Stuttgart - Jetzt also ist endlich beschlossen, was für Virologen schon längst eine Tatsache war: Es wird im Juli und August 2020 keine Olympischen Spiele in Japan geben. Das größte Sportereignis der Welt muss verschoben werden, findet nun spätestens im Sommer 2021 statt. Das verursacht organisatorisch und wirtschaftlich enorme Schwierigkeiten, die aber marginal sind angesichts der Aufgaben, die das Coronavirus an die Menschheit stellt.
Fakt ist zudem: Selbst wenn es gesundheitlich unbedenklich gewesen wäre, die Olympischen Spiele am 24. Juli in Tokio zu eröffnen, sie wären zur Farce geworden – unterschiedliche Trainingsbedingungen für die Sportlerinnen und Sportler sowie fehlende Dopingkontrollen in der Vorbereitung hätten zu komplett verzerrten Wettbewerben geführt. Was nur unterstreicht, dass es zu der Verlegung keine Alternative gab.
Thomas Bach ist der Verlierer im Duell gegen das Virus
Es gehört zum Wesen des Sports, dass er Gewinner und Verlierer hervorbringt. Im olympischen Duell gegen das Corona-Virus gibt es keine Gewinner – allerdings einen großen Verlierer: Thomas Bach.
Der frühere Florettfechter aus Tauberbischofsheim ist ein Meister darin, seine Kritiker über die Klinge springen zu lassen. Im Gefecht um die Sommerspiele 2020 aber hat der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sein bekanntes taktisches Gespür eingebüßt. Bis zuletzt propagierte er, vor allem geleitet durch wirtschaftliche Überlegungen, die Zuversicht und Hoffnung, dass Milliardenspiel in Tokio wie geplant veranstalten zu können.
Am Ende musste sich allerdings auch der oberste Sportfunktionär der Welt der Realität und einem unsichtbaren Virus beugen. Ihm wurde das Heft des Handelns aus der Hand genommen – was ihn nicht nur Reputation, Glaubwürdigkeit und Vertrauen gekostet hat, sondern auch das, was ihm am wichtigsten ist: Macht.
Korruption, Selbstbereicherung, Gewinnmaximierung
Die Herren der Ringe haben sich zwar auf die Fahne geschrieben, stets im Sinne der Athleten zu handeln. Doch der Alltag sieht anders aus. Korruption, Selbstbereicherung, Gewinnmaximierung – die Sportlerinnen und Sportler werden vor allem als Mittel zum Zweck gesehen.
Nun, in der Corona-Krise, haben viele Athleten ihre Stimme erhoben, die Hinhaltetaktik des IOC lautstark kritisiert, sogar einen Boykott der Sommerspiele angekündigt, um so ihrer Verantwortung in der Corona-Pandemie gerecht zu werden. Sie haben Haltung gezeigt und so klargemacht, dass sie gewillt sind, sich ihren Teil der Olympischen Spiele zurückzuholen. Von Thomas Bach und seinem IOC, das dachte, es könnte auch in der Corona-Krise weitermachen wie bisher - und alles selbst bestimmen. Was für ein gewaltiger Irrtum!