Oper mit Flüchtlingen Alles Gestrandete

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Zur Multimediareportage

Alle Handelnden in Schmitts Inszenierung sind Gestrandete. Was für eine Vorlage für die Gegenwart, wo die Fahrt über das Mittelmeer für viele der Opernprotagonisten aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Iran und aus Pakistan eine Station ihrer Flucht ist. In Bernd Schmitts Inszenierung kommt Idomeneo deshalb aus dem Krieg in Syrien zurück nach Hause. Den Stoff mit wirklich Geflüchteten zu inszenieren, ist für ihn eine Frage der Wahrhaftigkeit. Für Thomas Wördehoff, den Intendanten der Ludwigsburger Schlossfestspiele, fügt sich die Inszenierung passgenau in das diesjährige Konzept der Veranstaltungen, das sich „Passagen“ zum Oberthema gewählt hat: „Bernd Schmitt ist es gelungen, die hochartifizielle Kunstform Oper in die Welt zu holen und ein Fenster in die Realität des Jahres 2016 zu schlagen, ohne dass es aufgesetzt wirkt.“

„Idomeneo“ ist das dritte Projekt dieser Art, dem sich Zuflucht Kultur annimmt. Den Anfang machte „Cosi fan tutte“. Schmitt hatte die Handlung in ein Asylbewerberwohnheim verlegt. Einstudiert werden sollte die Inszenierung in einem Kloster im oberschwäbischen Oggelsbeuren bei Biberach, in dem zu der Zeit 74 Asylsuchende einquartiert waren. Was lag näher, als sie nach einer Zeit des Aneinanderrantastens in die Handlung einzubauen. Es folgte Mozarts Opernfragment „Zaide“. Wieder mit Flucht und Heimatverlust als Themen. Eine echte Mozart-Connection sozusagen. „Mozarts Musik funktioniert international“, sagt Cornelia Lanz.

Es riecht nach Kreuzkümmel und Heimweh

In ihrer Küche riecht es an diesem Sonntag schon morgens um acht Uhr wie in einem arabischen Restaurant. Ein Geruch von Kreuzkümmel, Koriander und Heimweh. In der Pfanne brutzeln Eier, der Humus-Kichererbsenbrei ist gestampft, die Paprikaviertel, Gurkenstücke und die Oliven sind auf einen großen Teller gehäuft. Khaled Alhussein, 34, ist in seinem Element. Er ist Koch, Mädchen für alles und jemand, der viel lacht, weil er genau weiß, worauf es ankommt, damit Menschen sich wohlfühlen.

Die Vierzimmerwohnung gegenüber der Stuttgarter Musikhochschule ist die Schaltzentrale und das Herz des Vereins Zuflucht Kultur. Cornelia Lanz gibt immer mal wieder eines der Zimmer in ihrer Wohnung an einen der Flüchtlinge ab. So gesehen ist ihre Welt kleiner geworden. Aber so sieht sie es nicht: „Meine Welt wird größer“, sagt sie. Und hofft, dass es den Opernbesuchern auch so gehen wird. Dass nämlich aus den Flüchtlingen Menschen wie Khaled, Wassim, Sahmad oder Fatimeh werden. „Wenn das Projekt nichts wird, dann haben wir wenigstens Khaled und die anderen kennengelernt.“




Unsere Empfehlung für Sie