Online-Wahlkampf 2013 Außer Stinkefinger nix gewesen

Von und Matthias Ebbertz 

Der Bundestagswahlkampf 2013 sollte der erste Wahlkampf werden, bei dem das Internet eine zentrale Rolle spielt. Letztlich bleiben nur Steinbrücks Stinkefinger und Merkels Schlandkette im Gedächtnis. Was sagt uns das über das zu erwartende Wahlergebnis?

Andrea Nahles sang das Pipi-Langstrumpf-Lied im Bundestag. Foto: dpa 7 Bilder
Andrea Nahles sang das Pipi-Langstrumpf-Lied im Bundestag. Foto: dpa

Stuttgart - 2009 blickten die deutschen Wahlkämpfer neidisch auf den ersten „Internet-Wahlkampf“ der Geschichte: Barack Obamas Präsidentschaftskampagne in den USA 2008. Im Jahr 2013 kommt auch der deutsche Wahlkampf im Internet an. Nur: Er ist nicht so gut, wie er sein könnte. Das ist die fast einhellige Meinung von Forschern und Online-Experten: Außer Stinkefinger nix gewesen.

Am Netzwahlkampf ist nur das relevant, was auch wahrgenommen wird. Zwei Gruppen können online besonders angesprochen werden, sagt der Hohenheimer Kommunikationsforscher Frank Brettschneider: die eigenen Wahlkämpfer sowie unentschiedene Jungwähler. „Anhänger einer Partei bestärken sich selbst, außerdem kriegen sie via Internet Argumente für ihre eigenen Wahlkampfaktivitäten geliefert“, sagt Brettschneider. Die Alternative für Deutschland, die auf Facebook erfolgreich Euro-Skeptiker versammelt, ist ein Beispiel dafür. Junge Wähler wiederum, die mit dem Internet aufgewachsen sind, bilden sich vor allem dort eine politische Meinung – wenn auch möglicherweise eher in Diskussionen als auf den Seiten der Parteien. Es sei wichtig, dass Parteien auch in Diskussionen auf Online-Foren oder Facebook mitmischen, sagt Brettschneider.

Zwar werden Internetaktivitäten der Parteien und Politiker von potenziellen Wählern viel weniger wahrgenommen als etwa Plakate oder TV-Werbespots, wie die Mannheimer Wahlstudie von 2009 ergeben hat. Das heiße aber nicht, dass der Online-Wahlkampf irrelevant sei, sagt Brettschneider. Man dürfe nur nicht erwarten, dass sich ein guter Internetwahlkampf direkt in viel mehr Stimmen übersetzt. Auch Barack Obamas Wahlkampf 2008 sei kein Gegenbeispiel: „Obama hat nicht wegen seines Online-Wahlkampfs gewonnen, sondern weil seine Wahlkämpfer gezielt die unentschiedenen Wähler persönlich angesprochen haben“, so Brettschneider.

Wahlkampf in Zeiten von Facebook

Wird der Online-Wahlkampf also überschätzt? Keiner weiß es genau. Die Ergebnisse von 2009 taugen nur bedingt, weil sich seither die Internetnutzung geändert hat, vor allem dank sozialer Medien wie Facebook und Twitter. Facebook ist laut einer kürzlich veröffentlichten Studie zumindest unter jungen Internetnutzern inzwischen die Informationsquelle Nummer eins. Mehr als 80 Prozent der rund 25 Millionen deutschen Facebook-Nutzer loggen sich täglich mindestens einmal ein, sagt der Social-Media- und Politikberater Martin Fuchs. Das kriegen auch Politiker mit; entsprechend sind mehr als 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten laut einer Analyse von Fuchs vom Juli 2013 bei mindestens einer Social-Media-Plattform vertreten, also etwa Facebook, Twitter oder Google Plus.

Unmittelbar vor der Wahl legten sich einige Politiker noch schnell ein Facebook-Profil zu: Nutzten im Januar noch 76 Prozent aller Abgeordneten Facebook, sind es inzwischen 83 Prozent. In der Region Stuttgart ist die überwiegende Mehrzahl der Bundestagskandidaten bei Facebook – in der Hoffnung, dass das gerade bei Menschen unter 30 „die Wahlentscheidung beeinflussen kann“, sagt der CDU-Kandidat für den Wahlkreis Stuttgart I, Stefan Kaufmann.