Olympische Spiele 2021 Gesa Krause will eine Medaille

Gesa Krause kann auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Foto: Baumann

Die Hindernisläuferin blickt auf eine gute Vorbereitung zurück und hofft bei ihren dritten Sommerspielen in Tokio auf ihr erstes olympisches Edelmetall.

St. Moritz - „Hier in Davos kann ich immer wieder meine innere Ruhe für die großen Wettkämpfe finden“, sagt die Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause und blickt auf die umliegenden Berge, „ich schlafe in der frischen Bergluft besser, wir haben in Davos unseren Platz gefunden.“ Seit 2014 fährt die derzeit beste deutsche Läuferin, sie ist zweifache Europameisterin und holte zwei WM-Bronzemedaillen, zusammen mit ihrem Trainer Wolfgang Heinig ins Höhentraining in die Schweizer Berge. Hier haben sie alle ihre großen Erfolge vorbereitet.

 

„Wir haben in Davos das Stadion für uns allein, eine wunderschöne Laufstrecke um den See, und die ganze Situation in unserem Hotel ist sehr familiär“, sagt der ehemalige Bundestrainer Wolfgang Heinig zu den Rahmenbedingungen. Vor den Olympischen Spielen hat Krause insgesamt acht Monate in Trainingslagern im Ausland verbracht: Sie war zweimal in Kenia, in Boulder (USA), und seit Mitte Juni ist sie in Davos. Bei zwei Diamond-League-Rennen in Stockholm und Monaco hat sie ihre glänzende Form bereits bewiesen, „vor allem das Rennen in Stockholm hat mich glücklich gemacht“, sagt sie. Mit 9:09,13 Minuten über die 3000 Meter Hindernis erzielte sie als Zweitplatzierte die drittschnellste Zeit ihrer Karriere.

Gesa Krause ist die „Weiße Kenianerin“

Längst haben ihre Erfolge auf der „Strecke der Afrikanerinnen“ Gesa Krause das Markenzeichen als „Weiße Kenianerin“ eingebracht. „Ja, bei den Olympischen Spielen möchte ich eine Medaille“, spricht sie ihren Traum bei ihrem dritten Olympiastart offen aus. „Es gibt keine Läuferin, vor der man Angst haben muss“, stärkt auch Heinig das Selbstbewusstsein seines Schützlings. Heinig, der bereits seine Frau Kathrin Dörre-Heinig zur weltweit schnellsten Marathonläuferin machte, lässt auch keine Ausrede wegen der Hitzeverhältnisse in Tokio zu. „Alle haben die gleichen Bedingungen und Chancen“, macht er Krause Mut, „im Finale in Tokio ist alles möglich.“ Ein deutlicher Wink an die Konkurrenz.

Gesa Felicitas Krause ist in der deutschen Leichtathletik längst zu einer eigenen Marke geworden. Der Sturz bei der WM 2017, nach dem sie wieder aufgestanden war und Platz neun erreichte, wurde zum Symbol für Willenskraft, Kampfgeist und Fairness. Der 1,67 Meter große und 50 Kilo leichte Lauffloh hat seine Hindernis-Karriere 2008 im schwäbischen Pliezhausen mit 16 Jahren begonnen. „Es ist ein Glück, dass mich Wolfgang Heinig so früh entdeckt und nach Frankfurt geholt hat“, sagt sie. Seit 2011 ist sie ohne Unterbrechung bei allen Großereignissen gestartet. Krause ist stolz auf diese Beständigkeit, sie hatte nie größere Verletzungen. Ein Beleg für die „strukturelle Heranführung an große Belastungen“, nennt sie als Grund. Über Talent, Technik und Taktik verfügt sie schon lange, für vieles andere ist der Trainer zuständig. „Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe“, betont Krause.

Der Trainer hält sehr viel von der Selbstständigkeit seiner Athletin und schickt sie häufig allein zu den Meetings, während er nach Hause fährt. Krause reiste schon mit 18 allein durch Australien, sie wurde von den Eltern zur Selbstständigkeit erzogen. „Gesa muss alleine laufen, sie ist so eine Persönlichkeit geworden, eine außergewöhnliche Athletin“, befindet Heinig.

Die Bundeswehr sichert ihre Existenz

Während der Coronakrise war die berufliche Absicherung bei der Bundeswehr für Krause sehr wichtig. „Nachdem ich 2020 praktisch keine Start- und Preisgelder bekommen konnte, war das monatliche Gehalt lebensnotwendig“, sagt die Sportsoldatin im Range einer Stabsunteroffizierin.

Nach ihrer beständigsten Hallensaison 2021 sowie dem Double über 3000 Meter Hindernis und 5000 Meter bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig befindet sie sich jetzt im Feinschliff für Tokio. Die Technik steht seit dem Winter, jetzt werden die Laufstrecken im Training inmitten der Berge kürzer, die Intensitäten höher.

Gesa Krause ist voll auf Tokio fokussiert, das ist beim Besuch im Schweizer Luftkurort in jedem Moment spürbar. Nur einen kurzen Blick voraus auf die EM 2022 in München lässt sie zu. „Natürlich ist mein Ziel, meinen Titel zu verteidigen, eine Heim-EM ist doch etwas ganz Besonderes,“ sagt Krause, das habe schon die EM 2018 in Berlin gezeigt.

Der Vorlauf findet am 1. August statt

Gesa Krause ist eingekleidet, fliegt am 27. Juli nach Japan, wo am 1. August der Vorlauf stattfindet, drei Tage später dann das Finale. Genau dazwischen, am 3. August, hat sie Geburtstag, wird 29. „Die Feier fällt aus“, sagt Gesa Krause. Möglicherweise hat sie ja am Tag darauf noch einen sportlichen Grund, das nachzuholen.

Und wenn das Hindernisduo wieder nach Davos zurückkehrt, stehen die Blumen von Hotelbesitzer Erich Schmid wie bei allen vorigen internationalen Erfolgen sicher bereit.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Tokio