Online-Poker Deutschland ist der zweitgrößte Markt

Von Jonas Jansen 

 

Und das sind nicht wenige: Nach einer Studie der Universität Hamburg spielen weltweit sechs Millionen Menschen Online-Poker und verzocken dabei insgesamt 3,6 Milliarden Dollar pro Jahr an den virtuellen Tischen. Ausgelöst hatte den Hype der Online-Spieler Chris Moneymaker, der sich 2003 im Internet für ein großes Pokerturnier qualifizierte, es gewann und 2,5 Millionen Dollar einsackte. "Geld machen" wollen viele seit dieser Zeit, in der Folgezeit boomten die Online-Plattformen. Das DSF übertrug oft nächtelang - reale - Pokerturniere, Prominente wie Boris Becker und Lothar Matthäus machten Werbung für die Pokerseiten. Die Nachfrage ist da: Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Markt für Online-Poker, jeder zehnte Spieler kommt aus Deutschland. Mehr als eine halbe Million Deutsche spielen regelmäßig online, ergibt die Studie. Dabei ist Online-Poker auch in Deutschland verboten, geregelt im Paragraf 285 des Strafgesetzbuches: "Wer sich an einem öffentlichen Glücksspiel beteiligt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft." Es gibt kein legales Angebot in Deutschland, wer vor dem Bildschirm um Geld zockt, macht sich strafbar.

Trotzdem wird Online-Poker in der Realität kaum strafrechtlich verfolgt. "Mir ist nicht bekannt, dass jemand ausschließlich verurteilt wurde, weil er an illegalem Glücksspiel im Internet teilgenommen hat", sagt der Anwalt Martin Bahr, der sich unter anderem auf Glücks- und Gewinnspielrecht spezialisiert hat.

Glückspielrecht ist Ländersache

Die Rechtsprechung in Deutschland für Glücksspiel sei chaotisch, weil niemand genau wisse, welches Recht gilt, sagt Bahr. Im Kern geht es um die Frage, ob in Deutschland nicht auch eine ausländische Lizenz reichen würde, um Online-Pokern anzubieten. Manche argumentieren, dass es die Niederlassungsfreiheit der EU erlauben müsse, dass etwa ein Franzose in Deutschland sein Geschäft betreibe. Andere sagen, Deutschland sei dort autonom und nach deutschem Recht ist Online-Glücksspiel verboten. Im Mai kassierte die Kommission einen Gesetzesentwurf der Bundesländer zum Glücksspielrecht, weil der Entwurf gegen EU-Recht verstößt. Im Oktober starten die Länder einen neuen Versuch. Abgekapselt hat sich hingegen Schleswig-Holstein, das ab kommendem Jahr Glücksspiel erlaubt. Möglich ist das, weil das Glückspielrecht Ländersache ist. Ab dann darf dort auch legal online gepokert werden.

Chris Ferguson wird das nicht interessieren, der Poker-Weltmeister hat momentan andere Probleme. Von der Pokerliga wurden "Jesus" und seine Kollegen bereits ausgeschlossen. Ob und wie sie das Geld zurückzahlen, ist noch unklar. Doch bei allem Konflikt mit dem Rechtssystem kann Ferguson eigentlich froh sein, dass er in einer zivilisierten Welt lebt. Denn früher wurden Falschspieler beim Pokern - wie wir alle aus Wildwestfilmen wissen - ganz einfach erschossen. Das sollte den Tricksern hoffentlich erspart bleiben.