Online-Plattform nebenan.de Das Internet hilft, die Nachbarn kennenzulernen

Von Caroline Holowiecki 

Über nebenan.de sind viele Nachbarn vernetzt, treffen sich zum Spielen, Basteln oder Essen. Am „Tag der Nachbarn“ am 25. Mai kommen sie zu einem Fest zusammen. Wir haben Nachbarn getroffen, die sich über die Plattform kennen- und liebengelernt haben.

Fasanenhof-Nachbarn, die sich über nebenan.de gefunden haben:  Christine Albrecht, Ulla und Bernd Knoth, Daniela Bieneck sowie  Esther Todd (v. l.) Foto: Caroline Holowiecki
Fasanenhof-Nachbarn, die sich über nebenan.de gefunden haben: Christine Albrecht, Ulla und Bernd Knoth, Daniela Bieneck sowie Esther Todd (v. l.) Foto: Caroline Holowiecki

Filder - Das Lachen nimmt kein Ende. Als Christine Albrecht erzählt, wie Bernd Knoth ihr neulich geholfen hat, Säcke mit Blumenerde vom Auto in die Wohnung zu tragen, kichern alle am Tisch, und als der noch augenzwinkernd sagt, „ich wollt’s erst ausschütten und dann rübertragen“, ist es vollends um alle geschehen. Das Ehepaar Knoth, Ulla und Bernd (65 und 72), und Christine Albrecht (64) sind Nachbarn und treiben gern Späße miteinander. Ihre Balkone sind gegenüber, so nah, dass man fast rüberspucken könnte. Aber beinahe hätten sie sich nie kennengelernt. Wäre da nicht das Internet.

Fasanenhof-Gruppe gibt es seit 2016

Im Stadtteil Fasanenhof haben online viele zusammengefunden, die offline zuvor nichts miteinander zu tun gehabt hatten. Seit 2016 gibt es eine Fasanenhof-Gruppe bei der Onlineplattform nebenan.de. Das Ziel des Internetangebots: Menschen vernetzen. Wenn mal schnell einer eine Bohrmaschine braucht, einen Katzensitter oder Blumengießer sucht, etwas verkaufen möchte oder auf Leute hofft, die ein Hobby teilen. 188 Menschen haben so bisher Bande geknüpft. Die Gemeinschaft wächst.

Nicht nur hier. In Sillenbuch sind 335 Menschen verbunden. Einer sucht seine verlorene Uhr, andere sprechen sich für den Stadtteilflohmarkt ab oder laden zum Frauengesprächskreis ein. Die Stadtteile Riedenberg und Heumaden samt Lederberg haben mit 187 und 43 Nutzern im Vergleich dazu noch Luft nach oben. Auf der Waldau werden 204 Menschen geführt, im Degerlocher Zentrum gleich 269, während in Hoffeld nur 51 mitmachen. Freilich ist das alles keine Stuttgarter Erfindung. Echterdingen-Nord: 74. Echterdingen: 125. Leinfelden: 58. Sielmingen: 56. Stetten: 62. Im Internet klickt man sich durch. Damit sich kein Fake-Profil dazumogelt, wird bei der Betreiberfirma Good Hood eine Verifizierung verlangt. Entweder man lässt sich von Nachbarn einladen oder man registriert sich über einen Dokumenten-Upload beziehungsweise per Post.

Vorteil: es gibt auch reale Treffpunkte auf dem Fasanenhof

Der Vorteil auf dem Fasanenhof ist, dass virtuelle Freunde auf reale Treffpunkte zurückgreifen können. Es gibt zwei Wohncafés; Begegnungsstätten, in denen über die Paritätischen Sozialdienste Mittagstische serviert oder Veranstaltungen ausgerichtet werden. Klassische Quartiersarbeit, die dieselben Ziele verfolgt wie das Internetportal, hat Daniela Bieneck (40), die Quartiersmanagerin, festgestellt, „beides ist niederschwellig“. Synergien werden daher schon lang gebildet. Treffen von Online-Gruppen sind im Wohncafé, Wohncafé-Events werden online verbreitet, „das ist ein Wahnsinnsmultiplikator“, sagt Daniela Bieneck. Vieles geht Hand in Hand. Wer Kreativ- und Spieltreffs, Göckelesessen oder Stammtische ausrichtet, ist bisweilen schwer auseinanderzudröseln. Entscheidend ist der Effekt: Menschen finden sich – auch quartiersübergreifend.

„Heute geht man einkaufen und kennt die Leute“, sagt Bernd Knoth. Esther Todd (49) etwa wohnt erst seit einem Jahr ums Eck, und „ohne nebenan.de hätte ich noch ganz viel Zeit“. Mit Knoths geht sie unter anderem zum Bogenschießen, und Christine Albrecht, mit der sie sich bei den Paritätischen Sozialdiensten einbringt, hat sie auch dafür begeistert. An diesem Freitag, 25. Mai, treffen sich alle wieder. Von 18 Uhr an steigt ein Nachbarschaftsfest. Anlass ist der „Tag der Nachbarn“, den die nebenan.de-Stiftung, die ans Portal angegliedert ist, ausgerufen hat. Gefördert wird der auch vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Alle Fasanenhöfler sollen ins Wohncafé Ehrlichweg 21D kommen – mit Salaten, Grillgut, Hockern. Neue Gesichter sind willkommen.

In Rohr gibt es 256 Online-Nachbarschaftsfreundschaften

Einen ähnlichen Treff richten die Rohrer mit dem Steinbachfest aus. Die Nachbarn aus der erweiterten Halbhöhenlage treffen sich von 16 Uhr an auf dem Grillplatz Dürrlewang. Dass viele der Aufforderung nachkommen, ist anzunehmen. 256 Rohrer sind übers Internet befreundet – und im echten Leben womöglich auch.

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