Online-Supermärkte Wie sich der Lebensmittelhandel ändert

Teilweise werden die Lebensmittel mit eigenen Diensten ausgeliefert. Foto: dpa

Der Einkauf von Lebensmitteln wird sich stark verändern, prognostizieren Experten. Verbraucherschützer warnen indes vor Fallstricken beim Online-Handel. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Stuttgart - Es ist bequem: Ein Klick und schon sind Nahrungsmittel und Getränke im virtuellen Einkaufswagen. Dann werden sie prompt ins Haus geliefert. Das funktioniert manchmal gut, manchmal schlechter, wie unser Test gezeigt hat. Doch nicht immer läuft es so glatt. Wichtige Fragen und Antworten Überblick.

 

Wie funktioniert der Einkauf von Lebensmitteln im Netz?

Inzwischen gibt es im Internet eine große Auswahl an Online-Supermärkten und Lieferdiensten. Nicht alle liefern aber deutschlandweit. Und noch erfordert der Einkauf im Netz eine gute Planung – vor allem wegen der getakteten Lieferzeiten. Möglich ist aber schon heute ein bequemer Einkauf vom Sofa oder Zug aus übers Smartphone – mit Lieferung am nächsten Tag und inklusive frischer und kühlpflichtiger Ware.

Wer erledigt seinen Einkauf bereits digital?

„Ungefähr zwei Drittel unserer Kunden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt“, sagt Johannes Kunkel, Geschäftsführer des Stuttgarter Online-Supermarkts lieferladen.de. Einige Kunden seien sogar noch älter. Menschen also, die kleine Kinder haben oder nicht mehr so gut zu Fuß sind – und die ihre Einkäufe vorausplanen. Bei größeren Online-Händlern wie Allyouneed Fresh ist das Bild differenzierter. Viele junge Menschen ohne Auto würden mit dem Bestellen von schweren Dingen wie Getränken beginnen, heißt es da.

Welches logistische System steckt dahinter?

Es gibt verschiedene Konzepte, nach denen die großen Lebensmittellieferanten arbeiten. Zum einen gibt es jene Händler, die ein zentrales Warenlager haben und von dort aus mit dem Paketdienst DHL die individuellen Lieferungen zu den Kunden bringen. Verwendet werden dazu Mehrwegboxen die – je nach Bestellung – spezielle Kühlboxen sind. Ein DHL-Bote bringt die Lebensmittel an die Haustüre und nimmt die Boxen wieder mit. Ebenfalls über Paketdienste bringt myTime seine Ware an die Kunden: Hier sind es spezielle Styroporboxen mit Trockeneis, welche die kühlpflichtigen Lebensmittel kühl halten. Und regionale Lieferdienste wie lieferladen.de – bis vor kurzem übrigens auch Rewe – haben eigene Transporter und Fahrer, mit denen sie die Waren ausliefern.

Wie ist das in anderen Ländern?

Deutsche seien – was die Bestellung von Lebensmitteln im Netz angehe – eher zögerlich, sagen viele Experten. Während Online-Supermärkte im Lebensmittelhandel hierzulande nur einen Anteil von zwei Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, liegt der Marktanteil in Großbritannien beispielsweise bei etwa sieben bis acht Prozent. Das sei vor allem auf die großen Anbieter zurückzuführen, die im Vergleich zu deutschen Supermärkten viel mehr Geld in ihren Online-Handel investiert hätten, sagt Daniel Anthes, Nachhaltigkeitsexperte beim Zukunftsinstitut in München. Kühllieferwägen, Online-Warenlager, Click & Collect-Stationen oder Premium-Angebote für Vielfach-Online-Käufer seien dort gängig: „Die Angebotsseite ist hier schon deutlich fortschrittlicher“, berichtet Anthes. Allerdings könne man davon ausgehen, dass der stationäre Verkauf in Großbritannien den Online-Handel zu einem gewissen Teil subventioniere: „Einfach weil der Aufwand enorm groß ist und die Rentabilität damit verschwindend gering.“

Werden wir in ein paar Jahren unsere Lebensmittel hauptsächlich Online bestellen?

Bis 2025 könnte der Marktanteil vom Lebensmittelhandel im Netz bei zehn bis 20 Prozent liegen, sagt Max Thinius vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Gerade auf dem Land, wo die Nahversorgung häufig problematischer werde, könne das ein wichtiges Angebot werden. Immerhin: 39 Prozent der Einkäufer im Netz haben dort auch schon einmal Lebensmittel bestellt. „Der Durchbruch wird aber erst dann kommen, wenn es in den Haushalten eine stärkere Vernetzung gibt“, sagt Thinius. Wenn die Häuser smart sind, wenn Mülleimer erkennen, was weggeworfen wurde, oder wenn Kühlschränke merken, was fehlt, und das dann eigenständig nachbestellen. „Die Technik dafür gibt es schon jetzt, nur ist sie bislang kaum im Einsatz.“ Andere Experten sind da skeptischer – und gehen davon aus, dass das Bestellen von Lebensmitteln im Netz kein Massenphänomen wird.

Wie sieht unser Konsum in der Zukunft aus?

Zukunft sei kein „entweder oder“, sondern ein „sowohl als auch“, sagt Daniel Anthes vom Zukunftsinstitut. Es werde beides geben: eine Digitalisierung im Lebensmittelhandel, auch im stationären, und ein bewusster Konsum als Einkaufserlebnis. „Auf der einen Seite mögen wir es ja, wenn unsere Einkäufe unkomplizierter, flexibler und günstiger stattfinden können – und das bieten uns die Selbst-Scan-Technologien“, sagt Anthes. „Auf der anderen Seite wollen wir bei mitunter so emotionalen Dingen wie Lebensmitteln wieder mehr Begegnung erfahren, weshalb wir häufiger auf Märkten oder in Bioläden einkaufen gehen.“ Das befriedige ein Bedürfnis nach Natürlichkeit in Zeiten zunehmender Digitalisierung.

Welche Fallstricke gibt es beim Bestellen?

Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg teilt die Begeisterung über die Möglichkeiten und Visionen des digitalen Lebensmitteleinkaufs noch nicht so ganz. „Der ganz große Nachteil ist, dass man die bestellten Produkte nicht selber prüfen kann“, sagt sie. Dass man Obst und Gemüse nicht selbst angucken und auswählen könne, störe auch viele Verbraucher – und sei ein Grund dafür, warum das Angebot nur so zögerlich angenommen werde. Dazu käme das Problem, dass man die Ware eben nicht direkt verfügbar habe, sondern auf die Lieferung warten müsse – und dafür auch zu einer bestimmten Zeit zuhause sein sollte. Holzäpfel und andere Verbraucherschützer sehen bei der Online-Bestellung zudem Risiken, die es im stationären Handel nicht gebe: Unseriöse Anbieter, mangelhafte Kühlung, unzureichende Information über Lebensmittel, versteckte Kosten und eine mangelhafte Kontrolle durch die Lebensmittelüberwachung. „Ein großes Problem ist auch der Datenschutz: Oft bleibt bei der Bestellung im Netz unklar, wo die Daten hinkommen“, sagt Holzäpfel.

Worauf sollten Verbraucher achten?

Grundsätzlich empfiehlt Sabine Holzäpfel, sich beim Bestellen im Netz gut und kritisch zu informieren: Also prüfen, was mit den eigenen Daten geschieht. Auf zusätzliche Kosten achten wie einen Kühlaufschlag. Sich über die Art der Verpackung und die Lieferfristen informieren. Und prüfen, ob die entgegengenommene Ware auch tatsächlich kalt genug ist.

 

 

Weitere Themen