Oper mit Flüchtlingen Das Projekt erfüllt Lebenswünsche

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Zur Multimediareportage

Ein Büro gibt es nicht. Ein Zimmer weiter sitzt Heinz-Ekkard Kaiser über einen Computer gebeugt am Schreibtisch der Hausherrin. Auch er ein Zuflucht-Kultur-Gründungsmitglied der ersten Stunde. Er ist dabei, Flyer und Plakate zu sortieren und zu organisieren, dass sie unter die Leute kommen. Er arbeitet eigentlich in einer Therme, ist aber selbst Sänger und jetzt für die Logistik der Produktion zuständig. Manchmal ist auch er es, der noch einmal losfährt, um die in ihrem Wohnheim abzuholen, die sonst zu spät zur Probe kommen.

Im Wohnzimmer von Cornelia Lanz sitzen Zaher Alchihabi, 29, und Mazen Mohsen, 23. Der eine Schauspieler und Filmemacher aus Aleppo, der andere Sänger, Gitarrenspieler und studierter Musiklehrer aus Damaskus. Auch sie hätten sich nicht träumen lassen, dass sie nur ein paar Monate nach dem Abschied von ihrem Heimatland wieder auf einer Bühne stehen würden. Dieses Opernprojekt ist damit auch so etwas wie eine Erfüllung von Lebenswünschen.

Morddrohung vom IS

Mazen Mohsens kräftiger Bariton hat wieder ein Publikum. Der junge Mann wäre im Mittelmeer beinah ertrunken, hätte er nicht in weiser Überlebensklugheit einen Schwimmlehrer bei sich gehabt, der ihn fast eine Stunde bis zur Rettung über Wasser hielt. Zaher Alchihabi, hätte nicht zu hoffen gewagt, dass er seine Schauspielambitionen hier würde weiterleben können. In seiner Heimat hatte ihn der IS für seine Schauspielerei mit dem Tod gedroht. Bereits in Oggelsbeuren hat er Cornelia Lanz kennengelernt.

Am Nachmittag werden Zaher und Mazen mit anderen aus dem Idomeneo-Team auf dem Weingut Adelmann in Großbottwar singen und für „Idomeneo“ die Werbetrommel rühren. Und ein bisschen auch für sich. Denn immer wieder findet sich eine Wohnung, weil Gäste entdecken, dass sie die leer stehende Einliegerwohnung ja vermieten könnten.

Die Hausherrin schreibt derweilen WhatsApp-Nachrichten, um den vor ihr liegenden Tag zu organisieren. Es ist die Phase zwischen den zwei großen „Idomeneo“-Probenblöcken. Es gilt die Spannung zu halten und die Musiklaien unter den Mitwirkenden weiterhin für die gemeinsame Sache zu begeistern. Begonnen haben die Proben im März, nach einem Casting, zu dem frisch angekommene Flüchtlinge kamen und Menschen, die schon länger in Deutschland sind. Sie haben vorgespielt und gesungen, auf Gartenschläuchen und anderen improvisierten Instrumenten musiziert. Das Projekt Zuflucht Kultur dient auch als eine Talentschmiede.




Unsere Empfehlung für Sie