Omikron-Welle Region Stuttgart Hier gibt es noch kostenlose PCR-Tests

Im großen Testzentrum in Marbach braucht man nun eine Anmeldung. Foto: Avanti/Ralf Poller

Wegen der Omikron-Welle sollen nicht mehr alle Menschen einen PCR-Test erhalten – doch noch gilt dies nicht. Einige Labore in Baden-Württemberg sind nun am Limit. Warum klappt es in der Region Stuttgart besser?

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Stuttgart - In Ravensburg schlägt ein Labor Alarm: Die Testkapazitäten für die Diagnostik von PCR-Tests sei ausgeschöpft, heißt es vonseiten des MVZ-Labors Gärtner. Aufgrund der Ausbreitung der Omikron-Variante komme es zu einem „massiven Anstieg der Probenzahl“. Deshalb bitte man darum, dass zur Freitestung von Kontaktpersonen und Infizierten auf Antigentests zurückgegriffen werde – und eilige Proben gekennzeichnet werden, um sie priorisieren zu können.

 

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In der Region Stuttgart ist die Situation aufgrund der hohen Infektionszahlen ebenfalls angespannt, aber noch nicht derart prekär. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer bekommt einen Gratis-PCR-Test? Bislang bekommt in Deutschland jeder Mensch einen kostenlosen PCR-Test, bei dem zu vermuten ist, dass er sich mit Corona angesteckt hat. Dafür muss man entweder einen positiven Schnelltest haben oder Kontaktperson einer infizierten Person sein. Zweiteres kann über die Corona-Warn-App belegt werden oder durch eine Mitteilung des Gesundheitsamts. Außerdem bekommen Menschen einen PCR-Test, wenn sie Symptome eines Atemwegsinfekts aufweisen und eine Überweisung des Arztes haben.

Was ist mit der neuen Priorisierung? Diese gilt noch nicht. Geplant ist, dass künftig nur noch vulnerable Personengruppen sowie medizinisches Personal einen kostenfreien PCR-Test erhalten, um die Kapazitäten von Laboren und Testzentren zu schonen. Alle anderen sollen Antigentests (Schnelltests) machen. „Noch gibt es dazu keinen Entwurf vom Bundesgesundheitsministerium“, erläutert Pascal Murmann, Sprecher des Sozialministeriums in Baden-Württemberg. Man gehe aber davon aus, dass der Entwurf noch diese Woche vorgelegt werde.

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Wo bekommt man einen PCR-Test? Zum einen in den Corona-Schwerpunktpraxen, sofern man die genannten Kriterien erfüllt. Alternativ gibt es beauftragte Teststellen, die Gratis-PCR-Tests durchführen. In Stuttgart sind dies die Fieberambulanz des Klinikums sowie die Testzentren auf dem Cannstatter Wasen und in der Schleyerhalle.

Bei den Testzentren auf dem Wasen und in der Schleyerhalle braucht man einen Termin. Vor allem in der Schleyerhalle bekommt man diesen aber noch problemlos, am Wasen braucht man manchmal etwas Geduld. In der Fieberambulanz des Klinikums kann man keinen Termin vereinbaren. An Wochenenden könne die Wartezeit in Extremfällen „wenige Stunden erreichen“, sagte der Medizinische Vorstand des Klinikums, Jan Steffen Jürgensen, jüngst unserer Zeitung. Auch morgens um 9 Uhr könne es zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde kommen. Gut sehe es an Werktagen um die Mittagszeit aus: „Wer zeitlich etwas flexibel ist, sollte antizyklisch außerhalb der Stoßzeiten kommen.“

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Wie sind die Kapazitäten in der Region? In den Laboren in der Region ist man am Limit, aber noch nicht darüber. So heißt es von der Sindelfinger Laborärztin Martina Burchert-Graeve und von der Ludwigsburger Ärztin Julia-Stefanie Frick, die das MVZ-Labor dort leitet, dass die Mitarbeiter gefordert seien, aber man die Arbeit noch schaffe.

Bei den Teststellen ist es ähnlich. Zwar sei die Lage angespannt, gibt Andreas Vogt zu, der das große Schiller-Testzentrum in Marbach (Kreis Ludwigsburg) leitet, aber seit Mitte Januar testen seine rund 60 Mitarbeiter nur noch Menschen, die vorher einen Termin vereinbart haben. „Wenn wir jetzt immer noch spontan Termine anbieten würden, könnten wir uns nicht mehr retten.“

Momentan führen sie dort zwischen 400 und 500 Schnelltests täglich durch sowie 40 bis 45 PCR-Tests. „Zwar könnten wir zeitlich auch 60 PCR-Tests pro Tag schaffen, aber wir müssen unsere Kapazitäten schonen“, sagt Vogt. Denn auch im Testzentrum seien inzwischen einige Mitarbeitende infiziert.

Wie wird die Priorisierung beurteilt? Björn Schittenhelm, Apotheker aus Holzgerlingen (Kreis Böblingen), hofft, dass die Priorisierung bei PCR-Tests nicht so streng umgesetzt wird, wie sie angekündigt war: „PCR-Tests sind eine wichtige Waffe in der Pandemie. Wir sollten die nicht aufgeben, weil wir denken, wir haben zu wenige Kapazitäten – sondern Kapazitäten aufbauen.“

Und Björn Schittenhelm wäre nicht einer der inzwischen bekanntesten Apotheker Deutschlands, wenn er nicht bereits einen Plan im Kopf hätte. Seine Idee: Vulnerable Personengruppen und medizinisches Personal sollten insofern priorisiert werden, als dass sie innerhalb sehr kurzer Zeit ein Ergebnis ihres PCR-Tests erhalten.

Mit seinen Kollegen aus den fünf großen Teststellen im Kreis Böblingen hat Schittenhelm deshalb rund 20 sogenannte Point-of-Care-Geräte gekauft, mit denen man innerhalb weniger Minuten das Ergebnis eines PCR-Tests ablesen kann. „Damit könnten wir in den Teststellen Pandemiespitzen abfedern.“ Während das große Labor in Sindelfingen weiterhin 3000 PCR-Tests pro Tag für den Kreis auswerte, könne man in den Teststellen so zusätzlich 500 schnelle PCR-Tests für priorisierte Gruppen übernehmen.

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