Online-Beratung in Berglen Videochat mit dem Rentenberater

Der Rentenberater Dominik Altherr sitzt in Stuttgart – und berät einen Versicherten im Rathaus in Berglen-Oppelsbohm. Foto: Frank Eppler
Der Rentenberater Dominik Altherr sitzt in Stuttgart – und berät einen Versicherten im Rathaus in Berglen-Oppelsbohm. Foto: Frank Eppler

Die Deutsche Rentenversicherung testet in der gut 6000 Einwohner zählenden Gemeinde Berglen mit ihren neun Teilorten ein neues Online-Beratungskonzept.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)
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Berglen - Franz Sigl ist als Testperson ins Rathaus nach Berglen-Oppelsbohm gekommen, um ein Kooperationsprojekt der Gemeinde Berglen und der Deutschen Rentenversicherung (DRV) vorzustellen. Sigl ist 71 Jahre alt und längst Rentner. Er nimmt in einem kleinen Raum vor einem Bildschirm Platz, aus dem ihm Dominik Altherr direkt ins Gesicht schaut. Altherr ist Rentenberater der DRV, er ist aus der Zentrale in Stuttgart zugeschaltet und fragt den Kunden: „Was kann ich für Sie tun?“ Der Rentner Sigl stutzt, erklärt, dass er doch nur für Demonstrationszwecke da sei, dass eigentlich alle Fragen geklärt seien. Dann überlegt er kurz und fragt knitz: „Gibt’s bald mehr Geld?“

Pilotprojekt in Berglen für alle kleineren Gemeinden

Beim Pressegespräch erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung der DRV Baden-Württemberg, Anderas Schwarz, dass das Pilotprojekt in Berglen für alle kleineren Gemeinden im ländlichen Raum am Dienstag, 29. Mai, starte. Wer sich in Sachen Rente informieren wolle, der müsse sich bei der Gemeinde einen Termin holen. Jeden Dienstagnachmittag werde ein Berater aus der Zentrale zugeschaltet. Anmelden könnten sich auch Versicherte aus anderen Kommunen. Bis dato, so Schwarz, würden feste Beratungstermine im Rems-Murr-Kreis nur in Backnang, Schorndorf und Waiblingen angeboten.

Mit dem neuen Videochat wolle die DRV ausloten, wie groß der Beratungsbedarf ist. Die Technik biete die Möglichkeit, der Nachfrage vor Ort „auf wirtschaftlicher Weise gerecht zu werden“. Die Fachleute müssen nämlich keine langen Anfahrten mehr in Kauf nehmen. Falls mal ein Termin kurzfristig abgesagt werden sollte, dann sitze der Berater nicht untätig herum und müsse auf den nächsten Kunden warten. An seinem angestammten Arbeitsplatz in der Zentrale habe er nämlich immer zu tun.

„Serviceangebote der kurzen Wege“

Der Bürgermeister der Gemeinde Berglen, Maximilian Friedrich, spricht von einem „Serviceangebote der kurzen Wege“. Berglen hatte sich landesweit als erste Kommune darum bemüht, das Pilotprojekt zu bekommen. Die gut 6000 Einwohner zählende Gemeinde mit ihren neun Teilorten habe deshalb den Zuschlag erhalten, so Schwarz. Seit gut drei Monaten wird die neue Videoberatung auch in Ludwigsburg getestet, modellhaft für die größeren Städte im Land.

Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend, so die DRV. Nach der Sommerpause soll entschieden werden, ob das Angebot auch andernorts gemacht wird. Auf Nachfrage erklärten die DRV-Vertreter, dass es technisch möglich wäre Online-Beratungsgespräche auch von daheim aus zu führen. Aus Datenschutzgründen werde darauf vorerst aber verzichtet.

Der Videochat-Tester Franz Sigl erzählt, dass er nur einmal zur Rentenberatung gefahren sein, bis nach Stuttgart. Er hätte sich damals gerne online beraten lassen. Und dann erklärt ihm der Mann auf dem Bildschirm noch, dass er vom 1. Juli an gut drei Prozent mehr Rente bekommen werde.




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