Musikerinnen und Musiker melden sich am Sonntag in Ludwigsburg mit einem Open Air auf zwei Bühnen beim Publikum zurück. Die Rückkehr in die Normalität kommt an. Mehrere tausend Zuhörer kommen auf den Rathausplatz.

Die Sonne strahlt am Sonntagmittag mit den Besuchern und den Organisatoren des Festivals „Back to live“ um die Wette. In ein paar Minuten werden die Veranstaltungstechniker der Lautmacher GmbH die Lautsprecherboxen aufdrehen, etliche Besucher steuern auf den Rathausplatz in Ludwigsburg zu. Alex Krämer von der Band Krämer’s Kit, der mit seinen Musikerkollegen die Idee zu dem Open Air hatte, ist zufrieden. Die Anspannung der vergangenen Tage hat sich gelegt. Jetzt kann es losgehen. Endlich.

Innerhalb von drei Wochen hat er zusammen mit Michael Schopf, Patrick Mittag und Andreas Rothacker das eintägige Festival auf die Beine gestellt. Und schon nach einer halben Stunde ist klar: Der Plan, mit dem Start in den kalendarischen Frühling nach der Coronapause auch ein wenig zur Normalität zurückzukehren, geht auf. Der Platz füllt sich immer mehr.

Jede halbe Stunde eine andere Band

Als der Musikverein Oßweil den Auftakt macht, hat sich vor allem die ältere Generation vor der Bühne versammelt. Es bilden sich kleinere Grüppchen. Schon wenig später mischen sich auch Jüngere unter die Zuhörer. Genau so hat es sich Alex Krämer gewünscht. „Wir haben ganz bewusst auf ein abwechslungsreiches Programm gesetzt, das für jeden etwas bieten soll.“ Blasmusik, Hip Hop, Jazz, Heavy Metal, Acoustic Rock – die musikalische Bandbreite ist groß. Zwei Bühnen sind aufgebaut. Jede halbe Stunde tritt eine andere Band auf.

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Überrascht zeigt sich mancher Besucher, dass der Platz abgesperrt ist und Mitarbeiter eines Security-Unternehmens den Einlass kontrollieren. Nicht jeder ist im Hin und Her der Coronapolitik auf dem neuesten Stand. Auch das Organisationsteam war mit Blick auf den 20.  März eigentlich von einer Art „Freedom Day“ ausgegangen, verrät Krämer. Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann hielt die Beschlüsse der Bundesregierung in puncto Öffnung für grob fahrlässig und trat auf die Bremse.

3G-Regel gilt

Die Gesetzespläne des Bundes sehen ab dem 20. März lediglich noch Maskenpflicht in Pflegeheimen, Kliniken und im Nahverkehr vor ebenso wie eine Testpflicht in Heimen und Schulen. Baden-Württemberg nutzt, wie einige andere Länder, eine Übergangsfrist und verlängert die aktuell geltenden Regeln bis 2. April. Für das Festival bedeutet dies, dass nach wie vor 3G gilt.

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„Als wir vor zwei Tagen von der Stadt informiert wurden, mussten wir noch kurzfristig umplanen und 7000 Eingangsbändel organisieren. Aber das ist völlig in Ordnung“, findet Alex Krämer. Es gehe um die Künstler, betont denn auch Andy Rothacker. Um kurz vor halb Zwei, als der Musikverein Oßweil schon beinahe am Ende seines Auftritts ist, und sich auf der gegenüberliegenden Bühne die nächste Band bereit macht, sind schon 200 Zuhörer auf dem Rathausplatz.

Musikverein Oßweil eröffnet

Auf den Plakaten und in den sozialen Medien waren die Abendsterne angekündigt. Doch die treten nicht auf. Der Chor habe sich einstimmig gegen den Auftritt entschieden, erklärt der Chorleiter Jörg Thum. „Wir sind seit zwei Jahren als Chor in einem absoluten Ausnahmezustand.“ Seit Beginn der Pandemie habe man zwar nicht eine einzige Probe versäumt und gleich im März 2020 auf online umgestellt. Doch erst seit zwei Wochen probe man wieder in einer Schulmensa – mit viel Abstand, Vorabtestung und mit Masken.

Abendsterne-Chor verzichtet

Die Vorsicht bedinge, dass man nicht von heute auf morgen zur Normalität wechseln könne – so sehr sich das alle wünschten. „Wir haben seit zwei Jahren nicht eng auf eng gesungen.“ Doch ganz mussten die Besucher des Festivals nicht auf die Abendsterne verzichten. Statt des Chores trat eine abgespeckte Abordnung der Abendsterne-Band auf.

Und die Besucher strömen und strömen. Es ist ein Kommen und gehen. Am Nachmittag sind es schon an die 1000 Zuhörer, am frühen Abend bereits mehrere tausend. Als am Spätnachmittag die Brenz Band auftritt könnte die Stimmung nicht besser sein. Die Musiker werden gefeiert, die Menge genießt den musikalischen Start in den Frühling.

Live ist besser als digital

Micha Schopf, dem Chef der Lautmacher, geht es nicht anders. Ein tolles Gefühl sei es, nach der langen Coronapause endlich mal wieder ein Festival zu beschallen, sagt der Veranstaltungstechniker. In den vergangenen zwei Jahren habe sein Team viele digitale Events begleitet, aber ein Live-Festival sei eben doch etwas ganz anderes. „Dafür machen und lieben wir unseren Job.“