Oper in Stuttgart Die Staatsoper erobert die Stadt

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Endlich spielen sie wieder: Einmal quer durch Stuttgart gibt es bis Ende Juli Konzerte und Musiktheater.

Szene aus Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ Foto: Staatsoper/Martin Sigmund
Szene aus Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ Foto: Staatsoper/Martin Sigmund

Stuttgart - Auf „Don Pasquale“, „Elektra“ und die „Cavalleria rusticana“ muss das Publikum der Stuttgarter Staatsoper in diesen Wochen coronabedingt verzichten; die ordentliche Spielzeit wurde bekanntlich vorzeitig beendet. Doch was das Staatstheater am Montag unter dem Motto „Oper statt Corona – Opern und Konzerte im Ausnahmezustand“ als Ersatzspielplan vorgestellt hat, ist ein kleines Kunstwerk für sich. Bis zum 26. Juli vergeht kein Tag mehr, an dem nicht irgendwo in der Stadt Musiktheater oder Konzert zu erleben sind; natürlich immer unter Wahrung von Hygiene und Abstand und Notverordnungs-konform live vor höchstens 99 Zuschauern.

Die Termine auf dem Kulturwasen („Die Geschichte vom Soldaten“ und „Die Zauberflöte“) waren schon bekannt, ebenso alle Konzerte in der Liederhalle. Ein echter Neuigkeiten-Knaller ist dagegen, dass die Oper auch auf dem Gelände des Stuttgarter Hafens spielen wird – und zwar Operette und Musical. Paul Abrahams „Blume von Hawaii“ und Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“ sind echte Perlen ihrer Gattung – und werden Anfang Juli „schnell und schmutzig“, wie die Bühne schreibt, mit maximal 5 Darstellern und anderthalb Stunden Gesamtdauer inszeniert. Insgesamt sechs Vorstellungen sind geplant – nix wie ans Telefon!

Demonstration für die Freiheit

Und noch ein Knaller: Eigentlich sollte der österreichische Regisseur Valentin Schwarz gerade in Bayreuth schwitzen, um für die Festspiele einen kompletten neuen „Ring“ auf die Bühne zu bringen. Auch die Wagner-Festspielsaison ist allerdings schon lange abgesagt, stattdessen inszeniert Schwarz nun in Stuttgart. Unter dem Titel „Demo(kratie) – Ein Bühnenfreifestspiel“ will er gemeinsam mit dem Staatsopernchor den Stadtraum erobern und bespielen: „eine Demonstration für die Freiheit – auch für die Freiheit, sich zu irren. Für die Kunst. Für die Vernunft, das richtige zu tun“. Drei Vorstellungen Mitte Juli; zum Glück wird man hier wohl nicht reservieren müssen.

Drei Wandelkonzerte mit Sängern, Chorsolisten und Staatsorchester-Musikern im Mercedes-Benz-Museun, fünf musikalische Salons „bei Max Littmann zu Hause“ mit prominenten Gästen, unter anderem dem Ministerpräsidenten, sechs Musikvideos zu Musik von Meistern des Frühbarock im Opernhaus, drei Produktionen des Jungen Musiktheaters „Join“, die von Kindertagesstätten gebucht werden können – dieser Ersatzspielplan ist eine Fundgrube. Und das einzige Problem wird sein, angesichts der zu erwartenden Nachfrage die knappen Plätze zu verwalten. Der Kartenverkauf hat begonnen – per Telefon, online und per E-Mail.




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