Online-Netzwerk "Linked-In" Angst vor einer neuen Internet-Blase

Von dpa/StZ 

Linked-In, die Plattform für berufliche Kontakted verdoppelt ihren Kurs beim Börsenstart, der auch als Testlauf für Facebook und Co. gilt.

Die Internetplattform Linked-In, deren Vorstandschef Jeff Weiner ist, wird an der Börse mit dem 600-fachen des Gewinns bewertet. Foto: dpa
Die Internetplattform Linked-In, deren Vorstandschef Jeff Weiner ist, wird an der Börse mit dem 600-fachen des Gewinns bewertet. Foto: dpa

Stuttgart - Ein furioser Börsenstart des Online-Netzwerks Linked-In schürt die Angst vor einer neuen Internet-Blase. Die Anleger waren so heiß auf Aktien der Plattform für berufliche Kontakte, dass sich ihr Börsenwert gleich am ersten Handelstag mehr als verdoppelte. Linked-In war zum Handelsschluss 8,9 Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro) wert. Das ist mehr als in Deutschland etwa die Commerzbank auf die Waage bringen. Die Aktie war beim Börsengang für 45 Dollar ausgegeben worden und schloss am Donnerstag mit einem Kurs von 94,25 Dollar. Am Freitag ging es weiter aufwärts. Der Kurs stieg um knapp acht Prozent auf 102,3 Dollar.

Die Linked-In-Premiere gilt als Test für Börsengänge anderer Internetkonzerne wie Facebook, Zynga und Twitter. Die Investoren könnten sich für einige Zeit an der Goldgräberstimmung erfreuen, sagte am Freitag ein Frankfurter Händler. Derzeit sehe es nicht so aus, dass diese Blase bald platzen werde. Gewöhnlich führe eine solche Entwicklung allerdings zu einem bösen Erwachen. "Die Bewertung von Unternehmen wie Linked-In ist nicht rational nachvollziehbar", sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research. Sorge macht Beobachtern vor allem das krasse Missverhältnis von Geschäftszahlen und Milliarden-Bewertung: Linked-In verdiente im vorigen Jahr gerade einmal 15 Millionen Dollar bei 243 Millionen Dollar Umsatz.

Facebook stellt Linked-In in den Schatten

Deswegen fühlen sich immer mehr Marktexperten an die sogenannte Dotcom-Blase vor mehr als zehn Jahren erinnert: Damals packten Anleger ihr Geld in fast alles, was eine Internet-Adresse hatte. Viele Firmen hatten aber kein tragfähiges Geschäftsmodell. Als die Blase schließlich platzte, wurden an der Börse viele Milliarden verbrannt. Allerdings gingen aus dieser Zeit auch heutige Schwergewichte wie die Handelsplattformen Amazon und Ebay hervor. Als weiteres Beispiel gilt Google: Der Internet-Riese hatte seine Aktien im Sommer 2004 zu 85 Dollar ausgegeben - am ersten Handelstag stiegen sie um mehr als 20 Prozent auf gut 100 Dollar. Der Börsenwert von 27 Milliarden Dollar war damals 138 Mal höher als der Gewinn, was manchen Beobachter dazu brachte, die Aktien für überteuert zu erklären. Heute notieren Google bei gut 530 Dollar; der Suchmaschinenprimus ist damit 171 Milliarden Dollar wert. Mit knapp 314 Milliarden Dollar ist Apple der wertvollste Technologiekonzern.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist bei Linked-In allerdings noch deutlich extremer als seinerzeit bei Google: Das Online-Netzwerk wird mit dem 600-fachen seines Gewinns gehandelt. Als spannende Frage gilt nunmehr, was dieser neue Hunger der Anleger nach Internet-Aktien für den in einem Jahr erwarteten Börsengang des weltgrößten Online-Netzwerks Facebook bedeutet. Denn der Primus stellt Linked-In in vielerlei Hinsicht in den Schatten: 600 Millionen statt 100 Millionen Mitglieder, geschätzte zwei Milliarden Dollar Umsatz, solide schwarze Zahlen. In dem kleinen Zweitmarkt für Mitarbeiter-Aktien wurden Facebook-Anteile bereits zu Preisen gehandelt, die einen Börsenwert von mehr als 70 Milliarden Dollar bedeuten würden.

Zweifel, ob das Geschäftsmodell funktioniert

Hinter Linked-In stehen im Wesentlichen der Mitgründer Reid Hoffman mit 21,2 Prozent sowie die Finanzinvestoren Sequoia Capital, Greylock Partners und Bessemer Venture Partners mit zusammen 39,4 Prozent. Hoffman hatte bereits beim Verkauf des Online-Bezahldienstes Pay-Pal an Ebay ordentlich Kasse gemacht. Linked-In wurde 2003 gegründet. Die Investoren schossen über die Jahre gut 100 Millionen Dollar in den Betrieb. Da ein großer Teil der Linked-In-Funktionen kostenlos ist - nur Premium-Zugänge kosten Geld - gibt es Zweifel daran, ob das Geschäftsmodell funktionieren kann. Die Bezahl-Dienste lohnen sich vor allem für Personal-Manager, die nach neuen Mitarbeitern suchen. Linked-In hat rund 100 Millionen angemeldete Mitglieder. Knapp die Hälfte davon kommt aus den Vereinigten Staaten.