Olympische Spiele 2021 Absage oder nicht? Die Uhr tickt!

Tokio macht sich bereit für die Olympischen Spiele 2021 – doch die Skepsis wird immer größer. Foto: dpa

Können die Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio stattfinden – mitten in der Corona-Pandemie? Spätestens im März, meint unser Redakteur Jochen Klingovsky, muss die Entscheidung fallen.

Tokio/Stuttgart - Wer Großes will, muss manchmal deutliche Worte wählen. Nachdem die Londoner „Times“ am Freitag unter Berufung auf ein Mitglied der japanischen Regierung gemeldet hatte, es bestehe Einigkeit darüber, dass die Sommerspiele 2021 zum Scheitern verurteilt seien und abgesagt werden müssten, reagierten die Olympia-Macher prompt. „Wir weisen dies vollständig zurück“, sagte Regierungssprecher Manabu Sakai. Und das IOC erklärte: „Das ist absolut unwahr!“ Was aber ist dann die Wahrheit?

 

Als sicher gilt, dass das Megaereignis nicht erneut um ein Jahr verschoben werden kann. Noch einmal Sportstätten und Messehallen anmieten? Noch einmal Immobilienkäufer vertrösten, die in die Wohnungen im Olympischen Dorf einziehen wollen? Noch einmal Sponsoren um Geduld bitten? Das wird nicht funktionieren. Alles andere hängt von einem Virus ab.

Japan beginnt spät mit dem Impfen

Die Olympia-Skepsis in Japan wächst auch deshalb, weil die Politik im Kampf gegen die Corona-Pandemie bisher, um es höflich auszudrücken, nicht gerade geglänzt hat. Mit dem Impfen wird zum Beispiel, auch aufgrund langwieriger klinischer Prüfverfahren, frühestens Ende Februar begonnen – damit ist Japan Schlusslicht unter den Industrienationen.

Dabei setzen die Olympia-Organisatoren – neben einem strengen Hygiene- und Abschottungskonzept sowie der Hoffnung, dass die Infektionszahlen im Sommer stark zurückgehen – auch darauf, dass viele Athleten, Trainer und Funktionäre bis Juli geimpft sind. Doch genau das ist das Problem: Niemand kann derzeit vorhersagen, wie sich die Pandemie im nächsten halben Jahr entwickeln wird. Folglich gibt es viele Gründe, daran zu zweifeln, dass Tokio 2021 tatsächlich stattfinden kann. Und klar ist zudem, dass dem Veranstalter die Zeit davon läuft. Die Entscheidung muss, auch angesichts der vielen ausstehenden Qualifikationswettbewerbe, spätestens im März fallen. Nur: Vorher wird sich dazu ziemlich sicher offiziell niemand äußern. Dafür steht zu Großes auf dem Spiel.

jochen.klingovsky@stzn.de

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