Olympische Spiele 2021 Endo und Müller – ein VfB-Duo auf Olympia-Mission
Mit Florian Müller und Wataru Endo ist der VfB Stuttgart gleich doppelt beim olympischen Fußballturnier vertreten. Die Vorzeichen sind höchst unterschiedlich.
Mit Florian Müller und Wataru Endo ist der VfB Stuttgart gleich doppelt beim olympischen Fußballturnier vertreten. Die Vorzeichen sind höchst unterschiedlich.
Stuttgart - Quizfrage: Welcher VfB-Spieler nahm letztmals an einem olympischen Fußballturnier für Deutschland teil? Die Antwort reicht weit zurück, bis ins Jahr 1988. Damals vertraten Jürgen Klinsmann und Fritz Walter die VfB-Farben in Seoul und kehrten mit der Bronzemedaille zurück. Danach nahm lange Zeit keine deutsche Männer-Mannschaft mehr an Olympia teil. Erst 2016 in Rio wieder – damals allerdings ohne Stuttgarter Beteiligung.
Bei den Spielen in Tokio, mit dem ab Donnerstag vorab startenden Fußballturnier, ist der VfB Stuttgart gleich doppelt vertreten. Neben Union Berlin, Hertha BSC und dem FC Augsburg als einziger deutscher Club. Neuzugang Florian Müller wird das deutsche Tor hüten, Wataru Endo das Spiel der Japaner aus dem defensiven Mittelfeld heraus organisieren. Die Vorzeichen könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf deutscher Seite entstand zuletzt der Eindruck, Auswahl-Trainer Stefan Kuntz müsste seine Schützlinge nach Japan jagen. Von 100 Spielern, die er ursprünglich auf seiner Liste hatte, blieben am Ende 18 übrig. Darunter Florian Müller. Entweder stellten sich die Spieler quer oder die Vereine. Eine Abstellungspflicht gibt es keine. Für Spieler wie Vereine kommt Olympia mitten in der Saisonvorbereitung zur Unzeit.
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Der 23 Jahre alte Neuzugang des VfB bildet wohl die Ausnahme, wenn er beteuert: „Für mich war das gar keine Frage. Olympia habe ich schon als Kind vor dem Fernseher verfolgt, mit all den Sportlern aus so vielen Ländern. Das ist auch für mich als Fußballer etwas Besonderes.“ Sportdirektor Sven Mislintat wollte seinem Spieler das Erlebnis nicht verwehren. Mit Stefan Kuntz kam er überein, Müller ziehen zu lassen, genauso wie er dem Wunsch von Wataru Endo nachkam. Anders als im Fall Mateo Klimowicz. Dieser hatte im Frühjahr bereits die U-21-EM absolviert. „Zwei Turniere wären zu viel gewesen“, sagt Mislintat. Kuntz sah es genauso.
An diesem Donnerstag (13:30 Uhr) startet die deutsche Auswahl gegen Brasilien ins Turnier. Dem neuen VfB-Torhüter, vor wenigen Wochen für fünf Millionen Euro vom FSV Mainz verpflichtet, kommt als Nummer eins im Tor besondere Aufmerksamkeit zuteil. Er will „sein Land bestmöglich vertreten“ und sich als junger Torhüter auch beim eigenen Verband einen Namen machen.
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Sein VfB-Kollege Wataru Endo, dem Müller in Stuttgart noch gar nicht begegnet ist, hat das nicht mehr nötig. „Seine Bekanntheit und sein Stellenwert in Japan sind gewaltig gewachsen“, sagt Yusaburo Matsuoka. Endos Landsmann muss es wissen. Er arbeitet als Torwarttrainer der VfB-Jugend und ist ein Kenner des japanischen Fußballs. Auch zu dem 28-jährigen Mittelfeld-Samurai pflegt er ein enges Verhältnis. „Für Wataru geht ein Traum in Erfüllung, und das ist nicht nur so dahergesagt“, meint Matsuoka. Das hat natürlich mit den Spielen in seiner Heimat zu tun. Aber nicht nur. Das olympische Fußballturnier hat für asiatische Mannschaften grundsätzlichen einen höheren Stellenwert als für europäische. Eine Kontinentalmeisterschaft wie die Euro gab es in Asien in diesem Jahr nicht.
Endos Rolle im Team der Blauen Samurai ist eine andere als die von VfB-Kollege Florian Müller. Der 28-Jährige ist der Leader im Team der Japaner, Wort- und Taktgeber für die vielen jungen Spieler an seiner Seite. Er nimmt damit in etwa die Aufgabe ein, die für Max Kruse im deutschen Team vorgesehen ist. Das Vertrauen der Japaner in Endo scheint grenzenlos, erst recht seit seiner überragenden ersten Bundesligasaison mit dem VfB, in der er sich als einer der besten Zweikämpfer der Liga einen Namen gemacht hat. Wie in Stuttgart wird Endo auch für Japan auf der Sechser-Position im defensiven Mittelfeld agieren – seiner Paradeposition. Für die Gastgeber geht es ebenfalls am Donnerstag los, gegen Südafrika. Leider sei die Euphorie durch die Pandemie und die fehlenden Zuschauer im Land doch sehr gedämpft, berichtet der 37-jährige Japaner aus Stuttgart. „Aber er hat mir versprochen, mit der Goldmedaille heimzukehren,“ sagt Matsuoka und lacht.
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Sollte es so kommen und Japan tatsächlich das Finale erreichen, würde Endo erst nach dem ersten Pflichtspiel seines Vereins am 7. August nach Stuttgart zurückkehren. Reichlich spät, an eine längere Verschnaufpause wäre nicht zu denken. Zwar hat ihm der VfB Urlaub bereits vor der Reise in die Heimat gewährt. Dass eine optimale Saisonvorbereitung dennoch anders aussieht, spricht schon aus den Worten von VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo: „Es ist, wie es ist.“