InterviewOlympische Winterspiele „Die Lage kann sich stündlich ändern“

Von Jochen Klingovsky 

Alfons Hörmann macht sich vor den Winterspielen in Südkorea Sorgen – wie auch viele Athleten. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds hofft auf die Kraft der Diplomatie: „Mit plakativen Aussagen ist es nicht getan.“

Im Anflug auf Pyeongchang: Die  schwierige politische Lage könnte auch Auswirkungen auf die Olympischen Winterspiele im Februar 2018 in Südkorea haben. Foto: Getty
Im Anflug auf Pyeongchang: Die schwierige politische Lage könnte auch Auswirkungen auf die Olympischen Winterspiele im Februar 2018 in Südkorea haben. Foto: Getty

Stuttgart - Alfons Hörmann hat Verständnis für Athleten, die aus Sicherheitsgründen einen Startverzicht bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea erwägen. „Niemand“, sagt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), „wird zur Teilnahme gezwungen.“

Herr Hörmann, was sagen Sie einem Athleten wie dem Skifahrer Felix Neureuther, der nicht bei den Olympischen Spielen in Südkorea starten will, wenn die Gefahr droht, dass Raketen über den Slalomhang hinwegfliegen?
Dass seine Gemütslage punktgenau gleich ist wie unsere.
Was bedeutet das mit Blick auf Pyeongchang und den Februar 2018?
Wir werden, bei aller Freude auf die Winterspiele, Sicherheit klar an erste Stelle setzen. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt ein Risikoszenario entsteht, bei dem wir das Gefühl haben, dass es nicht zumutbar oder zu gefährlich und damit nicht verantwortbar ist, dann wissen wir alle, was wir zu tun haben.
Wie beurteilen Sie aktuell die Lage?
Wir beobachten die Situation genau, sind im engsten Kontakt mit dem IOC und dem Auswärtigen Amt. Dirk Schimmelpfennig, unser Vorstand Leistungssport und Chef de Mission für Pyeongchang, wird ab 8. Oktober mit einer Delegation zur Vorbereitung in Südkorea sein und die Lage vor Ort sondieren. Stand heute gibt es vom Auswärtigen Amt keinerlei Warnung oder Empfehlung, nicht dorthin zu reisen. Im Moment gehen wir folglich davon aus, dass die Olympischen Winterspiele ganz normal stattfinden ­werden. Aber die Lage kann sich stündlich ändern, das ist uns bewusst.
Welches Risikoszenario könnte zu einem Startverzicht der deutschen Mannschaft führen?
Da ist leider so viel vorstellbar, dass ich darüber nicht spekulieren will. Am Ende wird der Abwägungsprozess, ob man eine Teilnahme verantworten kann oder nicht, womöglich sehr schwierig werden.
Das Nationale Olympische Komitee der USA hat einen Startverzicht bereits ausgeschlossen.
Das halte ich für falsch.
Warum?
Weil man sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen kann. Weder in die eine noch in die andere Richtung.
Wie würden Sie reagieren, wenn einzelne Sportler – obwohl das Team Deutschland dabei ist – auf eine Teilnahme verzichten?
Es wird natürlich niemand gezwungen oder vertraglich in die Pflicht genommen, in Pyeongchang zu starten. Menschen denken und empfinden sehr unterschiedlich. Wenn Athleten für sich entscheiden, nicht anreisen zu wollen, weil sie sich nicht sicher oder wohl genug fühlen, dann hätte ich dafür ­natürlich Verständnis.

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