientermine geben wird. Dass man das alles gut organisieren muss und auch mal ‚Nein’ sagen darf, wenn es zu viel wird.
Ist es schon zu viel?
Nein, momentan habe ich es noch gut im Griff und bin auch sicher, dass es so bleiben wird. Aber: Sollte es anders kommen, habe ich eben viele Personen, die ich um Hilfe und ihre Expertise bitten kann.
Hat sich eigentlich der TV-Sender RTL schon gemeldet? In einem Ihrer ersten Interviews nach dem Gold haben Sie gesagt, Sie könnten sich die Teilnahme an der Tanzshow „Let’s dance“ vorstellen.
Ehrlich gesagt: Ich war ziemlich überrascht, als mir diese Frage gestellt worden ist – und in dem Moment auch ein bisschen überfordert. Aber klar, eine Herausforderung wäre es auf jeden Fall, da mal mitzumachen. Grundsätzlich gilt jedoch: Solche Dinge sind – wenn überhaupt – erst ein Thema, wenn ich nicht mehr aktiv Skicross fahre.
Wissen Sie schon, wann das sein wird? Sind die Winterspiele 2030 in den französischen Alpen ein Ziel?
Frankreich ist zwar einerseits noch weit weg, steht aber schon auf meiner Liste. Aber eben auch nur, wenn ich bis dahin weiter so viel Spaß am Skicross habe wie jetzt – und wenn der Körper mitspielt.
Apropos: Wären Sie zufrieden gewesen, wenn die Saison mit dem Olympiarennen beendet gewesen wäre?
Nein, ich habe richtig Lust auf die restlichen sieben Weltcups – auch, wenn es richtig anstrengend wird. Denn ausgerechnet jetzt steht der größte Reiseblock der Saison an. Wir fahren in Serbien, im Montafon, in Kanada, am Ende in Schweden. Aber, wie gesagt: Ich freue mich darauf. Auch, weil wir jetzt wieder mit dem großen Team unterwegs sind. Also auch mit jenen, die nicht bei Olympia dabei waren.
Ihre Heimat im Schwarzwald sehen Sie also erst einmal nicht.
Nein, aber ich habe natürlich mitbekommen, dass die Leute dort beim Public Viewing mit mir gefiebert und mich angefeuert haben. Es haben mir seit Freitag auch viele geschrieben. Das ist wirklich total schön – und im April werde ich auch nach Urach kommen. Versprochen. Dann wird es einen großen Empfang geben, auf den ich mich sehr freue.
Welche Saisonziele gibt es noch?
Für mich gibt es immer ein Nonplusultra-Ziel: Dass ich die Saison bis zum Ende gesund absolviere. Dafür braucht es auch jetzt wieder einen klaren Fokus sowie die Klarheit, dass ich auf meinen Körper hören und ihm geben kann, was er braucht.