Online-Bezahldienst Paypal gibt erfolgreiches Börsendebüt

Von Nora Stöhr 

Viele Jahre waren sie unter einem Dach vereint, nun gehen sie getrennte Wege: Seit Montag ist der Online-Bezahldienst Paypal als eigenständiges Unternehmen an der Börse notiert – und gilt nun als Hoffnungsträger der Aktionäre.

Seit Montag ist Paypal als eigenständiges Unternehmen an der New Yorker Börse notiert. Der Chef Dan Schulman (vorne Mitte) führt auch nach der Aufspaltung die Geschäfte des erfolgreichen Online-Bezahldienstes weiter. Foto: Getty
Seit Montag ist Paypal als eigenständiges Unternehmen an der New Yorker Börse notiert. Der Chef Dan Schulman (vorne Mitte) führt auch nach der Aufspaltung die Geschäfte des erfolgreichen Online-Bezahldienstes weiter. Foto: Getty

Stuttgart - Ganze 13 Jahre lang firmierten das Internet-Auktionshaus Ebay und der Online-Bezahldienst Paypal unter einem Dach – nun haben sich die Wege der beiden US-Dienste wieder getrennt: Seit Montag wird Paypal als eigenständiges Unternehmen an der New Yorker Börse gehandelt. Damit trennt sich der schwächelnde Konzern Ebay von seiner ertragreichen Tochter. Die Abspaltung, die bereits im September 2014 bekannt gegeben wurde, begründet Ebay mit der Hoffnung, dass die beiden Unternehmensteile getrennt erfolgreicher agieren können.

Diesen Optimismus teilen auch die Aktionäre – zumindest in Bezug auf Paypal. Der Dienst stellte beim Gang aufs Parkett die frühere Mutter Ebay klar in den Schatten. Am ersten Handelstag schossen die Paypal-Aktien um bis zu elf Prozent in die Höhe. Damit brachte der Konzern etwa 52 Milliarden Dollar auf die Waage, während die Marktkapitalisierung von Ebay zeitweise um 4,7 Prozent schrumpfte – auf lediglich noch rund 32 Milliarden Dollar.

Paypal wächst deutlich schneller als Ebay

Die Anleger freuen sich also ganz offenbar über die Unabhängigkeit. Das Kalkül: Entweder treibt Paypal entfesselt die Neuordnung der Bezahlwelt voran, oder man profitiert schnell, wenn ein Käufer sich das Unternehmen schnappen sollte. Das nun unabhängige Paypal, das im Jahr 2002 von Ebay gekauft wurde, könnte sich anderen Partnern öffnen, glauben Analysten. Als Interessenten gelten Kreditkartenanbieter wie American Express, Mastercard oder Visa, aber auch der Online-Händler Amazon, dessen chinesischer Konkurrent sowie Google.

Ebay hingegen wird von den Aktionären kritisch beäugt. Dem einst so innovativen Unternehmen wird vorgeworfen, kein klares Profil mehr erkennen zu lassen. Wie die in der vergangenen Woche vorgelegten Geschäftszahlen deutlich machen, hat Ebay außerdem mit Wachstumsproblemen zu kämpfen. Bei einem Umsatz von 4,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2015 machte der US-Konzern gerade noch 83 Millionen Dollar Gewinn. Im Quartal zuvor waren es immerhin noch 676 Millionen Dollar. Das Geschäft mit dem Kernsegment, der Handelsplattform, schrumpfte um drei Prozent auf gut 2,1 Milliarden Dollar.

Die Nettoerlöse von Paypal wuchsen hingegen um 16 Prozent auf 2,26 Milliarden Dollar. Auch bei der Entwicklung der Nutzerzahlen lag Paypal in jüngster Zeit vorn. Zuletzt nahm die Kundenzahl um elf Prozent auf 169 Millionen zu. Ebay hatte 157 Millionen Käufe – nur sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im vergangenen Sommer lag die Wachstumsrate noch bei 14 Prozent. Ein Hacker-Angriff im vergangenen Jahr, nach dem alle Nutzer ihre Passwörter ändern sollten, hatte das Geschäft monatelang belastet. Um die Kosten zu senken, gab Ebay Anfang dieses Jahres bekannt, 2400 Stellen zu streichen – sieben Prozent der gesamten Belegschaft.

Der Chef hat sich lange gegen eine Aufspaltung gewehrt

Beide Firmen haben sich unterschiedlich auf ihre Eigenständigkeit vorbereitet. Paypal rüstete massiv mit Übernahmen auf. Dem Kauf des Handels-Dienstleisters Paydiant im März dieses Jahres folgte Anfang Juli die 890 Millionen Dollar schwere Akquisition des US-Zahlungsdienstleisters Xoom. Der künftige Paypal-Finanzchef Patrick Dupuis sagte dem „Wall Street Journal“, dass 6,6 Milliarden Dollar für weitere Übernahmen bereitstünden. Bei Ebay hingegen wurde zuletzt aufgeräumt. So wurde der Anteil von 28 Prozent an der Online-Anzeigenbörse Craigslist zurückverkauft und das Ebay-Geschäft mit Unternehmenskunden ging für 925 Millionen Dollar an Finanzinvestoren. „Unsere absolute Priorität ist es, unsere Wettbewerbsposition zu verbessern und auf lange Sicht stabiles, profitables Wachstum zu erzielen“, sagte der Ebay-Chef Devin Wenig nach der Vorlage der letzten Quartalszahlen. Ebay habe viel Arbeit vor sich und er werde auch zu „harten Entscheidungen“ greifen, versprach der neue Konzernchef, der auf John Donahoe folgte.

Donahoe hatte sich lange gegen die Aufspaltung gewehrt – doch letztlich verlor er gegen den einflussreichen US-Investor Carl Icahn. Dieser hatte im vergangenen Jahr genügend Ebay-Anteile gekauft, um auf die Aufspaltung drängen zu können. Paypal könne losgelöst vom hinterherhinkenden Onlinekaufhaus noch viel schneller wachse, sagte. Mit der Abspaltung nimmt Donahoe nun seinen Hut. Neue Chefs der beiden nun unabhängigen Firmen werden die bisherigen Spartenchefs Devin Wenig (Ebay) und Dan Schulman (Paypal).