Stuttgart - Wegen steigenden Infektionszahlen bei Schülern und Überlastung der Gesundheitsämter ändert die Landesregierung die Quarantäneauflagen für Schulen und Kitas. Ab sofort sollen nur noch Schüler, die positiv auf Corona getestet sind, sich zuhause isolieren. Auch bei „relevanten Ausbruchsgeschehen“ – wenn mehr als fünf Coronafälle in einer Klasse vorkommen – „findet die Absonderung der gesamten Klasse nicht mehr statt“.
Das geht aus einem neuen Handlungsleitfaden für die Gesundheitsämter hervor, den das Landesgesundheitsamt den Bürgermeistern im Land zukommen lassen hat. Ab Bekanntwerden eines positiven Tests soll demnach für Gruppen- und Klassenkameraden in Kitas und Schulen eine fünftägige Phase mit täglichen Tests beginnen. So soll der Infektionsschutz gewährleistet werden.
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Unglücklich verkürzte Aussage
Die Information der Rathausspitzen hat bei den Schulverbänden Unmut ausgelöst. Dass Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärt hat, damit erhielten die Rektoren mehr Flexibilität im Umgang mit Quarantäne, stiftete Verwirrung. „Eigentlich ist es so, dass die Schulleitungen das relativ selbstständig entscheiden können“, sagte Schopper der Agentur. Ein Sprecher ihres Hauses ordnete dies später als unglücklich verkürzte Aussage ein. Rechtlich können Schulleitungen nicht über Quarantäne entscheiden. Gemeint habe Schopper, dass Rektoren im Fall dramatischer Infektionssituationen bereits jetzt Flexibilität beim Umstieg auf Wechsel- oder Fernunterricht hätten.
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Das Sozial- und das Kultusministerium wollen mit der Neuerung trotz Omikron mehr Präsenzunterricht im Land gewährleisten. „Nach der alten Regel hätten immer mehr komplette Schulklassen und Kitagruppen in Quarantäne gehen müssen – das wollen wir verhindern“, erklärte Gesundheitsminister Manfred Lucha.
Lehrerverbände erwarten steigende Infektionszahlen
Die Lehrerverbände befürchten das Gegenteil. „Das ist Kommunikationspolitik vom Feinsten“, schimpfte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Sie ist überzeugt, dass die Coronazahlen jetzt erst recht nach oben schnellen. „Wenn man Schulen und Kitas sicherer machen möchte, ist das der falsche Schritt“, sagte sie. „ So viel Unfähigkeit wie jetzt in der Coronakrise an der Spitze von Sozial- und Kultusministerium zutage tritt, ist unfassbar“, wetterte Ralf Scholl vom Philologenverband. „Es kann doch nicht wahr sein, dass dieser Leitfaden an die Rathäuser verschickt wird, ohne dass zugleich die Rektoren informiert werden.“ Auch er erwartet noch mehr Infektionen an Schulen.