Operndiva gibt Geislingen die Ehre Musikalische Hommage an das Leben

Vier künstlerische Schwergewichte: einen Abend zum  Glück und Leid des   Lebens geben Götz Payer, Helene Schneiderman, Franziska Walser und Motti Kaston (von links) am Sonntag in der Geislinger Rätsche, wenn Sie musikalisch vom Leben der Judith Schneiderman berichten. Foto: Staatstheater
Vier künstlerische Schwergewichte: einen Abend zum Glück und Leid des Lebens geben Götz Payer, Helene Schneiderman, Franziska Walser und Motti Kaston (von links) am Sonntag in der Geislinger Rätsche, wenn Sie musikalisch vom Leben der Judith Schneiderman berichten. Foto: Staatstheater

Die Mezzosopranistin Helene Schneiderman und die Schauspielerin Franziska Walser gastieren in Geislingen mit einem anrührenden Lied- und Rezitationskonzert

Region: Corinna Meinke (com)
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Geislingen - Das Verdrängen, Verleugnen und Vergessen der Geislinger Nazi-Vergangenheit ist vorbei. Was der SPD-Stadtrat Hansjürgen Gölz den Geislingern bereits im vergangenen Mai ins Stammbuch geschrieben hat, treibt nun die schönsten Blüten. 70 Jahre nach dem Kriegsende hat es bereits im vergangenen Frühjahr einen bemerkenswerten Erinnerungsreigen in Geislingen gegeben. Erinnert wurde an die jungen Mädchen und Frauen, die im KZ-Außenlager gefangen waren und als Zwangsarbeiterinnen bei der WMF in der Rüstungsproduktion geschunden wurden. Mit einem ganz besonderen Liederabend setzt nun die Rätsche dem Erinnern die Krone auf: Die international renommierte Opernsängerin Helene Schneiderman und mehrere Kollegen gastieren am Sonntag, 13. März mit dem Programm „Ich sang um mein Leben“.

Mit 15 Jahren wurde Judith nach Auschwitz verschleppt

„So etwas gehört doch eigentlich nach Geislingen“, hatte sich der Wahlgeislinger und Posaunist im Stuttgarter Staatsorchester, Martin Hueber, gedacht, als er von dem Liedkonzert erfuhr, mit dem Schneiderman die Lebensgeschichte ihrer nach Auschwitz verschleppten Mutter Judith Schneiderman nacherzählt. Den roten Faden dafür hat deren Biografie „I sang to survive“ gegeben. Judith Schneidermann, aufgewachsen in einer jüdisch-orthodoxen Familie in einem Karpatendorf, war als 15-Jährige nach Auschwitz gekommen. Ihre Eltern und drei ihrer sieben Geschwister überlebten den Holocaust nicht. Sie selbst konnte sich vermutlich durch die Musik retten, denn das junge Mädchen sang den Aufsehern deutsche Lieder vor.

Judiths Tochter machte als Sängerin Weltkarriere

Ihre Tochter Helene Schneiderman, die an den Opernbühnen weltweit reüssiert, hat mit dem Pianisten Götz Payer aus jüdischen Liedern, Schlagern und Volksliedern eine Reise durch die musikalischen Kulturen zusammengestellt, die Judith Schneiderman, die heute in New Jersey lebt, durchmessen hat. Neben Helene Schneiderman ist auch der israelische Bariton Motti Kaston zu hören. Schneiderman und Kaston sind beide Ensemblemitglieder der Stuttgarter Staatsoper.

Franziska Walser liest aus Judiths Biografie

Und um das Interpretenquartett komplett zu machen, ist eine weitere prominente Stuttgarterin mit von der Partie: die viel beachtete Schauspielerin und Rezitatorin Franziska Walser, die seit der Spielzeit 2013/2014 das Ensemble des Staatstheaters Stuttgart als Ensemblemitglied zum Glänzen bringt. Walser zitiere aus Judith Schneidermans Biografie und runde damit diese Hommage an das Leben ab, kündigt Martin Hueber an.

Die Rätsche hofft auf ein ausverkauftes Haus

Mit glänzenden Augen berichtet der Musiker davon, dass seine prominenten Kolleginnen und Kollegen sehr gerne nach Geislingen kämen. Für die Rätsche sei das Konzert vor allem auch eine finanzielle Herausforderung, deshalb hoffe er sehr, dass bis Sonntag noch alle 200 Plätze in dem Geislinger Kulturzentrum verkauft werden könnten. In Stuttgart seien diese Konzerte jedesmal ausverkauft gewesen, sagte Hueber. Übrigens hätte er es noch lieber gesehen, wenn das Konzert in den Räumen der WMF hätte stattfinden können.

Hueber sitzt nicht nur als Posaunist in der Stuttgarter Staatsoper im Orchestergraben, sondern er hat bereits vor vier Jahren in seiner Wahlheimat Geislingen eine unterirdische Konzertreihe etabliert. Unterirdisch bezieht sich dabei kein bisschen auf die Qualität. Diese ist ausgezeichnet, weil Hueber mit der ersten Garde der bundesdeutschen Orchestermusiker zur „Kultur im Gewölbe“ in den mehrstöckigen Keller des Blumenhauses Burr in der Geislinger Bahnhofstraße 72 aufwarten kann. In Kammermusikbesetzung versteht sich.




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